Michael Vitzthum vom VfB II Ambitioniert auf Links

Auf Michael Vitzthum passt die Jobbeschreibung des Linksverteidigers. Foto: Baumann
Auf Michael Vitzthum passt die Jobbeschreibung des Linksverteidigers. Foto: Baumann

Stuttgart - Am Ende ist seine Schnelligkeit doch noch einmal gefragt. Im Vollsprint läuft er über quer über den Platz, es kommt auf wenige Meter an. Schließlich wollte Michael Vitzthum der Erste sein, der Christoph Hemlein nach dem Schlusspfiff zum Siegtreffer am Mittwochabend gegen Erfurt gratuliert. Der Torschütze zum 1:0 war wenige Minuten nach seinem spielentscheidenden 20-Meter-Geschoss ausgewechselt worden und trottete mit roter VfB-Trainingsjacke auf das Feld im Gazi-Stadion, als ihm sein Mannschaftskollege und Freund um den Hals fiel.

„Wir verbringen fast jeden Tag zusammen“, sagte Vitzthum. „Es hat mich für ihn gefreut, dass er nach langer Zeit mal wieder getroffen hat.“ Das Gefühl des Toreschießens kennt er selbst auch ganz gut. Schon zweimal war er in dieser Saison erfolgreich – und das als Linksverteidiger. Zuletzt traf er am Ostersonntag zum 1:1 gegen den SV Wehen Wiesbaden und sicherte so den Stuttgartern zumindest einen Punkt. Kurz vor Schluss hatte er da sogar noch den Siegtreffer auf dem Fuß. An seiner Torgefährlichkeit müsse er noch arbeiten, sagt Vitzthum, aber er sei schon über die bisherigen zwei Saisontore froh. Das bestätigt ihm auch sein Trainer Jürgen Kramny. „Er hat ein großes, aber noch steigerungsfähiges Potenzial“, sagt der 41-Jährige. „Er könnte noch aggressiver im Zweikampf sein – und sein rechter Fuß ist ausbaufähig.“

Vitzthum sucht immer nach der fairen Lösung

Dabei hat der Blondschopf, der aus Unterhaching zum VfB II gewechselt ist, mit seiner Position Glück und Pech in einem. Gute Linksverteidiger werden gesucht – sicherlich. Die Jobbeschreibung ist dabei denkbar einfach: Zweikampf- und laufstark muss so ein Spieler sein, der defensiv nichts zulässt, sich immer wieder auf der Außenbahn in die Offensive einschaltet und am besten selbst noch die eine oder andere Bude macht. Michael Vitzthum ist genau so ein Spielertyp. Noch nicht in der Perfektion, aber das muss er mit seinen 20 Jahren auch noch nicht sein. „Linksverteidiger ist meine Lieblingsposition“, betont er. „Ich kann nach vorne viel machen und habe meine Seite nach hinten im Griff. Es ist gut so, wie es ist.“

Gut war auch sein Spiel, das er gegen Erfurt gezeigt hat. Hoch verteidigt, wie es im Fußball-Fachjargon heißt, hat der Stuttgarter, der sowohl in Aussehen als auch Bewegungsablauf an den früheren Stuttgarter und jetzigen Hoffenheimer Andreas Beck erinnert. Vitzthum war immer wieder am Strafraum zu finden und verhinderte hinten alles, was es zu verhindern gab. Das war an diesem lausig kalten Mittwochabend aber auch nicht allzu schwer, weil die Erfurter spätestens nach Wiederanpfiff ab der Mittellinie kapitulierten und den Ball fast schon freiwillig wieder hergaben. Auch deshalb kam zu seinen bisher gerade einmal drei Gelben Karten keine weitere dazu. Diese Spielweise gefällt auch dem Trainer. „Er versucht immer alles fair zu lösen. Er läuft viele Bälle ab, antizipiert gut und ist sehr handlungsschnell“, lobt Kramny.

Kramny sieht seinen Schützling auf einem guten Weg

Der 1,85 Meter große Vitzthum hatte am Mittwoch sogar die Chance zur Führung, vergab aber von der Strafraumgrenze. „Es war möglich. Ich habe aber keinen Druck hinter den Ball bekommen, weil ich schlecht stand“, sagt er selbstkritisch. War im Nachhinein aber nicht schlimm, weil Kamerad Hemlein in der 68. Minute besser stand und auch deutlich mehr Druck hinter den Ball bekam. Beide zusammen waren erst einige Tage zuvor im Kino – Innenverteidiger Thomas Geyer war der Dritte im Bunde. Auf dem Programm stand „G.I. Joe – Die Abrechnung“. Auch dort wurde scharf geschossen.

Trotz allem Potenzial und dem aktuellen Erfolg seiner Mannschaft hat sich Vitzthum aber auch eine undankbare Position ausgesucht. Über alle Experten und Medien hinweg wird aktuell philosophiert über doppelte Sechser, moderne Achter und gar schwimmende Neuneinhalber. Außenverteidiger gehen in dem Geplänkel schon einmal unter. Im besten Fall wird nicht über sie gesprochen – nämlich dann, wenn sie ein solides Spiel abgeliefert haben. Philipp Lahm muss ja auch ein Buch schreiben, wenn es ihm zu ruhig wird. Für Vitzthum ist das keine Option. Er will durch sportliche Leistung überzeugen, auch wieder am Samstag beim Auswärtsspiel in Heidenheim. Dieses und nächstes Jahr steht er beim VfB noch unter Vertrag. Und am liebsten möchte er natürlich schon in dieser Zeit den Sprung zu den Profis schaffen. „Es wird sich zeigen, was möglich ist. Ich habe natürlich Ambitionen, hier in Stuttgart zu bleiben“, sagt er. Wann der nächste Schritt komme, müssten natürlich auch andere beurteilen, betont Jürgen Kramny, der seinen Linksverteidiger aber auf einem guten Weg sieht. Einen Anruf von Bruno Labbadia hat Vitzthum bisher noch nicht bekommen. „Ich kann körperlich noch einiges zulegen und vor allem bei Standards torgefährlicher werden“, sagt er – und vielleicht kann er dann schon bald Fredi Bobic in der Mercedes-Benz-Arena um den Hals fallen.