Masterplanung in Renningen Die „weißen Flecken“ schwarz auf weiß

Von Kathrin Klette 

Wo stockt es auf der Datenautobahn? Das zeigt der Masterplan, der der Stadt nun vorliegt.

Im Schneckentempo über die Datenautobahn? Der Masterplan zeigt, wo in Renningen noch Probleme herrschen. Foto: dpa
Im Schneckentempo über die Datenautobahn? Der Masterplan zeigt, wo in Renningen noch Probleme herrschen. Foto: dpa

Renningen - Wer zu Hause abends den Rechner anschmeißt und online die neueste Folge seiner Lieblingsserie streamen will, merkt als Erstes, ob seine Internetverbindung dafür ausreicht, oder ob der Serienabend zum Desaster mit vielen Ruckelbildern wird. Damit nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Stadt Renningen einen genauen Überblick hat, wo es in ihren Reihen noch „hängt“, hat sich diese an einem Förderprogramm des Bundes beteiligt und das Büro Breitbandberatung Baden- Württemberg beauftragt, einen „Masterplan“ zu erstellen. Der zeigt nun klar und schwarz auf weiß: Wo ist welcher Anbieter tätig und vor allem mit welcher Technik? Die Ergebnisse hat Thilo Kübler von der Breitbandberatung am Mittwoch im Technischen Ausschuss vorgestellt.

Klar wurde aus der Analyse: In Renningen ist so ziemlich alles vertreten – von der bestmöglichen Verbindungsrate mit um die 1000 Megabit pro Sekunde bis unter die 16 Mbit/s-Grenze. Diese unterversorgten „weißen Flecken“ liegen jedoch nicht nur in einem einzigen Gebiet, sondern sind über das ganze Stadtgebiet verteilt. Überall da, wo sich die Versorgungsgebiete von Unity Media und den verbesserten der Telekom nicht überschneiden, also wo nur die alte Technik der Telekom greift.

Vor allem Randgebiete fallen durch das Raster

Die schnellsten Verbindungsraten gibt es flächendeckend im Gewerbegebiet nördlich der Bahngleise und in Schnallenäcker II, dank „FTTB“. Dabei führen die Glasfaserkabel direkt bis zum Gebäude. Die Technik CATV, die Unity Media in Altbeständen noch nutzt, ermöglicht in großen Teilen der Stadt bis zu 300 Mbit/s im Download, allerdings nur um die 10 im Upload. Zwischen 16 und 50 Mbit/s sind dort möglich, wo die Telekom das sogenannte Vectoring betreibt. Die alten Kupferkabelverbindungen werden dabei durch Glasfaser ergänzt, die dann immerhin bis zu den Verteilerkästen führt. Aus diesem Raster fällt zum Beispiel ein Abschnitt südlich der Lehenbühlstraße, ebenso kleine Gebiete in Malms­heim, vor allem aber Randbereiche wie nördlich der Wilhelmstraße und der Bereich rund um die Fronäckerstraße. Dort wird noch ausschließlich über Kupferkabel versorgt.

Die wirklich interessante Frage ist nun: Wie sehen die Lösungswege aus? Im Detail wird diese Frage erst im Juni im Rat wieder aufgegriffen, am Mittwoch ging es in erster Linie darum, die Analyse vorzustellen. Dennoch gibt es natürlich Ansätze. Zur Erinnerung: Eine Kommune darf nicht einfach selbst irgendwo Kabel verlegen und so in den freien Markt eingreifen. Was sie aber darf, ist, Leerrohre unter der Erde zu verlegen, die Telekom, Unity Media und Co. später gegen eine Pacht nutzen können. Schlecht versorgte Gebiete können für die Netzbetreiber so attraktiver werden, weil diese sich damit einen großen Aufwand beim Tiefbau ersparen. Die Kommune kann diese Verlegungen oft mit ohnehin nötigen Bauarbeiten verknüpfen, sodass Straßen nicht doppelt aufgerissen werden müssen. Anhand des Masterplans kann die Stadt nun Prioritäten setzen, was Verhandlungen mit Anbietern angeht und wo Leerrohre sinnvoll und wichtig sind.

Telekom kündigt weiteres Vectoring an

Für einen Großteil des Stadtgebiets hat die Telekom allerdings bereits angekündigt, mit dem Vectoring fortzufahren. „Das soll noch dieses Jahr gemacht werden“, berichtet der Stadtbaumeister Hartmut Marx. Wo das nicht passiert oder keinen ausreichend großen Effekt hat, kommen dann die Themen Leerrohre und Gespräche mit potenziellen Anbietern zum Tragen. „Für das Gewerbegebiet am Heimsheimer Weg haben wir von Unity Media und Telekom schon die Zusage bekommen, dass sie dort aktiv werden wollen“, so Marx.

Bei der Frage im Rat nach den Kosten und dem Zeitrahmen, um für Renningen ein ideales Niveau zu erreichen, wählte Thilo Kübler klare Worte: „Wir sprechen hier von 4500 bis 5000 Anschlüssen, da bewegen wir uns im Rahmen von 20 Millionen Euro.“ Wobei Fördermittel und Ersparnisse durch die Synergie bei Straßenbauarbeiten nicht eingerechnet sind. „Und 20 Jahre werden wir mit dem Thema sicher beschäftigt sein – auch wenn es andere Lippenbekenntnisse aus der Politik gibt.“

Masterplanung im Altkreis

Außer Renningen profitieren auch Weil der Stadt und Weissach von dem Förderprojekt des Bundes. In Weil der Stadt liegen die Ergebnisse der beauftragten Analyse aber noch nicht vor. „Durch unsere Teilorte ist alles etwas aufwendiger“, erklärt der Kämmerer Ulrich Knoblauch. Die Zuständigen seien dran, „die Umfragen bei den Marktteilnehmern, wie Telekom und so weiter, sind zum Beispiel schon durch“. Wann genau das Gesamtergebnis vorliegen wird, stehe noch nicht fest.

In Weissach ist man „bei der Masterplanung sehr weit vorangeschritten und kurz vor dem Abschluss“, erklärt der Bürgermeister Daniel Töpfer. Geplant ist, dass die Ergebnisse in der Sitzung des Technischen Ausschusses im Juni auf die Tagesordnung kommen. Erfreulich sei, dass unter anderem die Telekom „in diesem Jahr den Breitbandausbau in unserer Gemeinde vollständig abschließen möchte“. Unabhängig davon werde die Gemeinde vom Masterplan profitieren, „da wir bei zukünftigen (Tief-)Baumaßnahmen konkret sagen können, was verbaut werden muss, um ein flächendeckendes Glasfasernetz realisieren zu können“.