Missbrauchskonferenz geht zu Ende Taten müssen folgen

Papst Franziskus während der Missbrauchskonferenz im Vatikan. Foto: AFP

Drei Tage haben in Rom die Kirchenoberen über das Thema Kindesmissbrauch in der Kirche beraten – anders als von vielen erwartet, kamen dabei sogar konkrete Vorschläge auf den Tisch. Doch Papst Franziskus verpasst es, diese in seiner Abschlussrede aufzugreifen. Und verpasst damit eine wichtige Chance.

Rom - Klarheit hatte Papst Franziskus selbst noch am Donnerstag zu Beginn des Missbrauchsgipfels im Vatikan gefordert. Doch es ist der Pontifex selbst, der am Ende mehr Verwirrung schaffte als jeder andere in den vergangenen drei Tagen. Denn er hat die Fortschritte, die diese Tagung hervorgebracht hat, in den Hintergrund verbannt.

 

Dabei hatte Franziskus schon mit der Einberufung der Konferenz ein deutliches Zeichen gesetzt. Nach unzähligen, immer neuen Enthüllungen über Kindesmissbrauch durch Kleriker hatte der Papst die Reißleine gezogen und die Spitzen der Bischofskonferenzen der Welt nach Rom geladen. Man wollte bei der Lösung der tiefen Krise, in der die Kirche steckt, endlich vorankommen. Dass dreieinhalb Tage nicht die jahrzehntelange Kultur des Vertuschens, in der das Ansehen der Kirche mehr wog als das Leid der Opfer, ungeschehen machen konnte, war allen klar. Auch, dass es an diesem Sonntag keine konkreten Beschlüsse geben würde, denn rein kirchenrechtlich hatte diese Zusammenkunft dazu gar keine Befugnis.

Erfolge der Konferenz rücken in den Hintergrund

Gerade deshalb hatten so viele auf den Papst gehofft. Darauf, dass er in seiner Abschlussrede den richtigen Ton treffen und die Herausforderungen auf den Punkt bringen würde. Doch der Pontifex schritt wieder einmal zu forsch voran, indem er gleich den Kampf gegen den Missbrauch in verschiedenen Teilen der Gesellschaft einläutete. Natürlich ist es lobenswert, sich als katholische Kirche für die Bekämpfung von Kindesmissbrauch in allen Bereichen, sei es innerhalb der Familie oder im Sportverein, einzusetzen. Doch an diesem Sonntag lag der Fokus auf der Verantwortung der Kirche. Die Institution steht selbst noch vor immensen Herausforderungen. Das wäre der erste wichtige Schritt.

Mit keinem Wort erwähnte Franziskus die zahlreichen Berichte von Betroffenen, die per Video gezeigt oder von anwesenden Opfern live vorgetragen wurden und die vielen der Kirchenoberen die Tränen in die Augen trieben. Auch konkrete Maßnahmen des Papstes blieben am Sonntag aus, Franziskus blieb in der Sphäre des Theoretischen. Schade ist, dass nach seiner Rede der eigentliche Erfolg der Zusammenkunft erst einmal kein Thema mehr ist.

Dabei hat die Konferenz durchaus konkrete Vorschläge hervorgebracht. Wie den nach neuen Verwaltungsgerichten, in denen auch Laien sitzen. Oder den des deutschen Bischofs Kardinal Reinhard Marx, der dafür plädierte, das päpstliche Geheimnis beim Thema Missbrauch endlich abzuschaffen. Eine Forderung, die so zum ersten Mal öffentlich formuliert wurde. Leider nicht vom Papst. Von dem komme bald ein Schreiben, versuchte Federico Lombardi, Mitorganisator der Konferenz, die Wogen zu glätten. Auch neue Gesetze und Richtlinien dürften bald erwartet werden. Warum der Papst selbst dies mit keinem Wort erwähnte, bleibt wohl sein Geheimnis. Er hätte den Menschen zeigen können, dass es nun endlich vorangeht.

Für den Papst steht viel auf dem Spiel

Trotzdem wurde mit diesem Treffen ein wichtiger Schritt nach vorne gemacht. Nun kommt es auf den Inhalt des angekündigten Papstschreibens an. Taten müssen auf die Worte folgen. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die Transparenz gewährleisten und jeglichen Vertuschungsversuch bereits im Keim ersticken. Es braucht härtere und eindeutige Strafen auch im Kirchenrecht und schnellere und effektivere kanonische Prozesse, in denen auch Laien eine wichtige Rolle spielen. Es muss überprüft werden, ob die seit Jahren bestehenden Richtlinien und Vorgaben in den Diözesen eingehalten werden. Vieles davon wurde am Sonntag versprochen, wenn auch nicht vom Papst selbst. Dabei wird es für das Pontifikat Jorge Mario Bergoglios entscheidend sein, wie und vor allem in welcher Geschwindigkeit dieser Prozess nun weitergeht.

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