Meuschenmühle in Alfdorf Weißwurstlänge bringt Rekord zurück

Die Meuschenmühle war bereits Filmkulisse und mehrmals Schauplatz des offiziellen Mühlentagsauftakts im Rems-Murr-Kreis Foto: Gottfried Stoppel
Die Meuschenmühle war bereits Filmkulisse und mehrmals Schauplatz des offiziellen Mühlentagsauftakts im Rems-Murr-Kreis Foto: Gottfried Stoppel

Die Meuschenmühle im Eisenbachtal besitzt wieder das größte Antriebsrad im Schwäbischen Wald. Am Mühlentag, dem zweiten Pfingstfeiertag, wird die rauschende Premiere mit einem spritzigen Spektakel gefeiert.

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Alfdorf - Es ist ein Datum, das Mühlenfreunde in ihrem Kalender rot markieren: Alljährlich ist für sie der Pfingstmontag ein absolutes Muss. Denn an diesem Feiertag, er fällt heuer auf den 16. Mai, wird traditionsgemäß landauf, landab der Mühlentag begangen. Da sind, wie könnte es anders sein, auch die Mühlenoldies im Schwäbischen Wald mit von der Partie, in diesem Landstrich gibt es viele Technik­veteranen dieses Genres. Sie locken jedes Jahr eine vielköpfige Fan­gemeinde in den Nordosten des Rems-Murr-Kreises. Der Startschuss für die Mühlenschau fällt an der Meuschenmühle (Gemeinde Alfdorf) im Eisenbachtal.

Der Eventmanager Dietrich Frey, Vorsitzender des historischen Vereins Welzheimer Wald, ist sich sicher, dass die Freaks rauschender Wasserräder und rumpelnder Mahlsteine einmal mehr auf ihre Kosten kommen werden. Dabei gibt es etwas ganz Großes zu bestaunen: ein neues Mühlrad mit Rekordmaß. Der Hintergrund dieser Geschichte: Die Meuschenmühle im Eisenbachtal, 200 Jahre alt und eine der prächtigsten unter ihresgleichen im Schwäbischen Wald, besaß urdenklich lang das mächtigste Antriebsrad im weiten Umkreis. Sein Durchmesser: sieben Meter. Doch vor zwei Jahren ist dem alten Mehlfabrikle, 1970 stillgelegt und seither museales Anschauungsobjekt, das Prädikat Rekordmühlrad abhandengekommen.

Erbmühle holt sich Rekord mit 7,70 Metern

Im Juni 2014 war nämlich der Murrhardter Ochsenwirt Willi Sammet auf die Idee gekommen, die von ihm geerbte Glattenzainbachmühle im Stadtteil Kirchenkirnberg gewissermaßen mit einem Mordswasserrad auszustatten. Höhe des rotierenden Ungetüms: 7,70 Meter. Das war, haleluja, neuer Rekord im Schwäbischen Wald. Sammet war’s zufrieden und genoss die neue Bestmarke, nun rauschte und plätscherte es an seiner Erbmühle, wie er es sich lange gewünscht hatte.

Doch jetzt, nach zwei Sommern, ist Sammets Riesenrad auf Platz zwei zurückgefallen, der Mühlradrekord ist unversehens an den Eisenbach ­zurückgekehrt. Weil sich das bisherige hölzerne Wasserrad der Meuschenmühle in seine Einzelteile aufgelöst hatte und die neuen Besitzer des Mühlenanwesens ohnehin dabei waren, ihre denkmalgeschützte Immobilie gründlich zu renovieren, entschlossen sie sich auch gleich dazu, ein Ersatzrad bauen zu lassen. Geliefert wurde es von einer bayerischen Spezialfirma. Die Höhe: 7,87 Meter.

Damit überragt es Sammets Freudenrad um glatte 17 Zentimeter, was in etwa der Länge einer nicht magersüchtigen bayerischen Weißwurst entspricht oder nur geringfügig über der kleinsten schwäbischen Maßeinheit, dem Muggeseggele, liegt. Das jedoch bringt den bisherigen Rekordhalter nicht aus dem Häuschen, ,,des macht mir nix aus, wegen den paar Zentimetern reg i mi doch net uff“, kommentiert der Kneipier in berufsadäquater Bierruhe die minimale Höhendifferenz.

Mühlrad produziert Strom

Jetzt also wird, mühlentechnisch gesehen, wieder am Eisenbach das große Rad gedreht. Es kostete an die 100 000 Euro, wird mit diversen Stiftungsgeldern gefördert und ist weitgehend aus Metall gefertigt, was sein Verfallsdatum weit in die Zukunft schiebt. Einweihung ist am Mühlentag, zu dem spritzigen Spektakel hat sich auch der Rems-Murr-Landrat Richard Sigel angesagt. Übrigens: Das neue Mühlrad wird nicht nur dazu dienen, die Mahlstube der Meuschenmühle in Aktion zu erleben und interessierten Besuchern zu zeigen, wie im 19. Jahrhundert Mehl erzeugt wurde. Das Rekordrad soll auch ökonomischen Gewinn abwerfen, indem es einen Generator antreibt, der im Wohntrakt des Besitzerpaars Strom für die Lampen, die Kaffeemaschine und den Staubsauger liefern soll.

Bei längerer Trockenheit, wie sie nicht selten auch im Schwäbischen Wald ­vorkommt und wo sich dann Bachläufe in magere Rinnsale verwandeln, könnte es passieren, dass dem mächtigen Wasserrad mangels Wasserzulauf eine rotationsfreie Zwangspause droht. Dann muss das ­E-Werk einspringen.




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