Missbrauchs-Drama: „Verfehlung“ Seelsorge mit Übergriffen

Von Kathrin Horster 

Gerd Schneider packt in seinem Debütfilm ein heißes Eisen an: den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Schade nur, dass er die Strukturen dahinter nicht beleuchtet.

Es geht nicht immer nur um den Leib Christi: Sebastian Blomberg als  Gefängnispfarrer Jakob Völz. Foto: Camino Filmverleih
Es geht nicht immer nur um den Leib Christi: Sebastian Blomberg als Gefängnispfarrer Jakob Völz. Foto: Camino Filmverleih

Stuttgart - Oliver, Jakob und Dominik sind wie Brüder. Ihre Familie ist eine katholische Ordensgemeinschaft. Unter deren Fittichen wollen sie sich für andere einsetzen, Missstände lindern und – die moderne Kirche gibt das her – ganz weltlich Karriere machen. Oliver (Jan Messu­tat) geht in die Bistumsverwaltung, Jakob (Sebastian Blomberg) arbeitet als Gefängnisseelsorger, Dominik (noch vom Stuttgarter Schauspiel bekannt: Kai Schumann) leitet eine Gemeinde und kümmert sich um schwierige Teenager. Das Priesterdasein scheint sie zu erfüllen. Die Einsamkeit, die sich am Ende eines Arbeitstags in den kargen Dienstwohnungen breitmacht, nehmen sie in Kauf. Doch dann taucht während des Gottesdienstes die Kripo in der Kirche auf und nimmt Dominik in Gewahrsam.

In seinem Debüt „Verfehlung“ fasst der aus Stuttgart stammende Regisseur und Drehbuchautor Gerd Schneider ein heißes Eisen an: sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche. Zwar konstruiert er einen fiktiven Fall, stößt aber doch hinein in die öffentliche Debatte über die realen Verbrechen von Klerikern.

Kredit für den Theologen

Kredit für den Theologen

Bei solchen Themen lastet schnell der Anspruch auf Filmemachern, Anwälte der Opfer zu sein. Damit wächst die Gefahr, dass die filmische Auseinandersetzung zu banal oder zu sensationswütig oder gar zu einer Mischung aus beidem gerät. Das muss nicht sein. Christoph Röhl, der in seinem Fernsehspiel „Die Auserwählten“ die Missbrauchsserie an der Odenwaldschule verarbeitet hat, bekam sogar von ehemaligen Schülern des Internats positive Rückmeldungen. Und auch Gerd Schneider hat man vorab viel Kredit gegeben. Als studierter Theologe und ehemaliger Priesteramtskandidat schien er prädestiniert für die filmische Aufklärungsarbeit zu sein.

Seine Figuren legt Schneider als Grundtypen an. Im Zentrum der in Stuttgart gedrehten Geschichte steht nicht Dominik, der Täter, sondern dessen bester Freund Jakob. Aus Loyalität schenkt Jakob den halbherzigen Beteuerungen von Dominik, er habe sich nicht an Jungen vergangen, Glauben. Als Jakob aber Zweifel überkommen, versucht er, das Richtige zu tun. Sein Antipode ist Oliver, der Dominiks Verbrechen als lässliche Sünde hinnimmt und vor allem das Ansehen der Kirche schützen will. „Eine Mutter schlägt man nicht“, ermahnt er Jakob, als der ihm ins Gewissen redet, die Sache nicht weiter zu vertuschen.