Modellbaufirma im Strohgäu Die Zukunft beginnt in Gerlingen

Druckbar ist vieles: Geschäftsführer Niko Kurz in seinem Unternehmen in Gerlingen Foto: Simon Granville

Sie haben die Pandamaske von Cro entworfen, realisieren Prototypen für die Automobilindustrie und Zahnbürsten von morgen: Die Produkte des Gerlinger Unternehmens Modellbau Kurz kennt jeder. Die Macher sind, trotz ihres markanten Firmensitzes, weniger sichtbar.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Das hohe Gebäude prägt den Ortseingang von Gerlingen. Wer sich aus dem Westen der Stadt am Fuße der Solitude nähert, fährt an dem Unternehmenssitz von Kurz vorbei. Dessen Logo auf dem Dach des Gebäudes leuchtet weithin bei Dunkelheit – zeitweise war es so hell, dass der Gemeinderat das Unternehmen darum bat, man möge doch bitte dimmen.

 

Vor kurzem war der Stadtmarketingverein „Mein Gerlingen“ dort zu Gast, zum gegenseitigen Austausch, aber eben auch, um sich zu informieren. Denn so markant der Bau auch ist: Draußen ist wenig darüber bekannt, was das Unternehmen macht. Wenige werden bei dem Firmennamen „Modellbau Kurz“ an Prototypen oder Messepräsentation denken. Darin liege auch eine Besonderheit für das Unternehmen selbst, macht Geschäftsführer Niko Kurz deutlich. Eben weil es sich häufig um Prototypen handle, dürfe in der Regel weder mit dem produzierten Modell noch mit Namen von Kunden geworben werden. Genau das macht aber für Niko Kurz den Reiz der Tätigkeit aus: „Man ist der Zeit voraus. Man weiß, was in vier Jahren auf den Markt kommen soll.“

Schwerpunkt der Tätigkeit in der Automobil- und Zulieferindustrie

Manche Idee verschwindet zwar wieder, ehe sie marktreif ist. „Aber man gewinnt einen größeren Einblick in die Entwicklung von verschiedenen Bereichen und sieht, was mal werden soll“, sagt der 32-Jährige. Neue Zahnbürsten, Orthesen, Greifer für Automatisierungsanlagen gehören zu den Produkten, die in Gerlingen entstanden sind.

Schwerpunkte des Unternehmens liegen in der Automobil- und Zulieferindustrie. Aber auch die Pandamaske des Musikers Cro hat ihren Ursprung bei Kurz in Gerlingen. Für Bosch oder den Kosmosverlag stellte das Unternehmen in der Vergangenheit ebenso Prototypen und Modelle her wie einen Wasserfarbenkasten. Heute zählen BMW, Mercedes und VW zu den Kunden.

Die Firma ist in der Medizintechnik tätig. Foto: Simon Granville

Das Design – Form und Farbe – erhält das Unternehmen meist zuvor. „Wir gestalten manchmal mit“, sagt Kurz. Etwa dann, wenn es Probleme in der Konstruktion des gewünschten Designs gibt. Aber in der Regel werde nach den Daten des Auftraggebers produziert. Bei allem, was Kurz fertigt, sehe sich das Unternehmen als Dienstleister und Entwicklungspartner der Auftraggeber, sagt der Geschäftsführer. Bis zu 10 000 Teile gelten noch als Kleinserie. Diese produziert Kurz ebenso selbst wie die bis zu hundert Stück im Prototypenbereich.

Familie und Firma Kurz sind ursprünglich in Leonberg-Höfingen beheimatet. Die Firma blieb lange in Leonberg, erweiterte im Jahr 2008 auf drei Standorte. 2013, im Jahr des 40-jährigen Bestehens, wurde dann in Gerlingen ein neuer und deutlich größerer Stammsitz gebaut. Leonberg hatte dem inzwischen weltweit agierenden Unternehmen keine Erweiterungsfläche mehr geboten, was der Verwaltung Kritik aus der Kommunalpolitik einbrachte. Gerlingen hingegen bereitete dem Unternehmen am Ortseingang den Boden.

Demo-Center für Technologieunternehmen HP

30 Mitarbeiter waren es in Höfingen gewesen. Wesentlich mehr sind es heute in Gerlingen. Gleichwohl ist das Unternehmen – wie viele andere auch – weiterhin auf der Suche nach Arbeitskräften. Dabei sei entscheidend, dass der Mitarbeiter lernwillig und motiviert sei, macht Niko Kurz deutlich. In der fachlichen Breite seien inzwischen viele Mitarbeiter, die im Unternehmen zu Spezialisten geworden seien. Sie ließen sich nicht einfach austauschen, so Kurz. Er macht damit auch deutlich, welche Bedeutung die Mitarbeiter für das Unternehmen haben, das traditionelles Handwerk mit Innovation verbindet: Die Werkbank hat dort ebenso ihren Platz wie der 3 D-Drucker.

Das Unternehmen selbst sieht sich als „Innovationsführer und Entwicklungstreiber“. 2017 begann eine Kooperation mit dem Technologieunternehmen HP: Die Firma Kurz wurde zu einem Demo-Center für eine neue HP-Technologie: ein pulverbasiertes 3 D-Druckverfahren. 15 verschiedene 3 D-Druckverfahren gebe es, vier davon würden bei Kurz angewandt.

Der Firmensitz in Gerlingen Foto: Simon Granville

In der Branche des Modellbaus bleibt den Mitarbeitern oft wenig Zeit, um einen Auftrag auszuführen. Zwischen der endgültigen Entscheidung beim Auftraggeber und der Messe, auf der die Produktneuheit präsentiert werden soll, muss das Produkt fertig werden. Selbst der 3 D-Druck macht es nicht immer einfacher: Je nachdem braucht der Druck zwar nur 14 Stunden. Bis das Produkt abgekühlt ist, vergehen aber zwei Tage.

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