Das Minigolf-Gärtle auf der Uhlandshöhe hat seit seinem Bau 1962 zahlreiche Fans in Stuttgart (und darüber hinaus) gewonnen. Vor knapp zwei Jahren hat Nils Fischer sich der Minigolfanlage mit gigantischer Aussicht über den Kessel angenommen und sie wieder auf Vordermann gebracht. Optisch und programmatisch: Die Bahnen wurden restauriert, ein Garten wurde angelegt und gepflegt, coole Events wie Yoga Sessions, Konzerte und Minigolf-Kurse mit der Minigolf-Weltmeisterin organisiert. Hier war im Frühling, Sommer und Herbst richtig was los. „Nils hat hier wirklich was Tolles geschaffen, das erhalten werden muss“, sagt Grünen-Politikerin und Fotografin Heike Schiller und erinnert sich an zahlreiche Besuche, bei denen sie im Minigolf-Gärtle dem Stuttgarter Alltag entfliehen konnte. „Wir leben in schlimmen Zeiten, die Leute brauchen Orte wie diesen, an dem sie das Ganze vergessen können“, findet sie.
Minigolf-Oase in Stuttgart
Doch das Schaffen und Aufrechterhalten einer Oase hat sich auch in Nils‘ kaum vorhandener Freizeit niedergeschlagen. Die Rede ist von 80- bis 100-Stunden-Wochen. Im August kam dann die Nachricht: Er hört auf, gibt das Minigolf-Gärtle ab und sucht eine Nachfolge.
Das hat erst mal gesessen. Die große Fangemeinde der charmanten Minigolfanlage war in Aufruhr: Wer würde das Gärtle übernehmen und wie würde er oder sie es dann gestalten? Das Geheimnis um die Nachfolge können wir an dieser Stelle nun lüften: Ein Trio aus keinen Geringeren als Kultur-Kiosk-Macherin Sara Dahme, Filmemacher Goggo Gensch und Heike Schiller nimmt sich der Aufgabe an. Frei nach dem Motto „zu dritt ist man zwei mehr als allein“ sind sie zuversichtlich, das große Arbeitspensum hinter dem Minigolfplatz gut untereinander aufteilen und im Team stemmen zu können. „Aber wir suchen natürlich auch noch Aushilfen“, betont Sara, ihres Zeichens Lehrerin und Kunstvermittlerin (seit Kurzem auch mit politischen Ambitionen), selbst wenn ihr Kultur-Kiosk, der dieses Wochenende seinen großen Abschied feiert, fortan von ihrer Aufgabenliste wegfällt. Jede:r der drei neuen Betreiber:innen geht weiterhin seinen beziehungsweise ihren bisherigen beruflichen Tätigkeiten nach, das Minigolf-Gärtle kommt on Top. Da ist es gut, auch mehr helfende Hände als die eigenen zu haben.
Wer jetzt Angst hat, dass sein oder ihr Zehnerkärtle unter den neuen Chefs nicht mehr gilt, kann beruhigt sein: Die alten Zehnerkärtchen behalten ihre Gültigkeit.
Bis zur geplanten Wiedereröffnung im März 2024 – bisher steht der 17. im Raum – gibt es noch einiges zu tun: Zum Beispiel will das Hochbeet neu bepflanzt, die 18 Bahnen wieder in Schuss gebracht und die Terrasse mit einem Schachbrett bemalt werden. Für die Bahnen hat sich das Team etwas Besonderes überlegt: Es können Patenschaften für sie übernommen werden, mit deren Mitteln dann die Neugestaltung je einer Bahn durch eine:n gemeinsam ausgesuchte:n Künstler:in umgesetzt werden wird. Die erste Patenschaft ist bereits eingetütet: Ulrike Groos hat sich fürs Kunstmuseum eine gesichert.
Kultur und Minigolf
Programmatisch will man die Arbeit des Vorgängers weiterführen und ausbauen: Yoga-Stunden, Lesungen, Open-Air-Kino, kleine Konzerte und andere Kunst- und Kulturveranstaltungen sollen im Minigolf-Paradies auf der Uhlandshöhe künftig stattfinden. Auch für Geburtstage und Firmen-Events ist das Örtchen mietbar. „Wir wollen hier Menschen bei Kultur und Minigolf zusammenführen, die sich auf der Königstraße wahrscheinlich nicht über den Weg gelaufen wären“, sagt das Team. „Was Veranstaltungen angeht, werden wir aber auch einfach mal ausprobieren, was funktioniert“, fügen sie hinzu und spielen schon etwa mit dem Gedanken, das Staatsoper-Ensemble zum Proben im Minigolf-Club einzuladen. Alles kann, nichts muss.
So wird das Ganze übrigens in Zukunft heißen: „Minigolf-Club“, obwohl’s ein öffentlicher Minigolf-Platz bleibt. Der ausschließende Club-Gedanke wird ironisierend ad absurdum geführt – das passt. Wer in den Förderverein eintritt, darf sich aber immerhin stolz Club-Mitglied nennen. Auch schickes Minigolf-Club-Merch wird’s natürlich geben, für das Design hat Sara Dahme ihren alten Kumpel und Grafikdesigner Daniel Wiesmann mit an Bord geholt.
Last but not least will sich das Trio das Thema Familienfreundlichkeit groß auf die Fahne schreiben. Am Kiosk wird’s Snacks und Eis geben, nebenan ist ein großer Spielplatz, auf dem man sich unter anderem mit Tischtennis die Wartezeit auf eine Bahn vertreiben kann (Tischtennis-Schläger können im Minigolf-Club ausgeliehen werden). „Als klar wurde, dass wir das Minigolf-Gärtle übernehmen möchten, haben wir uns im Bekanntenkreis umgehört, ob das überhaupt eine gute Idee ist und es gibt wirklich niemanden – ob jung oder alt – der oder die Minigolf nicht mag.“ Folgerichtig kann es nur eine grandiose Idee sein. Das Team ist bester Dinge für die Zukunft. Denn am Ende ist es ja so: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, zitiert Sara good old Friedrich Schiller. Hat der mal wieder recht gehabt.