Mobilitätswende im Kreis Ludwigsburg Steht das Lastenrad vor dem Durchbruch?

Mit einem Lastenrad lassen sich selbst schwere Gegenstände wie Wäschetrockner transportieren. Foto: www.pd-f.de/Kay Tkatzik

Ludwigsburg hat sich nicht zu einem Einstieg in die Lastenrad-Förderung durchringen können. Andere Kommunen im Kreis sind da weiter. Aber die Nachfrage ist eher verhalten. Noch jedenfalls.

Lastenräder werden in Deutschland immer beliebter. Trotzdem lehnte es nun der Ludwigsburger Mobilitätsausschuss ab, in ein E-Lastenrad-Mietprogramm einzusteigen. Förderungen zum Kauf sind in der Barockstadt ebenfalls Fehlanzeige, erklärt die Pressesprecherin Karin Brühl. Andere Kommunen sind in der Hinsicht weiter, wenngleich die Nachfrage stellenweise noch überschaubar ist.

 

Steinheim hat zum Beispiel seinen Fördertopf mit 25 000 Euro befüllt, unterstützt damit den Kauf von E-Lastenrädern mit bis zu 1000 Euro. Maximal 150 Euro werden beigesteuert, wenn sich jemand einen Anhänger dafür leistet. Allerdings sind bislang erst drei Anfragen nach einer Bezuschussung der Räder eingegangen. In zwei Fällen kam es aus verschiedenen Gründen dann gar nicht erst zur Ausschüttung, sagt Bürgermeister Thomas Winterhalter, der immerhin acht bewilligte Förderungen von Anhängern vermelden kann. Das Programm wäre nun eigentlich ausgelaufen, solle aber verlängert werden. Ziel sei, in der Mobilitätswende einen Anreiz zu geben, auf umweltfreundliche Fortbewegungsmittel umzusteigen.

Verleihservice stößt auf gute Resonanz

Auch die Stadt Kornwestheim möchte es den Bürgern schmackhaft machen, sich E-Lastenräder, E-Dreiräder und Lastenanhänger zu kaufen oder zu leasen. Pro Rad werden pauschal 500 Euro beigesteuert, bei Anhängern ist der Betrag auf 100 Euro gedeckelt. Die Nachfrage nach Zuschüssen für E-Lastenräder sei jedoch vergleichsweise verhalten, resümiert die Pressesprecherin Sandra Hennig. Anders verhält es sich mit einem Angebot, das die Kommune ebenfalls in petto hat: Die Stadt hat selbst ein E-Lastenrad erworben, das über einen örtlichen Zweiradhändler an Privatpersonen und kleine Betriebe verliehen wird. Dieser Service werde sehr gut angenommen, konstatiert Hennig.

Buchungen für mehr als 100 Tage in Marbach

Ordentlich scheint auch der kostenlose Verleih des Lastenrads zu laufen, das die Stadt Marbach beschafft hat und das von der örtlichen Lastenradinitiative verwaltet wird. 70  Buchungen und 135 Buchungstage waren laut Bürgermeister Jan Trost für 2022 vermerkt. Im Jahr davor stehen 48 Buchungen bei 99 Buchungstagen in der Statistik. Allerdings gab es 2020 genau 68 Buchungen mit 118 Buchungstagen, also fast Zahlen wie aktuell, sodass die Tendenz eher in Richtung starker Auslastung geht. Zuschüsse für den Kauf der Transportgefährte zahlt die Stadt nicht.

Größtes Interesse von jungen Familien

Ganz im Gegensatz zu Bietigheim-Bissingen, wo bis zu 1000 Euro für ein E-Lastenrad, maximal 300 Euro für ein Lastenrad ohne Antriebshilfe und 100 Euro für einen Anhänger abgerufen werden können. „Seit 2020 wurden 14 E-Lastenräder und 19 Lastenanhänger gefördert. Zwei Förderanträge für E-Lastenräder sind in Bearbeitung“, berichtet die Pressesprecherin Anette Hochmuth. Antragsteller seien überwiegend junge Familien, die das E-Lastenrad oder den Anhänger „ anstelle des Zweitwagens für Einkäufe oder für Ausflüge in der Freizeit nutzen“.

In der Stadt tendenziell beliebter als auf dem Land

Fachleute erkennen auch ein Stadt-Land-Gefälle. In urbaneren Räumen sei die Nachfrage nach dem Lastenrad tendenziell größer, sagt Reiner Kolberg, Pressesprecher des Zweirad-Industrie-Verbands. Das liege auch an handfesten praktischen Erwägungen. „Angesichts deutlich gestiegener Mieten, höheren Energiepreisen und Parkproblemen ist das Lastenrad für viele eine sehr gute und vor allem preisgünstige Alternative zum Pkw“, erklärt er. Auf dem Land seien Entfernungen und die Infrastruktur entscheidende Faktoren für den Erfolg der Spezialräder.

Verband für Absenkung der Mehrwertsteuer

Verbesserungsbedarf sieht Kolberg im Hinblick auf die Förderarithmetik. Diese variiere von Kommune zu Kommune. Mancherorts gebe es zudem Zuschüsse, andernorts nicht. Dazu müssten unterschiedliche Auflagen erfüllt werden. Alleine wegen des bürokratischen Aufwands sei eine Vereinheitlichung wünschenswert. „Eine sehr einfach umzusetzende Lösung wäre, die Mehrwertsteuer auf umweltfreundliche Verkehrsmittel wie Fahrräder, Lastenräder, Anhänger et cetera abzusenken“, regt Kolberg an.

Schmale Radwege als Problem

Ferner müsste man aus seiner Sicht verkehrlich reagieren. Lastenräder ließen sich unter anderem nur schwer um Poller herum navigieren. „Sehr schmale Radwege sind auch ein Problem“, sagt Kolberg. Handlungsbedarf sieht man in der Hinsicht auch in Bietigheim-Bissingen. „Aufgrund seiner Größe und seines Wendekreises sind teils vorhandene Umlaufgitter, Engstellen und Poller nun vereinzelt Hindernisse, welche nach und nach zurückgebaut werden sollen, damit das Fahren mit Lastenrädern und Anhängern vereinfacht und damit insgesamt attraktiver wird“, erklärt Anette Hochmuth. „Des Weiteren sollten die bestehenden Zweirichtungsradwege entweder verbreitert oder das Fahren auf der Fahrbahn zum Beispiel mit Rad-Schutzstreifen sicherer gestaltet werden“, sagt die Pressesprecherin.

Immer präsenter auf den Straßen

Aufschwung
Das Lastenrad ist stark im Kommen. Laut aktuellsten Zahlen wurden 2021 rund 120 000 Modelle mit E-Antrieb verkauft und damit 42 000 mehr als im Jahr zuvor. Außerdem wurden 47 000 Lastenräder veräußert, die nur über die Kraft der Beine bewegt werden, was fast einer Verdoppelung im Vergleich zu 2020 entspricht.

Peanuts
All das sind freilich auf den gesamten Fahrradmarkt bezogen nur Peanuts. Hier machten Lastenräder 2021 bei den Verkaufszahlen lediglich ein Prozent aus. Einsamer Spitzenreiter sind E-Bikes mit 43 Prozent vor Trekkingrädern mit 23 Prozent. Innerhalb der E-Bikes nimmt der Anteil der verkauften Lastenräder jedoch zu, während E-Cityräder beispielsweise etwas schwächeln.

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