Die Oeffinger Feldkapelle Heilig Kreuz ist eines der Highlights im Miniaturland von Klaus Riedele. Um sie nachzubauen, hat er das Kirchlein genau vermessen. Foto: Gottfried Stoppel
Begonnen hat alles mit einer Märklin H0. Heute hat der Bastler Klaus Riedele 180 Meter Schienen für seine Modelleisenbahn-Landschaft verlegt. Darin eingebettet: markante Gebäude aus Fellbach und Oeffingen im Maßstab 1:87. Eine kleine Rundfahrt.
Zwei Birken stehen vor der kleinen Kapelle, zu deren Eingang die Treppenstufen führen – und wer auf dem Besinnungsweg in Oeffingen unterwegs war, der erkennt die Ähnlichkeit mit dem Bau aus verputzten Bruchsteinen mit Satteldach und kleinen Rundfenstern in natura. „Die beiden Birken sind dort früher gestanden“, sagt Klaus Riedele, „heute wachsen dort andere Bäume“. In seiner Miniaturlandschaft hat die Kapelle „Heilig Kreuz“ in Oeffingen einen Platz erhalten. Klaus Riedele ist damals extra rausgefahren an den Feldweg nach Waiblingen und hat die Kapelle genau vermessen, wie er erzählt. Denn es soll schon korrekt abgebildet sein – alles im Maßstab 1:87. Die Feldkirche ist ein Element seiner Modelleisenbahn-Landschaft, die er in einem eigenen Zimmer in seinem Haus im Fellbacher Oberdorf geschaffen hat.
Das eigene Wohnhaus im Fellbacher Oberdorf steht auf der Anlage
In diesem Fachwerkhaus leben die Riedeles. Foto: Gottfried Stoppel
Auch sein eigenes Haus, das markante Fachwerkhaus in der Grabenstraße hat der Modelleisenbahn-Bastler in aufwendiger Kleinarbeit en minature erstellt. „Mit der Pinzette und Geduld“, sagt Klaus Riedele gut gelaunt. Viele Details verraten, was den Riedeles am Herzen liegt. Seine Frau Gudrun und er sind die beiden Radfahrer, die vor dem Häuschen zu sehen sind. Und auch der rote Mini seiner Frau ist vor dem Haus geparkt.
Auch der Oeffinger Radtreff strampelt den Berg hoch
Hier ist der Oeffinger Radtreff dargestellt. /Gottfried Stoppel
Neben seiner Leidenschaft für die Modelleisenbahn ist Klaus Riedele begeisterter Radfahrer wie seine Frau. Das spiegelt sich auch in einer Szene wider: In einem Teil der Landschaft strampelt der frühere Radtreff, mit dem die Riedeles unterwegs waren, einen Berg hoch.
Insgesamt gibt es rund 180 Meter Schienen, Autos, Lastwagen rollen mit Magnettechnik neben den Schienen entlang und in der selbst gebauten Schaltzentrale werden Weichen gestellt und die Schienen unter Strom gesetzt. Angefangen hat sein Hobby mit einer Märklin H0, die er damals von seinem Vater bekommen hatte.
Klaus Riedele liebt das Bauen und Konstruieren, der Mechanikermeister sucht sich immer neue Herausforderungen. So hat er auch sein Elternhaus in der Oeffinger Lorscherstraße, wie er es aus Kindheitstagen kannte, nachgebaut. Man merkt, die Verbundenheit zu Oeffingen ist nach wie vor da.
Hier steigt Rauch aus dem brennenden Haus auf, dort wird Rasen gemäht
Es gibt viele Szenen, an denen das Auge hängenbleibt. Etwa der Feuerwehreinsatz an dem brennenden Haus, aus dem der Rauch aufsteigt, aber auch Details wie der Mann, der am Rand der Strecke Rasen mäht. Die Lokschuppen, der stattliche Hauptbahnhof, das Gasthaus mit dem schönen Fachwerk und Häuser mit grünen Fensterläden sind Hingucker – alles Teile der Miniaturwelt. Hochhäuser oder gar Mehrzweckhallen wie im echten Leben sind in der Modelleisenbahnwelt weniger vertreten. „Modellbahner wollen Romantik“, sagt Klaus Riedele.
Zugverbindungen aus vergangenen Zeiten Foto: Eva Schäfer
Die Zuglaufschilder, die die Wände schmücken, hat er von seinem Schwager bekommen, der bei der Bahn gearbeitet hat. Sie zeugen von Zügen, die es längst nicht mehr gibt. Zum Beispiel der Autoreisezug Karlsruhe-Durlach-Lörrach oder der Autoreisezug nach Narbonne. Klaus Riedele schätzt nicht nur Loks und Züge im Kleinformat, sondern auch im echten Leben. „Ich fahre gerne Zug, ich kann dann entspannen und habe keinen Stress auf der Autobahn“, sagt er. Kürzlich sei er mit seiner Frau mit dem Zug in Italien, unter anderem in Rom, Florenz und Mailand gewesen. Doch als passionierter Bahnreisender weiß er auch, dass es leider nicht immer rund läuft. „Neulich waren die Rolltreppen im Stuttgarter Hauptbahnhof ausgefallen und wir hatten unser ganzes Gepäck zu schleppen“, erzählt er. Zum Glück sei dann ein freundlicher Passant zu Hilfe gekommen und hätte tatkräftig angepackt.
Das „rote Haus“ von Timm Ulrichs ist nachgebaut
Foto: Eva Schäfer
Natürlich kennt er das Modelleisenbahngeschäft Schweickhardt in Waiblingen-Beinstein, das er immer wieder besuche. Seine Anlage auf digitale Technik umzurüsten, das habe er aber nicht vor. Freude macht ihm die Anlage auf jeden Fall. Maßstabsgetreu steht beispielsweise auch ein Kunstwerk des Oeffinger Besinnungsweg am Rand einer Brücke in seiner Landschaft. Das „rote Haus“ von Timm Ulrichs ist seit 2010 eine Station unter dem Titel „Kind sein/Kreativität“auf dem Besinnungsweg in Oeffingen. „Das Kunstwerk hat mir schon immer gefallen“, sagt Klaus Riedele. Der Weg wird vom 1999 gegründeten Förderverein Besinnungsweg Fellbach getragen und betreut, dort werden auch Führungen geboten.