Mobilität in der Region Stuttgart Wenn die Daimler-Spätschicht in die Seilbahn steigt

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Auf Antrag der FDP-Fraktion hat die Region eine ganze Reihe von Vorschlägen für Seilbahnverbindungen im öffentlichen Nahverkehr gemacht. Die Regionalräte haben darüber diskutiert – und waren nicht immer einer Meinung.

Seilbahnen als Transportmittel im Nahverkehr – dies wird nicht erst seit heute diskutiert. Hier ein Bild aus einem Fachgespräch im Juli 2016 in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Seilbahnen als Transportmittel im Nahverkehr – dies wird nicht erst seit heute diskutiert. Hier ein Bild aus einem Fachgespräch im Juli 2016 in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Mal Begeisterung, mal Skepsis, aber auf jeden Fall Interesse – das waren die Reaktionen der Regionalräte auf den Bericht des regionalen Verkehrsdirektors Jürgen Wurmthaler über die Chancen von Seilbahnen in der Region. In einem groben Überblick hatten die Verkehrsexperten mehrere mögliche Verbindungen ins Gespräch gebracht – etwa von Böblingen über Flugfeld und Daimler-Werk zum Breuningerland Sindelfingen, von Esslingen-Mettingen nach Ostfildern-Ruit, vom Esslinger Bahnhof zur Burg oder Neckarhalde sowie über Neckar und B 10 zur Pliensauvorstadt, von Oberesslingen bis Neuhausen und im Strohgäu. Auch in Stuttgart sind Seilbahn-Strecken geplant.

Städte sind am Zug

Im Verkehrsausschuss der Regionalversammlung machte Wurmthaler am Mittwoch deutlich, dass die Vorschläge nur eine „erste Grobsuche“ seien. Signale für weitere Untersuchungen müssten von den betroffenen Städten kommen. „Die Region kann sich allenfalls dann beteiligen, wenn es um interkommunale Projekte geht“, sagte er, der Seilbahnen zwar Potenziale im ÖPNV zubilligte, aber es gebe beim Einsatz auch „konkrete Probleme“ wie die Windanfälligkeit.

Wohlwollen bei CDU, FDP, Grünen und SPD

Hin- und hergerissen waren auch die Regionalräte. „Seilbahnen sind eine tolle Ergänzung des ÖPNV“, sagte Hans Dieter Scheerer von der FDP, dessen Fraktion den Bericht beantragt hatte. Er könne die Kommunen nur ermuntern, die Vorschläge aufzugreifen. Seilbahnen seien bei steilen Anstiegen sinnvoll, meinte auch Rainer Ganske (CDU/ÖDP), aber sie hätten eben auch Nachteile wie Kapazität und die Nähe zu Wohnungen. Für Lena Weithofer (Grüne) sind die „Kommunen am Zug“, besonders die Strecke von Mettingen nach Ruit sei sinnvoll. Auch Jasmina Hostert (SPD) sprach von „innovativen und attraktiven Verbindungen“, ihre Fraktion sei „offen für neue Wege“.

Skepsis bei FW, AfD und Linke/Pirat

Skeptisch äußerte sich Bernhard Maier (Freie Wähler): „Ist das umsetzbar?“ Zudem habe er „größte Zweifel“, ob die Region dafür zuständig sei und sich daran beteiligen solle, auch finanziell. Dies lehnten auch Holger Dorn (AfD) und Wolfgang Hoepfner (Linke/Pirat) ab. Er sehe vor allem Nachteile, so Hoepfner, und könne sich nur schwer vorstellen, wie eine Daimler-Spätschicht mit der Seilbahn fahre. Da wollte niemand widersprechen.




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