Migration Wörterbuch der Gutmenschen

Wie nennt man jemanden, der einen deutschen Pass besitzt, dessen Vater aber beispielsweise Chinese ist? Foto: dpa
Wie nennt man jemanden, der einen deutschen Pass besitzt, dessen Vater aber beispielsweise Chinese ist? Foto: dpa

Wie nennt man die Bürger eines Einwanderungslandes? Ein neues Wörterbuch unterscheidet „Biodeutsche“ von „Passdeutschen“ und „Standarddeutsche“ von „Copyright-Deutschen“.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Armin Käfer (kä)

Stuttgart - In Deutschland leben 62 Menschen aus Tuvalu und 6 650 474 Zugezogene aus 193 anderen Staaten. Zumindest war das so, als zum letzten Mal nachgezählt wurde. Es sind die aktuellsten Daten des Statistischen Bundesamtes. Hinter den Zahlen verbirgt sich ein sprachliches Problem: Wie nennt man einen deutschen Staatsbürger, dessen Vorfahren aus der Türkei kommen? Oder jemanden, der einen deutschen Pass besitzt, dessen Vater aber Iraner und die Mutter beispielsweise Chinesin ist?

Im Jargon von Sozialarbeitern heißen solche Menschen „Migranten“, oder sie haben einen „Migrationshintergrund“. Ausdrücke dieser Art sind einerseits hässlich, andererseits unpräzise. Der Migrationshintergrund wurde auch schon zum „Unwort des Jahres“ gekürt. Man sollte dieses verbale Ungetüm „in die Müllcontainer der Behörden“ entsorgen, schlägt die Publizistin Beate Wedekind vor. Niemand würde je einem Österreicher, der nach Deutschland umgezogen ist, einen „Migrationshintergrund“ anhängen, dafür jedem, der irgendwie südländisch aussieht, auch wenn er deutscher Staatsbürger ist.

„Biodeutsche“, „Passdeutsche“, „Standarddeutsche“,

Nun gibt es Vorschläge für eine politisch korrekte Nomenklatur des Einwanderungslandes Bundesrepublik. Die „Neuen deutschen Medienmacher“, ein Zusammenschluss von Journalisten, hat dazu „Formulierungshilfen“ erarbeitet.

Ihr Wörterbuch unterscheidet „Biodeutsche“, deren Stammbaum tief in germanischer Erde wurzelt, von „Passdeutschen“, „Standarddeutsche“ von „Copyright-Deutschen“ und Einwanderer von Zuwanderern, Ausländer von „Neubürgern“. Das 21 Seiten umfassende Glossar wird die ­Ausdrucksweise im Umgang mit Fremden und deren Nachkommen nicht von einem Tag auf den anderen revolutionieren, gibt aber durchaus einen Anstoß, über missverständliche, vielleicht auch diskriminierende Begriffe nachzudenken. Es hinterfragt Schlagworte aus einschlägigen Debatten („Parallelgesellschaft“) und erklärt die feinsinnigen Differenzen etwa zwischen einem „Ehrenmord“ und einer „Beziehungstat“.




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