Milliardär übernimmt Profi-Radteam Wie Israel die Tour de France gewinnen will

Von Tom Mustroph 

Das israelische Team Start-up Nation nimmt reichlich viel Geld in die Hand und hat mit den drei deutschen Profis Nils Politt, Rick Zabel und André Greipel viel vor. Zum Beispiel den Sieg bei der Tour de France.

Der Chef persönlich stellt seine Mannschaft vor: Sylvan Adams (re.) bei der Team-Präsentation in Tel Aviv Foto: AFP/Jack Guez
Der Chef persönlich stellt seine Mannschaft vor: Sylvan Adams (re.) bei der Team-Präsentation in Tel Aviv Foto: AFP/Jack Guez

Tel Aviv - In Israel wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Der kanadisch-israelische Bauunternehmer Sylvan Adams holte sich in diesem Herbst die WorldTour-Lizenz vom Rennstall Katusha und übernahm einige Profis wie Deutschlands größtes Klassikertalent Nils Politt und den vielseitigen Helfer Rick Zabel. Engagiert wurden weiterhin Sprint-Altmeister André Greipel und der irische Rundfahrtspezialist Dan Martin. Mit ihnen hat Geldgeber Adams große Dinge vor. „Wir wollen mit Politt einen Klassiker gewinnen, bei der Tour de France einen Fahrer unter die Top Ten bringen und einige Etappen gewinnen. Außerdem soll der erste israelische Profi die Tour absolvieren“, sagte Adams in Tel Aviv.

Auf einem Dachgarten mit Blick über die Stadt stellte er sein Team vor. Das heißt nicht mehr Israel Cycling Academy, sondern Israel Start-up Nation. Der Name kommt vom neuen Co-Sponsor Start-up Nation Central. Dem gehört das Gebäude mit der Panoramaterrasse. Er ist ein Inkubator für junge Technologieunternehmen und wird maßgeblich finanziert vom Investmentbanker Paul Singer.

Adams Eltern überlebten den Holocaust

In die neue Partnerschaft will der Co-Sponsor vor allem Technologie einbringen. „Das können neue visuelle Systeme für Radprofis sein, die von einer Unterabteilung von Mobileye entwickelt werden“, meinte Laura Gilinski, die Vizepräsidentin des Co-Sponsors. Mobileye, ein Pionier des autonomen Fahrens, wurde einst von Start-up Nation Central unterstützt und später von Intel aufgekauft. Das liegt ganz auf der Linie von Adams. „Groß denken“ ist das Motto des 61-Jährigen. In Kanada ist er Milliardär, nach Israel – in dem sich seine Eltern kennenlernten, die beide den Holocaust überlebten – kam er, um dem Land zu einem neuen Image zu verhelfen. „Ich bin selbst ernannter Botschafter des Landes Israel und möchte, dass die gesamte Welt Israel als eine weltoffene, demokratische und friedliche Gesellschaft kennenlernt“, sagt er.

Den Radsport nutzt er als Werbevehikel. 2018 holte er den Start des Giro d’Italia nach Jerusalem. Damit sein Rennstall am Giro teilnehmen – und damit den ersten israelischen Radprofi bei einer Grand Tour stellen konnte –, musste er das 2015 gegründete Team schnell auf Pro-Continental-Niveau heben. Mit der von Katusha übernommenen World-Tour-Lizenz gelang der Sprung in die oberste Radsportkategorie. Dort nur mitfahren reicht Adams nicht. „Warum sollen wir nicht in ein paar Jahren auch die Tour de France gewinnen? Wir sind ein Land von Siegern“, meinte er bei der Teampräsentation.

Rick Zabel gefällt es in Israel

Schon erreicht hat er, dass die verpflichteten Profis Israel neu betrachten. „Ich habe mir Israel ganz anders vorgestellt. Mein erster Eindruck ist echt positiv. Ein schönes Land. Und auch viel grüner, als ich dachte“, sagte Nils Politt. „Es ist cool hier. Es gefällt mir gut“, meinte Teamkollege Zabel und gestand einen Sinneswandel: „Wenn man vor ein paar Wochen noch in den Nachrichten gesehen hat, wie vom Gazastreifen aus Raketen herüberflogen, dann fragte man sich schon, ob es schlau ist, in einem solchen Land ein Trainingslager abzuhalten. Aber jetzt sehe ich, dass es ein sehr offenes Land ist und man sich sicher fühlen kann.“

Zabel, Politt und die anderen Teammitglieder besuchten gemeinsam die Holocaust-Gedenkstätte Jad Vashem. Für Teambesitzer Sylvan Adams gehört dies zum Teambuilding unbedingt dazu. „Es ist sehr wichtig, dass alle unsere Fahrer dorthin gehen, und besonders für die Deutschen. Es ist schwer für sie, das zu ertragen, aber die Jugend von heute ist natürlich nicht verantwortlich für das, was die Vorfahren machten“, sagte Adams.

Er versucht auch, Brücken in die muslimische Welt zu bauen. 2017 scheiterte die Verpflichtung des ersten muslimischen Fahrers, des türkischen Profis Ahmet Örken, wegen des Drucks auf ihn und in der Heimat. Jetzt aber wurde in dem Marokkaner El Mehdi Chokri der erste muslimische Profi in das Development-Team aufgenommen.

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