Mehr Wohnungseinbrüche im Land Einbrecher machen der Polizei zu schaffen

Von  

Der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) hat die polizeiliche Kriminalstatistik für 2013 präsentiert. Viele Tendenzen sind positiv. Bei Wohnungseinbrüchen hat es aber eine Zunahme gegeben. Das hält die Polizei in Atem.

Meist sind es Banden, die auf Einbruchstour gehen und sich dann rasch verziehen. Foto: dpa
Meist sind es Banden, die auf Einbruchstour gehen und sich dann rasch verziehen. Foto: dpa

Stuttgart - Schwer zu schaffen, das sagt sogar der Innenminister Reinhold Gall (SPD), macht der Polizei eine „ungute Entwicklung beim Wohnungseinbruchsdiebstahl“. 31,8 Prozent mehr solcher Delikte weist die Kriminalitätsstatistik für 2013 aus – und verhagelt damit die eigentlichen positiven Tendenzen: insgesamt eine der niedrigsten Kriminalitätsbelastungen in Deutschland überhaupt; Tiefstand bei Tatverdächtigen unter 21 Jahren; 40 Prozent Rückgang der Jugendgewalt gegenüber 2007; niedrigster Stand der Gewaltkriminalität seit zehn Jahren – „Baden-Württemberg ist nach wie vor eines der sichersten Bundesländer“, unterstrich Gall.

Wenn da nur nicht die Einbrüche wären. 11 300 Fälle sind vergangenes Jahr zu Protokoll gegeben worden, eben fast ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. Das besonders Missliche dabei: die Aufklärungsquote liegt hier bei gerade mal 10,9 Prozent. In anderen Bundesländern, so ergänzte der Landespolizeipräsident Gerhard Klotter, seien die Steigerungsraten bei diesem Delikt „nicht ganz so extrem“, die Aufklärungsquoten aber „in der Regel etwas besser“.

Abschied von alten Mustern

Inzwischen sei die Bekämpfung der Wohnungseinbrüche ein landesweiter Schwerpunkt, sagte Gall. Die Polizei muss sich freilich von alten Mustern verabschieden. So sei es keineswegs so, dass an Ortsrändern gelegene Immobilien besonders gefährdet seien, das sind alle. Die Tatzeiten gehen auch „rund um die Uhr“. Hauptsaison sei aber schon im vierten Quartal, „wenn die Nächte länger sind“, so Klotter.

Die Ermittlungen seien schwierig, weil aus dem Ausland stammende Täter in wechselnder Besetzung zu Gange seien, dabei aber von inländischen Mittelsmännern gesteuert werden. 43 Prozent der bisher ermittelten Täter seien keine Deutschen. Diese Zahl ist freilich angesichts der Aufklärungsquote von sehr beschränkter Aussagekraft. Immerhin gibt es auch Erfolge. In der Ortenau haben die Fahnder einen aus Georgien stammenden Einbrecherring erwischt. „Die kommen für hundert Einbrüche in Frage“, sagt Klotter. Im Enzkreis konnte man das Treiben einer kosovarischen Bande beenden, „die ganz gezielt aus dem Ausland angefordert wurde, um ein bestimmtes Diebesgut zu beschaffen“.

Das sind Dinge, die man schnell und unkompliziert in ein Versteck oder gleich ins Ausland transportieren kann, Geld natürlich, Schmuck, aber vor allem auch IT-Geräte. Prinzipiell sei das ganze Land betroffen. Auffällig sei aber doch, dass die Einbrecher die Nähe zu Autobahnen suchen, etwa die A 5 oder die A 8.

Einbruchschutz hilft

Wenn ein Einbruch entdeckt wird, müsse es ganz schnell gehen, denn die Täter hinterließen kaum Spuren und verschwänden schleunigst. Wo nach einem Wochenendausflug ein Einbruch bemerkt werde, könnten die Täter bereits im Ausland sein. Gall fordert die Bürger dazu auf, „dass sie selbst etwas dazu beitragen“, die Welle zu stoppen. Bei den Beratungsstellen der Kripo könne man sich von Polizeispezialisten über den Schutz vor Einbruch informieren lassen. Die sagen einem zum Beispiel, dass der „Zeitwiderstand“ entscheidend sein kann. Ein Einbrecher gebe nach drei Minuten auf, wenn er die Tür oder das Fenster nicht aufbekommt „und sucht ein anderes Objekt“. Ein Riegel an der Haustür könne diesen Drei-Minuten-Verzug schon bewirken.

Die Einbrüche sind natürlich auch Munition für die Landtagsopposition. „Während die Wohnungseinbrüche in Baden-Württemberg massiv ansteigen, ist die Polizei im Land mit der Umsetzung der Polizeireform beschäftigt“, sagt etwa der justiz- und innenpolitische Sprecher der FDP, Ulrich Goll. Ins gleiche Horn stößt der innenpolitische Sprecher der CDU, Thomas Blenke. Schlusslicht bei der Aufklärungsquote zu sein, belege Defizite in der Sicherheitspolitik. Das entspreche nicht dem baden-württembergischen Anspruch. Doch räumt Blenke ein, dass Dank „der hervorragenden und engagierten Arbeit“ der Polizeikräfte „Baden-Württemberg immer noch einen vorderen Platz bei der Bekämpfung und Aufklärung von Straftaten belegt“.

Freiburg am unsichersten

Über alle Delikte gerechnet ist die Aufklärungsquote um 0,3 Punkte auf 58 Prozent leicht gestiegen. Bei Straftaten gegen das Leben liege sie bei 97 Prozent, sagte Gall. Mit 5450 Straftaten pro 100 000 Einwohner sei die Kriminalitätsbelastung um 2,5 Punkte höher als 2012. Das liege aber daran, dass man nach dem Zensus von 2011 jetzt auch in der Kriminalstatistik eine niedrigere Einwohnerzahl zugrunde legt.

Die Zahl der Straftaten nahm um 2600 auf 576 000 um 0,5 Prozent zu. Die am stärksten kriminalitätsbelasteten Kreise sind Freiburg (12 136 Strafteten je 100 000 Einwohner), Mannheim (10 853) und Karlsruhe (10 543). Am niedrigsten ist die Belastung im Enzkreis (3114) und im Alb-Donau-Kreis (3115). Die Aufklärungsquote schwankt von 48,3 Prozent im Enzkreis bis 69 Prozent im Kreis Freudenstadt.