Me First and the Gimme Gimmes im LKA Pop-Hits in der Punkrock-Mangel

Der Spaß steht im Vordergrund: Me First And The Gimme Gimmes Foto: Veranstalter
Der Spaß steht im Vordergrund: Me First And The Gimme Gimmes Foto: Veranstalter

Punkrock-Karaoke ist schon längen en Vogue, die US-amerikanische Band Me first and the Gimme Gimmes geht den umgekehrten Weg: Arrivierte Punkmusiker drehen in Hawaii-Hemden Hits der vergangenen Jahrzehnte durch die Punkrock-Mangel.

Kultur: Bernd Haasis (ha)
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Stuttgart - Seit einigen Jahren veranstaltet die Stuttgarter Bar Schlesinger, einer der letzten Mehrgenerationenclubs der Stadt, Punkrock-Karaoke; im gut gefüllten LKA nun war am Dienstag die US-amerikanische Band Me first and the Gimme Gimmes zu Gast, die den umgekehrten Weg geht: Arrivierte Punkmusiker drehen in Hawaii-Hemden Hits der vergangenen Jahrzehnte durch die Punkrock-Mangel.

Sänger Spike Lawson, die Gitarristen Chris Shiflett (Foo Fighters) und Joey Cape (Lagwagon), Bassist Jay Bentley (Bad Religion) und Drummer Dave Raun (Lagwagon) generieren eine Mischung aus Pogo-Seligkeit, Lagerfeuer-Feeling und Bierzelt-Atmosphäre, wenn sie George Gershwins „Summertime“ in stark überhöhter Geschwindigkeit abfeuern, „All My Lovin‘“ von den Beatles, „Leaving On A Jetplane” und „Country Roads“ von John Denver, den „Rocky Horror“-Eröffnungssong „Science Fiction“.

„Ich bin dankbar dafür, dass all ihr ,Stuttgardians‘ diesen magischen Moment mit uns teilt“, verkündet Lawson, der als einziger über dem Hawaii-Hemd einen weißen Anzug trägt. Gesegnet mit dem Las-Vegas-Entertainer-Gen und der Stimme eines großen Crooners scheint er es förmlich zu genießen, wenn er Barry Manilows grandiose Schnulze „Mandy“ intonieren darf, den Dolly-Parton-Countryhit „Jolene“, „Ghostriders In The Sky“ oder „Over the Rainbow“ aus dem „Zauberer von Oz“.

Me First and the Gimme Gimmes machen der Ballade „I Believe I Can Fly“ von R. Kelly Beine, dem James-Bond-Song „Nobody Does It Better“ und Gloria Gaynors Hymne „I Will Survive“, und das Publikum feiert dazu eine Party, wie man sie im deutschen Schlager-Kontext von den Auftritten Dieter Thomas Kuhns kennt.

Vielleicht ist diese Art der Dekonstruktion der einzige verbliebene Weg, all diese hoffnungslos überstrapazierten Songs überhaupt noch würdevoll zu präsentieren. Fest steht: Alle Anwesenden hatten großen Spaß dabei.

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