Stadtkind Stuttgart

Mode aus Stuttgart: Kipepeo-Clothing Ein Mode-Label, das eigentlich keines ist

Von Tanja Simoncev 

Der Stuttgarter Martin Kluck gründete das Mode-Label Kipepeo Clothing als Herzensprojekt und machte es damit zu seiner Lebensaufgabe, Schulkinder in Tansania zu unterstützen. Diesen Samstag lädt der 35-Jährige zu einem Winterfest der besonderen Art ein.

Martin Kluck in Arusha, Tansania. Er trägt ein Shirt seines Labels Kipepeo. Foto: Kipepeo 5 Bilder
Martin Kluck in Arusha, Tansania. Er trägt ein Shirt seines Labels Kipepeo. Foto: Kipepeo

Stuttgart - Kipepeo ist mehr als ein Mode-Label, es ist das Herzensprojekt von Martin Kluck. Der 35-Jährige, der in Stuttgart-Ost lebt, hat sich die fair-gehandelten Bio-Textilien mit Kinderzeichnungen zur Lebensaufgabe gemacht. Und bei so viel Herzblut und Leidenschaft verwundert es kaum, dass der Label-Gründer mit Preisen überhäuft wird - wie zuletzt mit dem Prestige-Preis "Deutschland - Land der Ideen". Um der Preisverleihung nun einen prestigeträchtigen Rahmen zu geben, veranstaltet Martin mit seinem Team diesen Samstag eine Weihnachtsfeier, die es in sich hat. "Ich dachte mir, warum nicht einfach mal eine coole Fete machen, wo alle zusammen kommen können, die uns in den letzten Jahren unterstützt haben."

Made in Tansania

Jetzt aber zurück zu Kipepeo (bedeutet "Schmetterling" auf Kiswahili). Was ist das eigentlich genau? Kurz zusammengefasst produziert, bedruckt und verkauft das Label fair-gehandelte Bio-Textilien – made in Tansania – deren Motive von Schulkindern aus Tansania gestaltet wurden. Mit den Verkaufserlösen unterstützt Kipepeo die Schulen, an denen die jeweiligen Motive entstanden sind - durch die Bezahlung von Schulgebühren sowie dem Bau neuer Schulgebäude oder auch Computerräume.

Doch um Martins Geschichte von Grund auf zu verstehen, muss man viel weiter zurück in die Vergangenheit reisen. Vor rund zehn Jahren hatte der damals 25-Jährige einen Job im Baustoff-Großhandel, der ihn anödete und parallel auf dem zweiten Bildungsweg BWL studiert - er war zu diesem Zeitpunkt völlig ausgebrannt. “Da war kaum Zeit, den Dingen nachzukommen, die einem als Mensch persönlich einfach wichtig sind und deshalb wollte ich unbedingt eine Auszeit nehmen”, berichtet er. Über einen Freund bekam er die Chance im Rahmen eines Pilotprojekts nach Tansania zu fliegen und Martin überlegte nicht lang: "Es gibt den Kilimanjaro, der König der Löwen spielt dort und Freddie Mercury kommt da her. Das sind drei ziemlich coole Attribute, die für Tansania sprechen – also nichts wie hin.”

In Ost-Afrika angekommen, lief aber erstmal alles anders als erwartet. Der gebürtige Sindelfinger sollte zunächst in einem Kindergarten arbeiten, landete aber über Umwege als Aushilfslehrer an einer Schule. Dort zeichnete er auch gern mal Porträts von den Kids in sein Tagebuch, um seine Reise zu dokumentieren. Das Büchlein hatten ihm die Kinder jedoch immer wieder weggeschnappt, um selbst irgendwelche Bilder, unter anderem einen Schmetterling und das Wort Kipepeo, hinein zu malen, was später noch eine große Bedeutung für das Label haben sollte und als Vorlage für das Firmenlogo dienen würde.

Alles andere als eine Schnapsidee

Und dann gab es da noch Abigail, ein junges Mädchen, das den Sunnyboy tief beeindruckte. Ihre Eltern konnten sich die Schulgebühren nicht mehr leisten und Martin überlegte wie er ihr helfen konnte. Entscheidend: Beim Abschied hatte ihm die Kleine einen Brief mit "I love you" in die Hand gedrückt. Davon tief berührt und zurück in Deutschland ließ sich der Lebenskünstler die Zeichnung auf ein Shirt drucken. Und so nahm alles seinen Lauf. Freunde wollten das Shirt kaufen und Mr. Kluck befand eines Abends leicht angesäuselt: "Okay, ich gründe jetzt ein Mode-Label." Wie sich später herausstellten sollte, war das alles andere als eine Schnapsidee.

Der Grund Kipepeo zu gründen, war also aus der Idee geboren, die Schulgebühren für Abigail bezahlen zu können. "Ich hatte ja nie vor etwas mit Textilien zu machen", betont Martin heute. Dann kamen immer mehr Zeichnungen dazu, immer mehr Kinder konnten unterstützt werden. "Für mich war das einfach abenteuerlich und aufregend. Wie funktioniert das? Kann diese Botschaft über ein T-Shirt transportiert und kommuniziert werden? Und was steckt denn eigentlich noch dahinter. Toll, wie sich das alles entwickelt hat." Martin verkaufte viele Shirts im Freundes- und Bekanntenkreis, gewann schnell Pitches und Preisgelder. Doch dann kam ihm der Gedanke: Wie sieht's eigentlich mit der Herkunft der Textilien aus? Schließlich sei man ja ein nachhaltiges Projekt, das Kinder in Tansania unterstütze.

Nachhaltig, fair, transparent

Beim letzten Besuch in Tansania drehten Martin und sein Team eine Dokumentation, um zu zeigen, welchen Produktionskreislauf ihre Textilien durchwandern. Die Modeindustrie sei in den vergangenen Jahren nur mit negativer Presse in den Schlagzeilen gewesen, die Zustände seien unfair, von unbezahlten Nähern, Kinderarbeit, einstürzenden Gebäuden sei die Rede. "Es ist natürlich sehr wichtig, dass auf diese Umstände aufmerksam gemacht wird, aber man sollte auch die postiven Beispiele zeigen - und Tansania ist eben so ein positives Beispiel, es ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen, das all die Produktionsschritte unter einem Dach vereint, die für die Textilindustrie nötig sind." Mit der Doku wolle man den Leuten da draußen eben auch zeigen. "Schaut mal, es ist möglich, in Ost-Afrika qualitativ hochwertige Textilien mit komplett transparenter Produktion herzustellen, es funktioniert, traut euch einfach."

Hier gibt's ein paar witzige Outtakes zu sehen:

In dem Job, den Martin vorher ausübte, habe er viel mehr Geld verdient.

“Doch mir ist viel wichtiger, Zeit zu haben und sie mit den Leuten zu verbringen, die ich mag. Ich liebe das, was ich tue – jeden Tag. Kipepeo ist das Beste, was mir je passiert ist.”

Natürlich habe man trotz der Ups auch immer wieder seine Downs, unter anderem fließt das Geld, das der 35-Jährige verdient, zu 100 Prozent in das Label zurück. "Es ist mit Sicherheit ein Herzensprojekt, aber es ist eben auch unfassbar anstrengend da Monat für Monat Gas zu geben. Deshalb freue ich mich jetzt einfach mal auf die Weihnachtsfeier." Und eine Woche später würde "noch etwas Großartiges" passieren. "Da wir ja Kooperationspartner vom Jane-Goodall-Institut in Deutschland sind und Jane am 8. Dezember in Stuttgart ist, werden wir dort und bei zwei weiteren Terminen dabei sein und unsere T-Shirts verkaufen. Zu diesem Anlass wird es speziell eine Jane-Goodall-Kollektion geben. "Es ist halt Jane Goodall - das ist schon verrückt", findet Martin. Wer sie nicht kennt: Jane Goodall ist eine britische Verhaltensforscherin, die 1960 begann, das Verhalten von Schimpansen im Gombe-Stream-Nationalpark in Tansania zu untersuchen.

Und für das neue Jahr habe man angedacht Kipepeo als Label neu zu vermarkten. "Obwohl ich nicht finde, dass Kipepeo im eigentlichen Sinne ein Mode-Label ist, es ist ja kein modisches Label und nicht unbedingt hip", so Martin. Trotzdem oder gerade deshalb sei es schwierig, das Label erfolgreich zu vermarkten. "Wir haben nun ein paar neue Konzepte ausgearbeitet, die wir 2017 angehen wollen."

Hier gibt's mehr Infos zu Kipepeo-Clothing.