MHP Riesen Ludwigsburg Yorman Polas Bartolo – der Basketball-Polizist

Yorman Polas Bartolo: Die Muskeln sind echt, der Bart ist gefärbt. Foto: Baumann

Einst wollte der gebürtige Kubaner die Gesetze verteidigen, jetzt verteidigt er Körbe – so gut wie kaum ein anderer in der Basketball-Bundesliga. Zweimal wurde der 35-Jährige hierfür ausgezeichnet.

Sport: Joachim Klumpp (ump)

Ludwigsburg - Yorman Polas Bartolo ist alt geworden, zuletzt hat er bei den MHP Riesen schon graue Haare bekommen. Mit gerade mal 35. Glücklicherweise nur am Bart, und das auch nur, weil er ihn gefärbt hatte. Ein Mode-Gag, wodurch der Basketball-Profi noch mehr ins Auge stach. Dabei hat er das sportlich gar nicht nötig, der gebürtige Kubaner fällt durch seinen Spielstil genug auf. Er verkörpert eine gelbe Wand bei den Riesen, quasi als Ersatz für die fehlenden Zuschauer. Polas Bartolo war zuletzt zweimal bester Verteidiger der Liga und ist auf dem besten Weg, dieses Prädikat in dieser Saison zum dritten Mal zu erhalten. „Darauf bin ich natürlich stolz“, sagt der Spieler. „Ich war schon immer ein guter Verteidiger. Da blühe ich auf.“

 

Ein Erfolgsfaktor beim Spitzenreiter

So weit, so gut. Doch er hatte stets auch den Ehrgeiz, ein kompletter Spieler („als Kind habe ich Videos von Michael Jordan angeschaut“) zu werden. Sein Credo: „Wer gut verteidigt, hat es auch offensiv leichter zu punkten.“ Bei Coach John Patrick trifft er damit ins Schwarze: Da haben sich zwei gesucht und gefunden. Denn Polas Bartolo ist ein Erfolgsfaktor bei den Riesen, so sieht es auch der Experte Stefan Koch, der in seiner BBL-Kolumne zuletzt geschrieben hat: „Ich bin sehr sicher, dass die Ludwigsburger ohne das Puzzleteil Yorman Polas Bartolo nicht diese Wahnsinnssaison spielen würden“, meint Koch.

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Offensive Qualitäten entwickelt

Denn der Abwehrstratege glänzt beim souveränen Spitzenreiter plötzlich auch in der Offensive, hat seine Liebe zu den Dreiern entdeckt, wo er mit einer Quote von 40 Prozent bei den Riesen gleich hinter dem Distanzspezialisten Jordan Hulls rangiert. Der Grund? „Ich habe in Ludwigsburg einfach noch mehr Selbstvertrauen gewonnen“, sagt er. In einem Deutsch, das zwar nicht so perfekt ist wie sein Spiel, aber sehr bemüht. „Ich versuche, mich jeden Tag zu verbessern“ – und zu lernen, um hier mal den Trainerschein zu machen und dem Basketball auch nach der Karriere verbunden zu bleiben. Vielleicht ist es diese Lust auf Angriff und Verteidigung, die bei ihm einst den Berufswunsch Polizist geweckt hatte, schließlich wären da ebenfalls beide Charakterzüge gefragt. Dieser Wunsch entwickelte sich in seiner Kindheit auf Kuba, wo er als Basketballer durchaus Privilegien genoss.

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Probetraining bei den Bayern

Zum Beispiel mit der Nationalmannschaft zu einem Freundschaftsspiel auf die Kanaren zu reisen – wo er 2009 seine deutsche Frau im Team-Hotel kennen und lieben gelernt hat. Erst gab es Besuche, dann folgte die Heirat, und der Umzug nach München. Seine Gattin, die damals in der Nobelbar Schumann’s arbeitete, knüpfte über Nationaltorwart Manuel Neuer und Bastian Schweinsteiger den Kontakt zu den Basketballern. Schließlich hat es zu einem Probetraining unter Svetislav Pesic gereicht, aber nicht zu einem Vertrag. „Ich war damals noch nicht so bekannt hier und hatte auch noch keinen deutschen Pass.“ Der folgte 2015 (den kubanischen besitzt er parallel noch) und öffnete wegen der Quotenregelung (jedes Team braucht sechs Deutsche auf dem Spielbericht) so manche Türen. Über die Crailsheim Merlins und die Gießen 46ers, verbunden mit zwei Aufstiegen in die erste Liga, landete „El Ciclon“, ein Spitzname aus seiner Heimat, schließlich gleich für vier Jahre bei den Baskets Bonn und vergangenen Sommer dann bei den Riesen, bei denen er nun die Gegner ganz schön durcheinanderwirbelt. „Natürlich wollen wir so weit wie möglich kommen, am besten wieder ins Finale“, sagt Polas Bartolo, „da bin ich etwas egoistisch, weil ich mit 35 nicht mehr so viele Möglichkeiten bekommen werde.“ Aber vielleicht nochmals einen Vertrag bei den Riesen, die Chancen stehen nicht so schlecht, Polas Bartolo sagt jedenfalls: „Es gefällt mir sehr gut hier.“

Spielt er wieder für Kuba?

Zumindest wenn die Sonne scheint. Sein letztes Länderspiel hat er 2012 für Kuba in der Olympia-Qualifikation bestritten: „Die lief nicht so gut.“ Es ging in einem Testspiel auch gegen die starken Argentinier mit deren NBA-Legende Manu Ginobili. Ein Fall für Polas Bartolo, meinte der Coach. Und der Spieler erinnert sich: „Gut, er hat 22 Punkte gemacht, aber ich auch 18 – und er hat gespürt, dass es mich auch gibt.“ Derzeit laufen Gespräche mit dem kubanischen Verband, vielleicht gibt es ja ein Wiedersehen, nicht nur im Sommerurlaub, wenn der Spieler stets Mutter und Familie in der Heimat besuchte. In Coronazeiten müssen tägliche Telefonate reichen, nur nicht am Spieltag: „Da will ich mich konzentrieren.“

Die Wege mit seiner Frau haben sich inzwischen getrennt, sie lebt in Hannover mit der sechsjährigen Tochter, das schmerzt ihn am meisten. „Aber wir haben regelmäßig Kontakt, und sie war auch schon hier.“ In Ludwigsburg, wo Polas Bartolo mit seiner neuen Lebensgefährtin wohnt.

Der Rebound-König

Der Impuls für den gefärbten Bart stammt aber nicht von ihr. „Ich hatte schon lange die Idee, aber es war schwierig, weil die Friseure oft zuhatten“, sagt der Modellathlet (192 cm, 88 Kilo), der sich in Modefragen selbst als stylish bezeichnet. Der Bart ist inzwischen trotzdem wieder weg, „ein paar graue Haare sind geblieben“, sagt Bartolo. Es ist ja vielleicht auch besser, wenn nicht er selbst alt aussieht, sondern künftig wieder der Gegner. So wie am Dienstag beim 106:69-Kantersieg gegen die Fraport Skyliners Frankfurt, als Yorman Polas Bartolo seinem Ruf mit elf Rebounds gerecht wurde.

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