Mittelalter- und Weihnachtsmarkt Esslingen geht zu Ende Der letzte Glühwein wird ausgeschenkt

Noch leuchten die Lichter auf dem Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt: Doch am Donnerstag, 21. November, geht die Veranstaltung zu Ende. Foto: Roberto Bulgrin

Der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt geht zu Ende. Veranstalter und Händler ziehen ein positives Fazit. Doch Bahnstreik, die Bombendrohung von Göppingen sowie Personalmangel machten der Veranstaltung zu schaffen.

Noch zeigen Glasbläser, Holzschnitzer, Gerber oder Steinmetze ihr Handwerk. Doch bald packen sie ihre Utensilien zusammen. Am Donnerstag, 21. Dezember, um 20.30 Uhr endet der diesjährige Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt. Händler und Veranstalter ziehen ein positives Fazit. Doch Wetterkapriolen, Bahnstreik, Personalmangel und die Bombendrohung von Göppingen haben ihren Job erschwert.

 

Heiko Hahn, heute Marktbeschicker auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt, war in seiner Jugend leidenschaftlicher Tennisspieler. Ein Kumpel mimte bei einem Match den Sportreporter: „Kuno Brathähnchen geht ans Netz!“ Das „Brathähnchen“ für „Hahn“ wurde vergessen, doch der Spitzname Kuno ist geblieben. Unter dieser Bezeichnung sei er in der Marktbeschickerszene bekannt, erklärt Heiko Hahn, daher könne er sich gut eine Meinung bilden: Inflation, steigende Energie- und Lebenshaltungskosten hätten sich nicht auf das Geschäft der Händler auf dem Esslinger Weihnachtsmarkt ausgewirkt. Er und seine Kollegen seien mit den Umsätzen zufrieden.

Händler fehlen

Doch der Personalmangel zeige sich auch in diesem Bereich: Vorführende Handwerker erhielten als Teil des Kulturprogramms für ihre Performance zwar einen zusätzlichen Obolus vom Veranstalter. Dennoch sei es zunehmend schwerer, Teilnehmende zu finden: „Corona war für manche Händler der Anlass zum Aufhören. Die einen, weil sie sowieso in dem entsprechenden Alter waren, und die anderen, weil sie sich aus wirtschaftlicher Not einen anderen Lebenserwerb suchen mussten.“

Dennoch sei die Anzahl der Stände mit etwa 180 Buden konstant geblieben, versichert die Marktleiterin Petra Pfeiffer. Um das Alte Rathaus herum sehe es zwar aus, als sei bei der Bestückung noch Luft nach oben. Doch die Freiräume seien den barrierefreien Zonen und zusätzlichen Zufahrten für die Feuerwehr geschuldet. Zudem, ergänzt Marktarchitekt Jörg Schall, seien die Wege wegen des großen erwarteten Besucheransturms breiter gestaltet worden.

Besucherrückgang durch Bahnstreik

Einen Ansturm auch an internationalen Gästen gab es laut Michael Metzler, dem Geschäftsführer der veranstaltenden Esslinger Markt und Event (EME), in der Tat. Doch der Regen habe zu Zurückhaltung geführt. Auch der Bahnstreik am Freitag, 8. Dezember, war nicht gut fürs Geschäft: Da sei es in der Budenstadt merklich ruhiger gewesen. Einerseits positiv, meint Jörg Schall, denn es zeige, dass die Menschen die Appelle zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel bei der Anfahrt beherzigten. Andererseits negativ, denn die Besucher hätten natürlich gefehlt.

Unsicherheit hat laut den Veranstaltern die Bombendrohung auf dem Weihnachtsmarkt in Göppingen ausgelöst. Allerdings, so versichert Brigitte Länge vom Ordnungsamt, seien die Verantwortlichen auf solche Dinge vorbereitet. Es gebe ein Sicherheitskonzept, die Zuständigkeiten für Notfälle seien geklärt, Rettungswege ausgewiesen. Die Polizei entscheide je nach Sicherheitslage, mit wie vielen Kräften sie vor Ort sei. Doch in diesem Jahr, so Länge, sei es generell zu keinen bemerkenswerten Vorfällen etwa mit Betrunkenen gekommen. Alles sei ruhig geblieben.

Unverbesserliche am Totensonntag

Gut, ein paar Fahrzeuge, die unerlaubterweise auf Zufahrtswegen geparkt hatten, hätten abgeschleppt werden müssen. Aber das sei zuvor kommuniziert worden. Ebenso wie die Schließung des Marktes am Totensonntag, 26. November. Ein paar Unverbesserliche seien dennoch gekommen – aber es sei nur eine Handvoll Unbelehrbarer gewesen, so Jörg Schall.

Sie bekamen am Totensonntag nichts. Doch an anderen Tagen wurde kräftig konsumiert. Über die Preise und deren Höhe werde immer diskutiert, so Jörg Schall. Doch der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt biete Besuchern sehr viel Mehrwert – ein kostenloses Kulturprogramm und eine hohe Qualität der Artikel an den Ständen. Für besondere Leckereien wie die Hirschbratwurst müsse eben mehr hingelegt werden, doch solche Waren seien schon im Einkauf teurer.

Ist angesichts dieser steigenden Kosten eine Eintrittsgebühr in die Budenstadt ein Thema? „Um Gottes Willen“, winkt Michael Metzler ab. Während der Coronapandemie hätten er und sein Team sich Gedanken über eine Einzäunung der Budenstadt machen müssen – so etwas wolle er nie wieder tun. „Das wollen wir nicht und das können wir nicht“, fügt Jörg Schall hinzu. Denn Sicherheitsgassen müssten für Notfälle frei gehalten werden, Zäune schadeten zudem dem Flair des Marktes und beeinträchtigten den Charme der Veranstaltung. Für noch mehr Charme sollen nächstes Jahr eine Vergrößerung der Veranstaltungsfläche am Marktplatz und breiter angelegte Wege sorgen. Über einen Sondertag für Studierende mit verbilligten Preisen bei Vorlage des Studierendenausweises werde nachgedacht.

Mehr Charme 2024

Der Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt

Besucherzahlen
 Sicherheitsbehörden und Veranstalter beziffern die Besucherzahlen auf dem Mittelalter- und Weihnachtsmarkt Esslingen 2023 mit etwa einer Million Gästen. „Die Frequenz war vom Start weg gut“, sagt Mitorganisator Michael Metzler. Das vierte Veranstaltungswochenende am Dritten Advent sei von Seiten der Besucherzahlen das stärkste gewesen.

Medienecho
 Mit der Berichterstattung über den Markt ist Metzler zufrieden: Mit etwa 3350 Google-Rezensionen und 4,7 von fünf Punkten zähle das Event zu den am häufigsten und besten rezensierten Märkten Deutschlands. Auch habe die Times in London die Esslinger Veranstaltung unter die Top 20 der attraktivsten Weihnachtsmärkte der Welt gelistet.

Markt 2024
 Die Bewerbungsphase für eine Teilnahme am Mittelalter- und Weihnachtsmarkt 2024 beginnt laut Metzler im Januar. Es bestehe ein zusätzliches Potenzial an Ständen bevorzugt im Bereich Kunsthandwerk und Handelsware. Der nächste Mittelalter- und Weihnachtsmarkt soll von Dienstag, 26. November, bis Sonntag, 22. Dezember, über die Bühne gehen.

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