Mode In Denim durch den Sommer

Jeans geht immer – egal ob schick oder sportlich Foto: fotolia
Jeans geht immer – egal ob schick oder sportlich Foto: fotolia

Jeans sind wieder hochaktuell und kommen in vielen Variationen und Formen daher

Stuttgart - Ein Hauch von Auflehnung haftet der ehemaligen Arbeitshose für Goldgräber und Bergarbeiter immer noch an. Natürlich lösen sie keine Familiendramen mehr aus wie vor Jahrzehnten, als die ersten Levi’s aus den USA kamen und Halbwüchsige dafür Heim und Erbe riskierten: „So lange Du Deine Füße unter meinen Tisch steckst…“

Ein Freund hat seinen Jeans für immer abgeschworen, nachdem sein Vater, einer von genau dieser autoritären Sorte, im Pensionsalter plötzlich selbst den lässigen Macker in Jeans markierte. Da war der Anreiz dahin, die Message des Textils endgültig obsolet und gegenstandslos geworden. Denn die Blauen sind heute gesellschaftsfähig, wenn auch nicht für jedes Business tauglich und in vielen Büros höchstens zusammen mit einem Jackett am Casual Friday, zur Einstimmung ins Wochenende, gestattet.

Europäer haben im Schnitt fünf Jeans im Schrank

1995 ergab eine Umfrage, dass Europäer und Amerikaner im Durchschnitt fünf dieser Hosen im Kleiderschrank haben. Die Zahl müsste sich mittlerweile auf mindestens sieben wenn nicht noch mehr erhöht haben. Man kann sich bei der riesigen Auswahl an Formen und Schnitten ja nicht nur für eine entscheiden. Welche ist denn der Hit bei den Kunden, als obercool bei den Hipstern angesagt? Für die Antwort braucht man nur einmal über die Königstraße zu laufen oder mit der Stadtbahn zu fahren: Für die junge Kundschaft müssen es jene mit den Spuren übler Zerstörung und Verwüstung sein, die mit den Rissen und Schnitten, aus denen die Fäden heraushängen und das Knie heraus-guckt. Da ist er doch wieder, der Protest: Gegen die Konvention, dass man nie mit zerrissenen Sachen rumlaufen dürfe. Arm, aber reinlich.

Weder kann von Armut im Zusammenhang mit dieser Mode die Rede sein noch darf man die altersmäßige Einordnung so eng sehen: Kaputt gemachte (destroyed) Jeans der Label Dsquared2 und Rag&Bone verkauft Winni Klenk in seiner Boutique durchaus an Herren und Damen in den Dreißigern. Die investieren dafür auch gern ein paar grüne Scheine. Und den Kunden, der eine Diesel-Jeans für sage und schreibe 999 Euro gekauft hat, schätzt der Verkäufer Serkan Dogu in der Yeanshalle auf „Anfang 30“. Dafür waren die Risse bei diesem Modell aus einer limitierten Edition- „die gibt es nur 978 Mal auf der ganzen Welt“ – besonders kunstvoll geflickt.

Frauen stehen auf die hautengen Skinny Jeans

Zum Feindbild haben sich die offenbar die Skinny Jeans für die restliche Modebranche entwickelt: Die Kundinnen seien aus ihren Röhren nicht mehr rauszukriegen und sie bleibe auf ihren Kleidern und Röcken sitzen. „Stimmt, die verkaufen sich sehr gut“, bestätigt Jennifer Fuchslocher, Leiterin der Damenabteilung der Yeanshalle – das Ypsilon ist das Firmenlogo – in der Tübinger Straße. Vielleicht aufgrund einer gewissen Illusion? „Die Skinny-Jeans halten sich so hartnäckig, weil die meisten glauben, dass sie Frauen jeden Alters und auch jeder Figur gut stehen“, sagt dazu ein Einzelhandelsexperte spöttisch. Ein Ende dieses Trends, abgeleitet von den Leggins, ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Unter der Bezeichnung „Jeggins“ droht weitere hartnäckige Konkurrenz. „Das Geheimnis“, so Serkan Dogu, „ist der Stretchanteil in allen Jeans: Er macht sie bequem, egal, ob eng oder weit geschnitten.“ Und unter den langen Shirts und Pullovern, die drüber getragen werden, lässt sich locker jedes Röllchen verstecken.

Lust auf noch mehr Bequemlichkeit? Dann sind die Boyfriend-Jeans richtig, die sich laut Jennifer Fuchslocher auch wieder großer Beliebtheit erfreuen: Ein bisschen oversized, weil sie ja angeblich aus dem Kleiderschrank des Liebsten stammen. Man muss beim Einkauf seiner Jeans schon die richtige Terminologie draufhaben, um sich nicht zu blamieren: Die guten alten Schlaghosen, mit dem Comeback des Hippie-Looks zurückgekehrt, heißen heute Boot Cut, weil Cowboystiefel unter die weiten Hosenbeine passen. Aber man kann, belehrt uns Serkan, auch Loose dazu sagen. Aha. Und „Tapered“ ist der Fachausdruck für jene Form, die einmal als Karotte populär war: Am Oberschenkel weit geschnitten und sich nach unten verjüngend. Über Modelle der Kategorie High-Waist wiederum freuen sich alle, die mit dem knapp über der Hüfte hängenden Hosenbund nie glücklich wurden. Was auch immer die Designer zum Umdenken gebracht hat: Der Bund sitzt wieder öfter in der Taille. Nur die Latzhose heißt immer noch so. Aber der Overall ist stylischer.

Erfinder war ein Auswanderer aus Franken: Levi Strauss

Alles schon mal da gewesen. Nichts Neues am blauen Horizont? Gewiss doch: An der Culotte, den in Wadenhöhe abgeschnittenen und ausgestellten Beinkleidern, sind auch die Jeans-Schneider nicht vorbei gekommen. Dass Jeans wie kein anderes Kleidungsstück ins wirkliche Leben passen, beweist der neueste Schrei: Hosen, die aussehen, als hätte man unten die Säume heraus-gelassen oder angestückelt. Eine Anleihe aus dem Alltag einer kinderreichen Familie.

Die strapazierfähigen blauen Arbeitshosen aus dem Stoff Serge de Nîmes, später zu Denim verkürzt, sind bekanntlich 1890 erstmals von Levi Strauss hergestellt worden. Der Auswanderer aus Franken betrieb in Los Angeles eine Hosenmanufaktur. Seine Levi’s 501 war das Ur-Modell aller weiteren Jeans. Und es gibt sie immer noch. Straight und mit Knöpfen statt Reißverschluss. Für Traditionsbewusste, die auf alle Trends pfeifen und sich neue Hosen kaufen, wenn die alte zerrissen ist.




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