Mittagstisch in Stuttgart-Vaihingen Niemand soll allein vor seinem Teller sitzen

Dorothea Klein (Zweite von rechts) und insgesamt etwa 20 Ehrenamtliche servieren zweimal in der Woche eine warme Mahlzeit im Gemeindehaus. Foto: Alexandra Kratz
Dorothea Klein (Zweite von rechts) und insgesamt etwa 20 Ehrenamtliche servieren zweimal in der Woche eine warme Mahlzeit im Gemeindehaus. Foto: Alexandra Kratz

Dorothea Klein (Zweite von rechts) und ihre etwa 20 ehrenamtlichen Helfer sorgen zweimal in der Woche dafür, dass es einen Mittagstisch im Südgemeindehaus in Stuttgart-Vaihingen gibt.

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Vaihingen - An diesem Ort kommen Jung und Alt zusammen. An den Tischen im evangelischen Gemeindesaal sitzen Senioren, lassen sich ihr Mittagessen schmecken und reden über dies und das. Wenn man reinkommt, geht es gleich rechts etwas bunter zu. Dort sitzt etwa ein Dutzend Kindergartenkinder und macht sich ebenfalls über die Maultaschen mit Kartoffelsalat her. Auch einige Mitarbeiter des an der Ackermannstraße beheimateten Evangelischen Jugendwerks wollen sich die nicht entgehen lassen.

Dass ehrenamtliche Helfer die warme Mahlzeit pünktlich um 12 Uhr servieren, dafür sorgt Dorothea Klein. Seit mittlerweile zehn Jahren ist sie für den Mittagstisch zuständig. In das Amt ist sie sozusagen hineingewachsen. Denn vor ihr war ihre Mutter jahrelang dafür verantwortlich. Es habe damals aber keine Verpflichtung gegeben, dass sie als Tochter den Job übernimmt. „Ich habe das gern gemacht. Denn ich koche und esse gern. Und ich mag den Kontakt zu den Leuten“, sagt die 59-Jährige.

Seit 31 Jahren Mesnerin und Hausmeisterin

In der Küche kennt sich Dorothea Klein aus. Sie ist gelernte Hauswirtschafterin und war einige Zeit lang die Chefin in der Küche eines Altenheims. Auch die Vaihinger Gemeinde kennt sie bestens. „Ich bin hier groß geworden“, sagt Klein. Und seit mittlerweile 31 Jahren ist sie die Mesnerin und Hausmeisterin in der Dreieinigkeitskirche. Damit hatte sie diesen Posten schon inne, als 1988 die damalige Pfarrersfrau den Mittagstisch in Leben rief.

Die Ziele sind bis heute dieselben. „Die alten Menschen sollen nicht allein vor ihrem Teller sitzen“, sagt Klein. Zum Essen in den Gemeindesaal würden viele Alleinlebende kommen. „Sie freuen sich, wenn sie jemanden zum Schwätzen haben. Wenn sie an diesem Tag einen guten Grund haben, um aufzustehen und sich schick zu machen. Wenn der Tag eine Struktur bekommt“, listet Klein einige Argumente auf. Seit einiger Zeit sind auch immer einige Kinder aus dem benachbarten evangelischen Kindergarten an der Ackermannstraße zu Gast. „Das war ein Wunsch der Eltern“, sagt Klein. Die Kinder würden den Besuch im Gemeindesaal genießen. „Für sie ist es wie im Restaurant.“

70 bis 75 Kochtage im Jahr

In den Anfangsjahren lieferte ein Caterer die warme Mahlzeit. Die Ehrenamtlichen kümmerten sich lediglich um den Nachtisch und den Salat. Seitdem es im Gemeindehaus eine richtige Küche gibt, ist das anders. „Wir kochen alles frisch, von der Gemüsebrühe bis zum Fleisch“, sagt die Küchenchefin nicht ohne Stolz. Mit „wir“ meint sie etwa 20 Ehrenamtliche, von denen sie unterstützt wird. Die freiwilligen Helfer bilden sieben Teams. Neue Ehrenamtliche werden gesucht.

„Mein Ziel ist es, dass jeder nur einmal im Monat kochen muss. Ich will es nicht überstrapazieren“, sagt Klein. Über das Jahr verteilt bestreitet sie zusammen mit ihren Teams 70 bis 75 Kochtage. Vom Morgen bis zum frühen Nachmittag stehen die Köchinnen dann in der Küche. Doch der Aufwand lohnt sich. „Die meisten loben unser Essen. Wir bekommen schon unser Streicheleinheiten“, sagt Klein. In den Ferien gibt es aber keinen Mittagstisch. „Das würden wir nicht schaffen“, sagt Klein. Denn auch sie sei mal im Urlaub.




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