Moderatoren Joko & Klaas Anarchie ist machbar, Herr Nachbar!

Mit Melone in der Hand und auf der Birne: Klaas Heufer-Umlauf (links) und Joko Winterscheidt in ihrem „Circus Halligalli“ auf Pro Sieben Foto: Pro Sieben
Mit Melone in der Hand und auf der Birne: Klaas Heufer-Umlauf (links) und Joko Winterscheidt in ihrem „Circus Halligalli“ auf Pro Sieben Foto: Pro Sieben

Am Freitagabend werden in Marl zum fünfzigsten Mal die Grimme-Preise vergeben, die wichtigsten Auszeichnungen des deutschen Fernsehens. Unter den Siegern: Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die als Joko & Klaas im „Circus Halligalli“ die TV-Unterhaltung verjüngt und aufgepeppt haben.

Stuttgart – - Sie sind die Entertainer der Stunde: Für ihre Late-Night-Show „Circus Halligalli“, die montags auf Pro Sieben läuft, erhalten Joko & Klaas heute Abend einen Grimme-Preis. Die Show sei „die witzigste Wundertüte der deutschen Fernsehunterhaltung: weil es Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf immer wieder gelingt, das Publikum und offenbar auch sich selbst zu verblüffen“, so die Begründung der Jury. Diese Worte gingen dem Duo „runter wie Öl“.
Joko & Klaas, Sie beide waren jetzt zum dritten Mal für den Grimme-Preis nominiert. Wurde es Zeit, dass Sie ihn endlich auch bekommen haben?
Klaas Das wär ja frech, so etwas zu erwarten, so bin ich nicht erzogen worden. Wir haben es schon als Ehre empfunden, nominiert zu sein, und wirklich nicht mit dem Preis gerechnet.
Joko Mal ganz ehrlich: als mich das Grimme-Institut angerufen hat, war ich überzeugt, da nimmt mich mit der Preis-Mitteilung ­jemand auf den Arm. Die Preisbegründung ist uns runtergegangen wie Öl, die dürfen wir unserem Team auf keinen Fall zeigen, sonst will jeder von denen einen eigenen Fahrer.
Sie gehören jetzt zum Olymp des Fernsehens. Eigentlich müssten Sie nun aufhören. Oder werden Sie endlich erwachsen?
Klaas Um Gottes Willen, nein! Ich denke, wir haben den Preis bekommen, gerade weil wir nicht erwachsen sind, auch wenn uns die Jury eine gewisse Entwicklung attestiert, die wir selbst gar nicht spüren. Ich wünsche mir, dass wir noch lange Formate machen können, die mit uns wachsen. Das geht bei der Art Fernsehen, das wir veranstalten, ja auch recht gut.
Also gemeinsam mit dem Kollegen Joko Winterscheidt?
Klaas Mit dem gleichen Team – und wenn’s sein muss, auch mit Joko.
In der Preisbegründung heißt es, Sie seien die letzten Anarchisten im deutschen Fernsehen. Sehen Sie sich auch so?
Klaas Ich sehe mich gar nicht so, aber es gibt unangenehmere Prädikate.
Joko Da muss ich Dir ausnahmsweise zustimmen. Im Normalfall sind unsere Ansichten von guter Unterhaltung eigentlich unvereinbar. Trotzdem finden wir immer wieder eine Schnittmenge. Das macht uns als Team so einzigartig und unterscheidet uns von vielen anderen. Anarchie trifft insofern zu, als die Sendung oft auch für uns selbst unberechenbar ist: Wir haben Dienstagmorgen noch keine Ahnung, wie die nächste Ausgabe aussehen wird. Außerdem lässt uns der Sender freie Hand, das ist ein unschätzbares Privileg.
Sie schrecken nicht davor zurück, die Pro-Sieben-Nachrichten zu unterbrechen oder ein Rockkonzert zu sprengen. Gibt es Grenzen, die Sie nicht überschreiten würden?
Klaas Bei allem Respekt vor der Pro-Sieben-Newstime: wir haben die Anmoderation eines Beitrags zum „Tag des Butterbrots“ etwas aufgefrischt, das halte ich für vertretbar, da regt sich mein ethisches Gewissen noch nicht. Aber wir würden zum Beispiel keinen Quatsch mit der Krim-Krise treiben, da hört der Spaß auf.
In jeder Ausgabe von „Circus Halligalli“ läuft ein Countdown – und bei Null passiert irgendwas Unvorhergesehenes. Ist Ihre Überraschtheit echt?
Joko Da sind wir Ehrenmänner: Wir haben keine Ahnung, was auf uns zukommt. Sonst würde es nicht funktionieren. Mittlerweile halten wir uns allerdings immer die Ohren zu, weil es auf jeden Fall laut wird und es sein kann, dass klebrige Flüssigkeiten im Spiel sind, die tagelang alle ungeschützten Körperöffnungen verstopfen.
Sie treiben immer wieder groben Unfug mit prominenten Gästen. Wie gelingt es Ihnen, Menschen wie Jared Leto oder Matthias Schweighöfer dazu zu überreden?
Klaas Ganz einfach: Sie verstehen, dass man bei uns Sachen machen kann, die es im Fernsehen sonst nicht gibt, ohne dabei Schaden zu nehmen. In Deutschland hat man große Angst davor, sich der Lächerlichkeit preiszugeben, aber wir achten immer darauf, dass wir am Ende den größeren Schaden nehmen.
Gibt’s Pläne für einen Streich während der Grimme-Preisverleihung?
Klaas Ich weiß, dass den Verantwortlichen die Angst im Nacken sitzt, aber ich kann alle beruhigen: Wir werden heute Abend demütig mit dem kleinsten Hut, den wir finden können, auf die Bühne kommen.




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