Mobile Jugendarbeit Eingreifen statt ignorieren

Von Tamara Steinmetz 

Mit einem Erste-Hilfe-Kurs will die Mobile Jugendarbeit Süd Menschen motivieren, im Notfall zu helfen. Vielen fehlt der Mut dazu – oft nur aus Unwissenheit.

Wer nicht weiß, wie er im Notfall vorgehen muss, dem nützt auch der Erste-Hilfe-Kasten nichts. Foto: Zweygarth
Wer nicht weiß, wie er im Notfall vorgehen muss, dem nützt auch der Erste-Hilfe-Kasten nichts. Foto: Zweygarth

S-Süd - Jeder hat Angst vor Unfällen und Verletzungen. Viele haben auch Angst davor, helfen zu müssen – und es nicht zu können. Dabei könnte durch mehr Verantwortungsbewusstsein, Zivilcourage und engagiertes Handeln vielen Opfer geholfen werden. Mit dem Workshop „Zivilcourage in der Praxis: Erste Hilfe und mehr“ wollte die Mobile Jugendarbeit Stuttgart-Süd den Bewohnern des Stadtbezirks solche Ängste nehmen.

Dabei ging es allerdings weniger um Handlungsempfehlungen in Gewaltsituationen als vielmehr um lebensrettende Sofortmaßnahmen. So lernten die zwölf Teilnehmer Ohnmächtige in die stabile Seitenlage zu bringen, einen Menschen wiederzubeleben oder einem Verletzten den Helm abzunehmen. Darüber hinaus sollten die Kursteilnehmer ein Bewusstsein dafür entwickeln, wie es Menschen geht, die plötzlich auf Hilfe angewiesen sind, um in der Lage zu sein, sich in solche Notsituation hineinzuversetzen.

Nicht nur für Jugendliche wichtig

Auch wenn der Kurs von der Mobilen Jugendarbeit organisiert worden war, waren auch Erwachsene aufgerufen, ihr Wissen in Erster Hilfe aufzufrischen. „Das Thema des Workshops geht alle etwas an “, sagt Jonas Puhm von der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart-Süd. Schlussendlich waren die Erwachsenen sogar in der Überzahl: Nur ein Jugendlicher machte mit, alle anderen Teilnehmer waren deutlich älter als 20 Jahre. So auch der 62-jährige Wolfgang Rempp: „Ich habe zwar etwas anderes von einem Zivilcourage-Kurs erwartet, aber es schadet nicht, meine Erste-Hilfe-Kenntnisse wieder aufzufrischen.“

Nicht nur Wolfgang Rempp hatte in Sachen Erste Hilfe Nachholbedarf. Die Faustformel für eine Reanimation wussten längst nicht alle. Deshalb erinnerte der Kursleiter Folkert Milster daran, vor dem zweifachen Beatmen zu versuchen, das Herz etwa 30 Mal mit einer Druckmassage zum Schlagen zu bringen. „Beim Beatmen müsst ihr sehen, dass sich der Brustkorb hebt und senkt“, erklärte der Experte von der Johanniter-Unfallhilfe. An einer Reanimationspuppe zeigte der Kursleiter, wie das funktioniert, bevor die Teilnehmer selbst üben durften. „Du musst beim Beatmen nicht so stark pusten, als ob du einen Luftballon aufbläst“, berichtigte der Ersthelfer einen seiner Schüler.

Ohne Wissen fehlt der Mut zu helfen

Für Milster ist sein Erste-Hilfe-Kurs auch ein Beitrag zu mehr Zivilcourage. „Wir leben zunehmend in der Zeit von emotionaler Vernachlässigung“, sagt er „Wenn jemand auf der Straße verletzt liegt, sollte jeder den Mut haben, engagiert zu helfen und nicht wegschauen.“ Doch der Mut könne meistens nur aufgebracht werden, wenn sich der Helfende in seinem Handeln sicher fühle. Künftig in Notsituationen zu helfen, das trauen sich die Teilnehmer des Kurses nun zu. „Ich weiß wieder, wie ich mich in gewissen Situationen verhalten muss und habe keine Angst, etwas falschzumachen“, sagt etwa Werner Kübler.

Der Erste-Hilfe-Kurs ist Teil eines umfangreichen Programms. Um die Bevölkerung im Süden für mehr Zivilcourage zu sensibilisieren, entstand im Jahr 2010 im Gremium Handlungsfeldkonferenz Jugend/Süd das Projekt „Hinschauen – Eingreifen“. Seit dem Beginn der Initiative werden Handlungsstrategien für Konfliktsituationen in unterschiedlichen Workshops und Vorträgen thematisiert. „Der Stuttgarter Süden soll zu einem Stadtteil werden, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann“, sagt Jonas Puhm von der Mobilen Jugendarbeit Stuttgart-Süd, die Handlungsfeldkonferenz angehört. Der nächste Workshop ist für Herbst geplant.

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