MHP Riesen Ludwigsburg Bundesliga mit 40 – wie die Experten Tremmell Darden loben

Tremmell Darden ist in der Bundesliga für die Ludwigsburger Basketballer aktiv. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Basketball-Profi Tremmel Darden von den MHP Riesen Ludwigsburg wird an diesem Freitag 40 – und mischt immer noch in der Bundesliga mit. Das beeindruckt auch Experten.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Ludwigsburg/Ulm/Berlin - Zwei Rebounds, sieben Punkte – das ist die Bilanz, die Tremmell Darden am vergangenen Mittwoch seiner persönlichen Statistik hinzugefügt hat bei seinem Einsatz für die MHP Riesen Ludwigsburg. Keine besonders beeindruckenden Zahlen, möchte man meinen. Doch eine weitere Zahl macht sie ein bisschen besonderer. Die 40.

 

So alt wird der 1,94 Meter große US-Amerikaner an diesem Freitag – und wenn am Sonntag die Riesen bei Bayern München antreten, wird er wohl wieder auf dem Feld stehen. Oder immer noch, ganz wie man es sehen will. 2004 begann seine Karriere als Profi in der Türkei, nach weiteren Stationen in Belgien, Australien, Frankreich, Spanien, Litauen und Griechenland spielt er seit 2018 in der deutschen Basketball-Bundesliga (BBL), seit 2020 geht er für die Ludwigsburger auf Korbjagd. Was aber macht Tremmell Darden auch im hohen Sportleralter so stark? Wir haben drei Experten gefragt.

Der Coach lobt die Professionalität

John Patrick (Coach der Riesen Ludwigsburg): „Ein Vorbild“ „Wenn jemand im Wörterbuch nach dem Begriff Professionalität sucht, würde ein Bild von Tremmell Darden erscheinen. Er ist überdurchschnittlich athletisch, aber das ist kein Wunder, wenn man sieht, wie er sich täglich dehnt, auf seine Ernährung achtet oder keinen Alkohol trinkt – das ist ein Profi. Tremmell ist ein Vorbild für junge Spieler, ich bin sehr froh, dass meine beiden Söhne jeden Tag mit ihm trainieren können, weil sie so sehen, was Professionalität bedeutet. Er kommt 30 Minuten früher zum Training, macht seine eigene Vorbereitung, Wurfübungen und dehnen, dehnen, dehnen. Er ist insgesamt eineinhalb Stunden mehr in der Halle als die anderen Spieler. Er ist einfach voll engagiert, und deshalb ist das für mich alles kein Rätsel. Er ist sehr detailverliebt, auch auf dem Feld. Das macht es viel einfacher, eine Siegermentalität in die Mannschaft zu bekommen, wenn der erfahrenste Führungsspieler das verkörpert. Es gibt Spieler mit Profi-Verträgen, die spielen auch Profi-Basketball – aber Tremmell Darden ist ein Profi. Er verhält sich eigentlich wie ein Coach. Und er kann bei uns gerne noch eine Saison spielen – oder auch zwei.“

Der Konkurrent wünscht alles Gute

Per Günther (Ulms Spielmacher): „Eine Ausnahmeerscheinung“ „In den vergangenen Jahren hat sich aus Sicht der Trainingssteuerung und Sportwissenschaft schon einiges getan, so dass man auch noch mit 36, 37 Jahren Basketball spielen kann, dennoch sind Spieler wie er oder Rickey Paulding (Oldenburg, 39) absolute Ausnahmeerscheinungen. Vielleicht hat es auch etwas mit ihrer Position zu tun. Wenn die einen halben Schritt langsamer sind, ist es vielleicht nicht so spielentscheidend, wie wenn mir aufgrund meiner Größe von 1,84 Metern als Spielmacher die absolute Spritzigkeit fehlt. Es war allerdings nie meine Absicht, aus meinem Körper das letzte Quäntchen rauszupressen. Ich bin froh, wenn ich nach dieser Saison mit dann 34 in Ulm noch einigermaßen gesund aus dem Beruf rauskomme und mal Tennis oder mit den zwei kleinen Jungs Fußball spielen kann, nachdem ich schon an beiden Knien operiert wurde und einen Bandscheibenvorfall hatte. Man muss sicher sehr gut auf seinen Körper aufpassen, um auch prophylaktisch Verletzungen zu vermeiden, denn dann nochmals aus der Reha zu kommen wäre schwierig. Toi, toi, toi, dass er gesund bleibt und noch ein, zwei Jahre spielen kann.“

Der Funktionär traut ihm noch einiges zu

Marco Baldi (Geschäftsführer Alba Berlin): „Einer mit besonderem Format“ „Ich kenne Tremmell Darden zwar nicht persönlich, beobachte ihn aber schon seit Jahren in der Euroleague und habe ihn da immer sehr gerne spielen sehen. Es gibt viele talentierte Spieler, aber die sind dann meistens nicht so leidenschaftlich wie er. Man sieht einfach: Er liebt das, was er auf dem Feld macht. Solche körperlichen Voraussetzungen in diesem Alter noch zu haben ist einerseits zwar ein Geschenk, aber auch dem verantwortungsvollen Umgang mit seinem Körper geschuldet. Man sieht, wie ernst er seinen Beruf nimmt. Er verkörpert eine Mischung aus Leidenschaft und Professionalität. Die Folge daraus ist, dass er mit seinen nunmehr 40 Jahren immer noch auf höchstem Niveau in einer durchaus erfolgreichen Bundesliga-Mannschaft agieren kann. Er ist einfach ein besonderer Spieler mit Format. Gegen Ludwigsburg mit ihrem intensiven Stil spielt man zwar nie gerne, aber in diesem Fall freue ich mich schon darauf, wenn wir diese Saison nochmals zu Hause gegen ihn spielen dürfen – und vielleicht ja auch noch länger, wer weiß?“

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