Neuer Pächter auf der Uhlandshöhe Wie sich Nils den Traum vom eigenen Minigolf-Platz erfüllt hat

Der Herr der Bahnen: Nils Fischer in seinem neuen Reich. Foto: Björn Springorum

Seit 60 Jahren treffen sich Stuttgarter:innen auf der Uhlandshöhe zum Minigolfspielen - die Bahn ist die älteste der Region. Diesen Sommer hat ein neuer Pächter die Schläger übernommen und mit seinem Minigolfgärtle eine grüne Oase mit Panoramablick geschaffen.

Bahn 18 ist der Endboss für die meisten. Die Bahn mit Rampe und Netz, Schicksalsprüfung vor dem Einzug in den Minigolfolymp. „Die schafft man mit einem oder man kassiert eine Sieben“ ist die wohl am meisten verbreitete Weisheit auf den Minigolf-Courts der Region. Und das schon vor 60 Jahren: 1962 eröffnet Familie Schwab auf der Uhlandshöhe ihre Minigolfbahn, das klassische Line-up mit den 18 ikonischen Bahnen ist bis heute unverändert. Wo in der Stadt gibt es denn bitteschön sonst noch einen Ort, der sich in den letzten 60 Jahren im Grunde nicht verändert hat?

 

Kindheitserinnerungen auf einen Schlag

Das ist ja überhaupt das Schöne an diesem Sport, findet der neue Betreiber Nils Fischer. „Diese 18 Bahnen kennt jeder“, sagt er und überblickt das Gärtle. „Das hat viel mit Nostalgie zu tun, mit Kindheitserinnerungen.“ Und ob: Nicht nur Bahn 18, der Endgegner, hat sich in manche Kindheit eingebrannt. Auch Bahn 17. Die muss man eigentlich nur schnurgerade spielen. Ein präziser Schlag, zack, drin. Schreib ne Eins auf! Oder, eine besonders perfide Regel dieses Spiels, eine Sieben nach sechs misslungenen Schlägen. Der Schandfleck auf jedem Zettele.

Routinierter Crack mit eigenen Schlägern auf dem Weg zum Bahnrekord oder Newbie: Minigolf ist eben ein Sport für jede:n. Aktueller Bahnrekord: Ordentliche 35 Schläge. „Hier treffen sich alle“, erzählt Nils. „Vom Fünfjährigen bis zur Oma, die schon vor 59 Jahren hier gespielt hat. Jede Gesellschaftsschicht, Schulklassen, Team-Ausflüge, alles. Dieser Ort verbreitet einfach gute Laune", sagt Nils als stolzer neuer Gastgeber mit seinem kleinen gastronomischen Angebot und der schönen Terrasse am hinteren Ende des Platzes.

Alter Glanz

Seit Anfang des Jahres hat er die jahrzehntelange Pächterfamilie Schwab als Betreiber abgelöst. Und sich damit einen sehr alten Traum erfüllt. „Ich träume seit zwölf Jahren von einem Ort, an dem ich mich selbstständig machen kann - einem Ort, an den die Menschen mit einer positiven Grundstimmung kommen“, so der 36-Jährige. Der gebürtige Heidelberger studiert zunächst Sportökonomie in Mainz, arbeitet danach elf Jahre als Geschäftsführer vom badischen Handballverband und die letzten Jahre hier in Stuttgart als Projektleiter bei einer Sport-Marketing-Agentur.

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Dann kam Corona. Dann kam die Kurzarbeit. „Und erstmals seit Jahren hatte ich wieder Zeit, mich mit diesem alten Traum auseinanderzusetzen, der mich seither nie wieder losgelassen hat. Jetzt oder nie, dachte ich.“ Das Timing ist auf seiner Seite: Familie Schwab kann sich vorstellen, ihr Lebenswerk in vertrauensvolle Hände zu geben, jetzt ist Nils der Herr der 18 Bahnen. „Die Bahn hier auf der Uhlandshöhe war die einzige, die für mich in Frage kam“, betont er. „Sie ist einfach wunderschön gelegen, bietet in beide Richtungen wunderschöne Ausblicke und hat außerdem reichlich Geschichte.“ Das kann er laut sagen: In den Sechzigern musste die Bahn zeitweise wegen Überfüllung schließen. Und 1968 wurden hier sogar mal die Deutschen Meisterschaften ausgetragen. Heute passiert das vielleicht nicht mehr. Doch weg war Minigolf nie.

Charakter und Patina

In der Region gibt es keine ältere Bahn, hier wurde schon fleißig eingelocht, als die Queen 1965 in der Stadt zu Besuch war - und zwar auf denselben Bahnen. Die Anlage hat Charakter und Patina. Zudem sei so eine Minigolfbahn auch ein sehr sozialer Ort. „Für ein erstes Date ist Minigolf perfekt“, findet Nils. „Wenn einem mal nichts zum Reden einfällt, kann man immer noch über das Spiel sprechen.“

Das war schon vor 60 Jahren so, als die Straßenbahn in Stuttgart noch oberirdisch fuhr. Und das wird auch noch so sein, wenn der neue Bahnhof fertig ist. Die Baustelle kann man übrigens prima von der Uhlandshöhe überblicken. Seit der Neugestaltung ist der Panoramablick noch eindrucksvoller. Profitipp: Tischtennisschläger für die Platte auf dem benachbarten Spielplatz verleiht Nils in seinem Häusle auch.

Minigolf-Gärtle, Alfred-Lörcher-Weg 18/1, Stuttgart-Ost, Mo-Fr 14-20, Sa+So 11-20 Uhr, bei Regen geschlossen, www.minigolf-gaertle.de

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