Das Semester beginnt mit Pommes und Currywurst. Beliebt sei die Kombi auf jeden Fall, aber eine ganze Woche lang, das werde dann doch etwas eintönig, sind sich zwei Studierende der Informationstechnik einig. Ernüchtert ziehen die beiden wieder ab, während sich andere ihr Mittagessen an den Biertischen unterhalb der Mensa am Campus Flandernstraße der Hochschule Esslingen schmecken lassen.
Dort hat das Studierendenwerk Stuttgart einen Foodtruck aufgestellt, an dem es neben einem warmen Gericht lediglich noch belegte Brötchen, süße Teilchen und Getränke gibt. Das Angebot sei im Vergleich zum Mensabetrieb deutlich geschrumpft, sagt eine Studentin. Bisher gab es dort täglich zwei verschiedene warme Gerichte und die Auswahl war an jedem Wochentag eine andere. Von diesem Semester an bleibt die Küche in der Mensa allerdings kalt. Zu groß, zu teuer und zu wenig frequentiert – so listet das Studierendenwerk die Gründe für die überraschende Schließung auf.
Die Nachfrage ist stark gesunken
Gut möglich, dass nun die Schlangen vor den Mikrowellengeräten im Haus noch länger werden. Schon vor der Mensaschließung hatten sich viele Studierende ihr Essen von zuhause mitgebracht, berichten einige Wartende am Foodtruck. Das habe sich während der Coronapandemie bei vielen eingebürgert, spare Geld und man könne sein Wunschgericht genießen.
„In der Vorlesungszeit gaben wir an einigen Tagen weniger als 100 Essen aus“, beschreibt Marco Abe, der Geschäftsführer des Studierendenwerks Stuttgart, die gesunkene Nachfrage in der Flandernstraße, die für 460 Gäste ausgelegt ist. Ursprünglich sei die Küche der Mensa Flandernstraße für die Zubereitung von mehr als 2000 Essen täglich konzipiert worden, denn beim Bau sei man noch von einer stärkeren Nutzung dieses Hochschulgeländes ausgegangen als es heute der Fall ist, sagt Abe.
Während sich am Campus Stadtmitte die Besucherzahlen in der Mensa, die 200 Plätze aufweist, seit dem coronabedingten Einbruch inzwischen auf etwa Zweidrittel der Nachfrage vor der Pandemie angenähert hätten, dümpelt die Nachfrage am Campus Flandernstraße vor sich hin. Wurden im Jahr 2017 dort noch rund 77 000 Essen verkauft, waren es 2022 lediglich noch 27 400 Essen. Nach Abes Worten passen dagegen in der Mensa Stadtmitte Größe und Nachfrage zusammen, und der Betrieb befinde sich in einem Bau mit moderner Gebäudetechnik. Die Mensa sei zur Mittagszeit ausgelastet und gebe fast 600 Essen täglich aus.
Der Verlust ist inzwischen sechsstellig
Der Betrieb der Mensa Flandernstaße sei hingegen zuletzt hochdefizitär gewesen. Im vergangenen Jahr „verzeichneten wir einen Verlust von rund einer halben Million Euro“, sagt Abe und macht dafür auch die „massiven Preissteigerungen – vor allem im Energiesektor und bei den Lebensmitteln“ verantwortlich. Das habe gravierende Auswirkungen auf das Studierendenwerk Stuttgart. Speziell an weniger frequentierten Campus-Standorten wirkten sich die Kostensteigerungen „leider besonders stark aus“ und verlangten dem Studierendenwerk Beträchtliches ab. Erschwerend komme am Campus Flandernstraße hinzu: „Das Gebäude ist überdimensional groß für die Nachfrage und zudem stark sanierungsbedürftig. Da die Hochschule Esslingen den Campus zugunsten der Neuen Weststadt mittelfristig aufgibt, investiert das Land verständlicherweise nicht mehr in die Sanierung“, sagt Abe.
Große Teile der Küche seien bereits in den Jahren vor der Coronapandemie zurückgebaut und nur noch ein Drittel der Kühlhäuser genutzt worden. Aufgrund der offenen Bauweise des Mensa-Gebäudes könnten im Gäste-Bereich aber keine Teile abgetrennt werden. Lediglich die Anzahl der Sitzplätze sei über die Jahre verringert worden.
Damit die Studierenden im Wintersemester in der Flandernstraße nicht im Freien essen müssen, sucht das Studierendenwerk nach geeigneten Räumen. Markus Tritschler, Prorektor für Gebäude und Infrastruktur an der Hochschule, sei dazu im Austausch mit dem Studierendenwerk, sagt dazu eine Sprecherin der Hochschule. Und auf die Frage, ob womöglich weitere Einrichtungen am Standort Flandernstraße von Einsparungen betroffen seien, heißt es: „Wir wissen aktuell nicht, was das Studierendenwerk plant.“
Große Sanierungen sind nicht mehr geplant
Aber auch für Tritschler steht fest, dass bis zur Fertigstellung des Neubaus in der Weststadt in der Flandernstraße keine umfangreichen Sanierungen mehr erfolgen werden. Und er ergänzt, der energetische Zustand des Hochschulgebäudes sei dem Baujahr entsprechend. Im der aktuellen Umwelterklärung sei das nachzulesen. Der Verbrauchskennwert für die Hochschule ohne Mensa liege demnach zwischen dem der Standorte Stadtmitte und Göppingen.
Ein breites Angebot an Dienstleistungen
Auftrag
Das Studierendenwerk als Anstalt öffentlichen Rechts arbeitet nicht-profitorientiert und gestaltet mit Hilfe der solidarischen Studierendenbeiträge sowie der finanziellen Unterstützung des Landes die Preise für Studierende so günstig wie möglich. Einnahmen und Ausgaben müssen in den Ausgleich gebracht werden, damit Projekte realisiert werden können, die die Versorgung zukünftiger Studierendengenerationen sicherstellt. Dazu zählen auch Sanierungs- und Neubauprojekte.
Dienste
Das Studierendenwerk Stuttgart ist für 15 Hochschulen in Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen und Horb zuständig und versteht sich für mehr als 60 000 Studierende als Anlaufstelle bei Belangen rund ums Studium. Zum Angebot gehören: günstiger Wohnraum, preiswertes Essen in Mensen und Cafeterien sowie hochschulnahe Kita-Plätze. Das Studierendenwerk kümmert sich um BAföG-Anträge und bietet eine kostenfreie Sozial-, Rechts- und psychotherapeutische Beratung an.