Möbelhaus-Chef Frank Hofmeister „XXX Lutz drängt massiv in die Region“

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Der Möbelmarkt ist heiß umkämpft, die großen Ketten machen kleinen Familienunternehmen das Leben schwer. Hofmeister in Bietigheim-Bissingen kann sich halten – der Geschäftsführer verrät, wie.

Frank Hofmeister führt das Familienunternehmen in vierter Generation – und nimmt den Kampf mit den großen, bundesweiten  Möbelketten auf. Foto: factum/Granville 7 Bilder
Frank Hofmeister führt das Familienunternehmen in vierter Generation – und nimmt den Kampf mit den großen, bundesweiten Möbelketten auf. Foto: factum/Granville

Bietigheim-Bissingen - Marken wie der Küchenhersteller Alno, Gamerdinger oder Möbel Mammut sind verschwunden, die Kette XXX Lutz wird in der Region immer präsenter, der Onlinehandel floriert. In diesem Umfeld behauptet sich Möbel Hofmeister mit den Häusern in Sindelfingen und Bietigheim-Bissingen – und setzt auf eine gut geregelte Familiennachfolge.

Herr Hofmeister, warum sind Sie noch da, während andere verschwunden sind?
Der Wettbewerb ist sicherlich eine Herausforderung. Wir sind Marktführer in der Region, das verschwindet nicht über Nacht, aber das Konsumverhalten ändert sich. Wir haben interne Veränderungsprozesse angestoßen, das ist nicht immer leicht. Ganz entscheidend ist dabei die Firmennachfolge – viele haben das nicht geschafft.
Wie ist es bei Ihnen gelungen?
Wir haben 2007 die Struktur verändert: Es gibt klare Regeln, was die Menge der Gesellschafter angeht. Es sind und bleiben zwei Gesellschafter. Je mehr sich die Runde zersplittert in unterschiedliche Interessen und Partner, desto schwieriger wird es.
Die Nachfolge in der fünften Generation ist auch schon geregelt?
Es gibt zwei Kinder im Unternehmen, mein Sohn Carl Friedrich Hofmeister (22) und David Döller (23), der Sohn von Ute Hofmeister. Sie machen das auch aus freiem Willen heraus, anders als bei mir damals ...
Tatsächlich? Sie mussten also zwangsweise die Nachfolge Ihres Vaters antreten?
(lacht) Das wurde einfach nie in Frage gestellt. Man hat den Rasen gemäht, die Lastwagen gewaschen und irgendwann die Geschäftsleitung übernommen.
Mit einer geregelten Nachfolge allein kann das Unternehmen aber gegen Billigkonkurrenz und Onlinehandel nicht bestehen, oder?
Nein, wichtig ist ein moderates, qualitatives Wachstum, um fixe Kosten zu verteilen, höhere Einkaufsrabatte zu erhalten und die Wahrnehmung der Marke beim Kunden zu verbessern. Wir sind im Vergleich zu den anderen eher der David als der Goliath, sind aber schnell und flexibel. Wir kaufen moderat dazu, wie Möbel Borst in Ehingen/Donau die Küchenfachmärkte in Stuttgart und Heilbronn, Pforzheim folgt noch.
Mit wem stehen Sie konkret im Wettbewerb? Wie ist die Marktlage in der Region?
Der Hauptkonkurrent ist die Kette XXX Lutz – dessen Geschäftsmodell besteht darin, nicht mehr funktionierende, etablierte Möbelhäuser aufzukaufen. Die Region Stuttgart hat bundesweit die höchste Konzentration von XXX-Lutz-Häusern in Heilbronn, Ludwigsburg, Fellbach, Stuttgart, Böblingen und Pforzheim, dazu kommen aus dem selben Haus die Mömax- und Poco-Märkte. Außer Möbel Rieger aus Göppingen gibt es kein familiengeführtes Unternehmen in dieser Größenordnung in der Region.
Wo bleibt da Ihre Nische?
Der Kunde kann sich nur wünschen, dass es Wettbewerb gibt. In Monokulturen erhöht sich nur eins: der Preis. Wir setzen auf ein optimales Preis-Leistungsverhältnis, hohe Beratungsqualität, eigene Schreiner als Auslieferer statt Subunternehmer. Zudem soll das Einkaufen zum Erlebnis werden, mit Events und Gastronomie, um dort als Familie ein Wochenende zu verbringen. Zudem setzen wir auf Ausbildung eigener Fachkräfte, wir haben derzeit 150 Azubis in 14 Berufen in unserem Unternehmen.
Sie haben 2013 in Sindelfingen ein großes Haus eröffnet – war das ein Risiko?
Die Ausdehnung nach Süden war eine strategisch wichtige Entscheidung. Das gestaltete sich anfangs schwierig, weil wir anders als in Bietigheim keinen hohen Bekanntheitsgrad hatten. Noch immer kennen nur 20 Prozent in der Region Sindelfingen unsere Marke – daher halten wir mit Events dagegen, im Juni kommen etwa der Sänger Milow, die Münchner Freiheit und der TV-Koch Nelson Müller.
Dass der lokale Platzhirsch Möbel Gamerdinger in Böblingen aufgegeben hat, war sicherlich hilfreich, oder?
Ja, das war es und es hilft uns immer noch. Wir hatten in Sindelfingen zu kämpfen, schreiben aber schwarze Zahlen und haben dem Umsatz stetig gesteigert. Ein Großteil der Kunden ist uns von Leonberg nach Sindelfingen gefolgt.
. . . weil der große Hofmeister-Markt in Leonberg 2016 geschlossen wurde, nur sieben Jahre nach der Übernahme . . .
Der dortige Standort hatte eine schwierige Vorgeschichte, das Haus gehörte erst Mutschler, dann der Firma Walter und der bundesweit zweitgrößten Kette Höffner. Wir haben den Mietvertrag 2009 übernommen und 2016 auslaufen lassen. Es gab kein eigenes Lager, die Technik war aus der Steinzeit, und das Gebäude besitzt ein Fonds in Luxemburg. Dieser verlangte eine hohe Miete, wollte aber wenig investieren.
Wie wird in Bietigheim investiert?
Wir planen eine große Erweiterung um ein Gartencenter und Zoofachmarkt. Dazu wird der Haupteingang auf die Vorderseite verlegt. Auch hier geht der Trend zu mehr Events und Erlebniseinkauf.
Wie wollen Sie junge Kunden ansprechen?
Derzeit liegt der Online-Anteil im Möbelgeschäft bei acht Prozent, doch die Segmente verschieben sich. Wir haben eine eigene Gesellschaft gegründet und werden einen Online-Shop eröffnen.
Welche Rolle spielen die Ikea-Märkte in Ludwigsburg und Sindelfingen?
Am liebsten wäre es uns, wenn Ikea direkt neben unserem Haus angesiedelt wäre. Das führt uns ohne Werbung Kunden aus einem weiten Umkreis zu, gerade mit unseren jungen Marke Trendy gibt es da einen regen Kundenaustausch. Zwei Strandkörbe nebeneinander locken eben mehr als einer.

Möbel Hofmeister
Das Unternehmen hat 1882 Karl Hofmeister in Kirchheim/Neckar als Schreinerei gegründet, 1972 zog die Firma mit Eröffnung des Möbelhauses in Bietigheim-Bissingen um, das heute 50 000 Quadratmeter Verkaufsfläche hat. 1984 entstand die junge Marke Trendy – auch in Konkurrenz zu Ikea. Hofmeister beschäftigt 1200 Mitarbeiter.

Frank Hofmeister Geboren ist er 1961, nach dem Studium Wirtschaftswissenschaften in Bamberg begann er in einem Industriebetrieb und trat 1988 bei Hofmeister seinen Job an. Er arbeitete sich langsam an die Führungsaufgabe heran: Von 1993 an verantwortete er den Verkauf, ab 1998 den Einkauf, seit 2000 Marketing und Verkaufsförderung, bis er 2001 Geschäftsführer wurde. Er hat eine Tochter und drei Söhne, einer soll ihm einmal nachfolgen.

Geschäftsleitung Zum Gespräch kommt Hofmeister mit Michael Renner, der seit 2014 bei Hofmeister und seit 2015 Gesamtvertriebsleiter und Prokurist ist. Und mit Stanley Gläßner, Vertriebsleiter und Prokurist, der bei der Esslinger Zeitung und als kaufmännischer Leiter bei der Rösch GmbH in Tübingen gearbeitet hat. Seit 2015 ist er bei Hofmeister.




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