Matthias Kammüllers Namen Warum die Trumpf-Chefin nicht Frau Müller heißt

Der Mann an der Seite der Trumpf-Chefin : Matthias Kammüller Foto: Trumpf/Verena Müller

Geboren wurde er als schlichter Müller. Wie der Ehemann der Trumpf-Chefin Nicola Leibinger zum „Kammüller“ wurde – und welche Tradition die Familie in Südbaden hat.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Er ist der Mann an ihrer Seite, aber auch in ihrem Schatten. Die Bühne und das Rampenlicht überlässt Matthias Kammüller (65) gerne seiner Frau: Nicola Leibinger-Kammüller (63) ist die Chefin und das Gesicht des Laserspezialisten Trumpf in Ditzingen, in Öffentlichkeit und Medien zeigt sie sich präsent wie wenige Managerinnen. Er hält sich als Chief Digital Officer eher im Hintergrund – und engagiert sich ehrenamtlich, etwa als Chef des Verbandes der Maschinenbauer (VDMA) oder japanischer Honorarkonsul in Baden-Württemberg.

 

Neulich machte Matthias Kammüller einmal selbst Schlagzeilen, aber eher ungeplant: Am Rande einer Pressekonferenz offerierte er der Stadt Stuttgart Hilfe bei der Bewältigung der Probleme im Ausländeramt. Zu oft hatte er als Konsul hören müssen, wie abschreckend ausländische Fachkräfte den Behördengang mit stundenlangem Warten erlebten. Im Rathaus war man über das Nachhilfe-Angebot nicht nur erfreut. Inzwischen gab es ein Gespräch. Was aus der Kooperation wird, bleibt abzuwarten.

Dementi zur Legende mit dem Schwiegervater

Öffentlich am präsentesten aber ist Kammüller mit seinem Namen, den seine Frau – die Tochter des Firmenpatriarchen Berthold Leibinger (gestorben 2018) – nach der Hochzeit 1984 an ihren Geburtsnamen angehängt hat. Auch die vier Kinder heißen Kammüller. Geboren wurde der Vater aber anders, nämlich schlicht als Müller. Seit langem hält sich im Schwäbischen eine Legende, wie daraus Kammüller wurde: Leibinger senior habe keinen Schwiegersohn mit Allerweltsnamen haben wollen, also sei das „Kam“ vorangestellt worden.

Stimmt überhaupt nicht, wird nun aus dem Umfeld der Familie klargestellt: Als Matthias seine Nicola kennenlernte, hieß er schon Kammüller. Den Nachnamen habe der promovierte Ingenieur bereits während des Studiums ergänzt. Nach deutschem Recht dürfen Namen zwar nur aus „wichtigem Grund“ geändert werden. Dazu gehört indes auch die „Identifikationsfunktion“: Matthias Müllers gibt es wie Sand am Meer, auch Namen wie Maier oder Schmid – in allen erdenklichen Schreibweisen – werden gerne als „Sammelbegriff“ bespöttelt.

Die Wurzeln der Kammüllers in Kandern

Mit der Vorsilbe griff Kammüller auf eine Familientradition zurück: Seine Vorfahren stammen aus der Kleinstadt Kandern im Kreis Lörrach, am Fuß des Schwarzwalds. Dort lassen sich die Kammüllers bis ins Jahr 1590 zurückverfolgen, wie die „Badische Zeitung“ unlängst berichtete. Die Brache einer früheren Tonwarenfabrik, die in Spitzenzeiten 60 Mitarbeiter zählte, heißt bis heute „Kammüller-Areal“. Die einstigen Chefs, vor allem Adolf Kammüller, hätten als besonders fürsorgliche, sozial verantwortungsbewusste Unternehmer gegolten – ein Anspruch, dem auch Trumpf folgt.

Kammüller statt Müller: Namen sind eben nicht nur „Schall und Rauch“ (Goethe), sie dienen auch der Unverwechselbarkeit – und können in Politik und Wirtschaft durchaus hilfreich sein. Stuttgarter Statthalter einer großen Privatbank war einst ein Freiherr von soundso. Dazu wurde er allerdings erst durch Heirat, geboren war er mit einem der häufigsten Nachnamen. Sein distinguiertes Auftreten unterstrich die Aura des Adels, der freilich längst abgeschafft ist. Auch die heutige Wissenschaftsministerin ging lange als Petra von Olschowski durchs (Berufs-)Leben, ein Erbe ihrer österreichischen Vorfahren. Erst als sie Staatssekretärin wurde und Ministeriale sich wegen der Ernennungsurkunde ihren Pass genauer anschauten, legte sie das „von“ ab. Die Landtags-FDP machte das zum Gegenstand einer Anfrage – und bekam die Antwort, es habe sich um ein „Pseudonym“ gehandelt. Bis dahin war davon nie die Rede gewesen.

Die frühe Umbenennung ihres Mannes hat die Trumpf-Chefin davor bewahrt, zur „Frau Müller“ zu werden – oder jedenfalls zur Frau Leibinger-Müller. Den guten Namen ihres Vaters hätte sie vermutlich so oder so behalten.

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