Mikrofotografien aus Weißenstein auf Briefmarken Kieselalge und Odermennig mit Zacken

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Zwei Mikrofotografien des Instituts Kage aus Lauterstein-Weißenstein zieren eine Sonderbriefmarkenserie der Deutschen Post. Die beiden Marken mit einem Wert von 70 Cent erscheinen an diesem Donnerstag.

Für jeweils 70 Cent kann Manfred P. Kage zwei seiner Mikrofotografien künftig in alle Welt verschicken. Foto: Kage Mikrofotografie/
Für jeweils 70 Cent kann Manfred P. Kage zwei seiner Mikrofotografien künftig in alle Welt verschicken. Foto: Kage Mikrofotografie/

Lauterstein - Berühmte Politiker, Dichter und Erfinder, aber auch bedeutende Bauwerke, herausragende Ereignisse oder schützenswerte Landschaften werden regelmäßig auf Briefmarken der Deutschen Post abgebildet. Motive aus dem Landkreis Göppingen sind dabei – vorsichtig formuliert – rar gesät. An diesem Donnerstag ändert sich das. Aber nicht etwa dem Albtrauf, dem Hohenstaufen oder der Firma Märklin sind zwei philatelistische Neuerscheinungen gewidmet. Vielmehr geht es auf den beiden Sondermarken um das Thema „Mikrowelten“, was wiederum direkt mit dem Schloss im Lautersteiner Stadtteil Weißenstein verzahnt ist.

In diesem hat seit 44 Jahren das Institut für wissenschaftliche Fotografie seinen Sitz. Manfred P. Kage und seine Ehefrau Christina haben dort, man kann es getrost so sagen, das deutsche Eldorado für die Mikrofotografie aufgebaut. Als dann das Bundesfinanzministerium, das für die Herausgabe von Briefmarken zuständig ist, anfragte, ob sich die Kages vorstellen könnten, für eine Sonderserie unter dem Titel „Mikrowelten“ einige ihrer Aufnahmen zur Verfügung zu stellen, bedurfte es keiner großen Überlegungen.

Schwierige Auswahl aus schier unerschöpflichem Fundus

„Wir wussten zwar, dass sich da noch andere Bewerber tummeln, haben das aber gemacht und waren letztlich erfolgreich“, freut sich die Kage-Tochter Ninja, die zusammen mit ihrem Ehemann Oliver ebenfalls seit geraumer Zeit für das „Familienunternehmen“ tätig ist. Die erste Hürde, die gemeistert werden musste, war die Auswahl der Motive aus dem schier unerschöpflichen Fundus an Bildern, die aufgrund ihrer mikroskopischen Vergrößerung tiefe Einblicke in die für das menschliche Auge oft nicht sichtbaren Geheimnisse der Natur bieten.

Für die Briefmarken ausgesucht wurden von den Kages die Kieselalge und die Odermennig, zwei Pflanzen, die völlig unterschiedliche Funktionen erfüllen. So bilden die winzigen Kieselalgen einen wertvollen Teil des Planktons und sind damit ein Grundnahrungsmittel für viele Meeres- und Süßwasserbewohner, während den Odermennigen eine Heilkraft in vielen Bereichen zugeschrieben wird, von der schon die alten Ägypter wussten. „Es ging uns auch darum, die Vielfalt und die Bandbreite der Mikrofotografie zu zeigen“, sagt Ninja Kage. Eine Kieselalge werde im Extremfall nur wenige Millimeter groß und sei deshalb in 600-facher Vergrößerung zu sehen, während man von der Odermennig, das 40-fach vergrößerte Detail einer Blüte für die Darstellung ausgewählt habe, fügt sie hinzu.

Ninja Kage: Zusammenarbeit war völlig unkompliziert

Vom Bild zur Briefmarke war es aber immer noch ein weiter Weg. Nach dem Zuschlag galt es nicht nur Absprachen mit dem Ministerium und der Post zu treffen, sondern auch mit der Wuppertaler Diplom-Designerin Andrea Voß-Acker zu kooperieren, die für die Gestaltung der Postwertzeichen verantwortlich zeichnet. „Die Zusammenarbeit war allerdings mit allen Beteiligten völlig unkompliziert und lief echt super“, lobt Ninja Kage. Dass auf den 70-Cent-Marken, der Name des Fotografen nirgends zu finden sei, sei zwar ein kleiner Wermutstropfen. „Das ist aber wohl so üblich, und zumindest die Sammler wissen, wo sie an die Informationen über den Urheber kommen können“, ergänzt sie.

Auch ihr Vater, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, stört sich daran nicht. „Ich war total begeistert und empfinde es als große Ehre mit diesen Bildern auf einer Sonderbriefmarke verewigt zu sein“, erzählt Manfred P. Kage, der sein Tun stets als eine Synthese aus Wissenschaft und Kunst verstand – oder besser gesagt, noch immer versteht. Denn so wie er bereits vor 50 Jahren neue technische Geräte und weltweit wegweisende Verfahren für den Foto-, Video- und Audiobereich entwickelt hat, so ist er auch heute noch darauf aus, immer besser zu werden. „Etwas auszuprobieren, umzubauen oder neu zu bauen, ist und bleibt meine Passion“, betont Kage, der vor drei Jahren, im Jahr 2012, für sein bisheriges Schaffen mit dem Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie ausgezeichnet worden ist.

70 Cent-Marken passend zur Portoerhöhung

Seiner Science Art wird der 80-Jährige, mit tatkräftiger Unterstützung seiner Familie, also ebenso treu bleiben, wie dem über die Jahre liebvoll restaurierten Weißensteiner Schloss. Immer wieder führt er Besuchergruppen durch die Räume seines Instituts, um ihnen die fantastische Welt mikroskopischer Strukturen und Lebensformen zugänglich zu machen. Froh ist er darüber, dass seine Frau, seine Tochter und sein Schwiegersohn auch diese Leidenschaft mit ihm teilen – und damit sein Lebenswerk fortsetzen.

Dass die beiden Kage-Briefmarken im umfangreichen Programm der regelmäßigen Neuerscheinungen an den Postschaltern liegen bleiben könnten, ist indes nicht zu befürchten. Die Kieselalge und die Odermennig sind mit die ersten deutschen Marken, die von ihrem Preis her an die Porto-Erhöhung für Standardbriefe angepasst worden sind. Vom 1. Januar an gilt der neue Tarif von 70 Cent und so wird nicht nur das Institut für wissenschaftliche Fotografie seine Korrespondenz aus Lauterstein in die weite Welt zumindest vorerst einmal mit Mikrowelten-Briefmarken frankieren.




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