Meute bei Jazz Open Techno-Party mit Blaskapelle

Ohne ihn geht nichts bei Meute: Basstrommler Marco Möller. Foto: Opus/Reiner Pfisterer

Die Band Meute hat im Alten Schloss bei einer Tanzparty gezeigt, dass Kapellen alter Schule, richtig eingesetzt, sehr zeitgemäß klingen können.

Auf ein mehrstufiges Podest marschiert eine Blaskapelle und verteilt sich, doch sie wird nicht lange so stehenbleiben: Das deutsche Ensemble Meute ist immer in Bewegung, gruppiert sich permanent neu und stellt Mitglieder in Soloeinlagen heraus. Drei Schlagwerker entfachen einen technoiden Beat, der wie ein Pulsschlag das Konzert trägt – und dafür sind die 1200 Besucher im Alten Schloss gekommen: Sie wollen tanzen, feiern, im Rhythmus versinken.

 

Der Bass-Trommler Marco Möller, der mit einer Hand den Klöppel führt und mit der anderen eine Rassel hochhält, gibt den Takt vor – ohne ihn geht nichts bei Meute. Mit umgehängten Snaredrums und Becken differenzieren Tim Fenner und Onkel den Beat aus.

Zwischen die Musiker passt kein Blatt Papier

Dazu spielt ein Bläserensemble rhythmische Muster und flächige Synthesizer-Imitationen, die klingen wie Techno – die Band hat die elektronische Musik vollständig analysiert, zerlegt und analog neu zusammengesetzt. Das funktioniert, weil alle extrem diszipliniert tun, was gefordert ist – zwischen die Musiker passt kein Blatt Papier. Hier und da dürfte elektronische Hilfe im Spiel sein, mit jedem Anschlag ein digitaler Sound beigemischt werden – die Umhänge-Marimba von Patrick Stapleton etwa klingt verwunschen sphärisch. Das ist legitim und steigert den Reiz nur.

Aus repetitiven Strukturen schälen sich Kompositionen heraus, das Stück „Peace“ zum Beispiel, dessen Titel auf Marco Möllers Trommel prangt, verströmt genau das: friedliche Atmosphäre.

Regenbogenbänder an Blasinstrumenten signalisieren, wo die Band steht. Wer mag, kann in der Musik Einflüsse von Pionieren wie Kraftwerk und Jean Michel Jarre ausmachen – und im donnernden Wogen auch ein wenig archaischen Abgrund, in den manche deutsche Bands ja gerne schauen.

Die Dramaturgie ist exzellent

Da ist Trance im Spiel, die Meute unten im Schlosshof bewegt sich ausgelassen im Takt und reagiert auf jede kleine Anfeuerung von der Bühne mit spontanem Jubel und Klatschen. Die Dramaturgie ist exzellent, das Ensemble baut meisterhaft Spannung auf und zelebriert kathartische Entladungen, die jedes Mal aufs Neue für Jauchzen sorgen.

Der Bass-Saxofonist Philipp Andernach fungiert punktuell auch als Sänger. Bei „Hey Hey“ singt das Publikum geschlossen mit, und wenn Philipp Westermann das Sousaphon tönen lässt, beben die Schlossmauern. Dieses Konzert unbestuhlt an diesem Ort anzusetzen, ist ein weiterer Jazz-Open-Coup.

Die Band beschert dem Festival neue Besucher

Am Zenit der Berliner Love Parade in den 90ern wären Meute eine Sensation gewesen. Heute führen sie die Möglichkeiten traditioneller Blasorchester vor, sie sind zum Vorbild für junge Musiker geworden und führen zugleich dem Festival und dem Jazz ein Publikum zu, das ohne sie den Weg dorthin vielleicht nicht gefunden hätte. Vor dem Ausgang steht eine große Traube junger Menschen, die keine Karten mehr bekommen haben und von dort aus zuhören.

Auch der Kunststaatssekretär Arne Braun ist gekommen und wiegt sich im Takt. „Das Festival trifft einen Nerv“, sagt er, „es unterbreitet ein Angebot, in dem sich viele wiederfinden. Wie beim Staatstheater oder beim Trickfilm-Festival hat man hier das Gefühl, dass Stuttgart eine faszinierende und vielfältige Kulturstadt ist.“ Wer wollte da widersprechen?

Jazz Open am Mittwoch

Schlossplatz
 Der Funk-Spezialist Cory Wong, ein geschmeidiger Sänger und Gitarrist, eröffnet für die Fantastischen Vier, die immer eine Bank sind, was Pop-Unterhaltung angeht – es gibt noch Karten.

Bix
 Der französische Pianist Adrien Brandeis ist zu Gast im Jazzclub und sorgt mit lyrischen Klängen für ein wenig innere Einkehr.

Stadtpalais
 Soul mit elektronischen Grooves verspricht die Band Still in The Woods aus Berlin und Leipzig, die auf der Nebenbühne bei freiem Eintritt all jene erfreut, die für keine Karten bekommen haben oder sich diese nicht leisten wollen.

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