Möhringen Zusammen lebt man weniger allein

Von Stefanie Käfferlein 

Das Netzwerk „Frisch im Ruhestand“ hat zu einem Vormittag rund um gemeinschaftliche Wohnprojekte eingeladen.

So soll das Atrium des zweiten Herrenberger Projekts „Stadtwerk“ aussehen. Foto: z
So soll das Atrium des zweiten Herrenberger Projekts „Stadtwerk“ aussehen. Foto: z

Möhringen - Gabriele Wagner wohnt seit zwei Jahren im Weitblick in Herrenberg. In dem Mehrgenerationenhaus leben rund 60 Personen unterschiedlichen Alters in 28 Wohnungen miteinander auf sechs Etagen. Das lichtdurchflutete Atrium ist überdacht und bietet Alt und Jung zusätzliche Aufenthaltsfläche und den Kindern Möglichkeiten zum Spielen.

Die Eingangsbereiche der Appartements sind ebenfalls verglast, der Wohnraum geht gewissermaßen über in den Bereich, der allen zur Verfügung steht. Zudem gibt es Gemeinschaftsräume, eine Küche sowie einen Wasch- und einen Werkraum. Wer Hilfe im Alltag benötigt, kann sich auf die Nachbarn verlassen. „Der älteste Bewohner im Haus ist 74 Jahre alt“, sagte Wagner, als sie am Dienstag im Bürgerhaus beim Treffen des Netzwerks „Frisch im Ruhestand“ von ihren Erfahrungen erzählte. Wagner gehörte zu den Initiatoren des generationenübergreifenden Projekts, das von Rainfried Rudolf als Passivhaus realisiert wurde.

Der Stuttgarter Architekt war ebenfalls ins Bürgerhaus gekommen und stellte verschiedene Projekte vor, die derzeit vorangetrieben werden. „Mit dem Bau des Stadtwerks in Herrenberg soll im Oktober dieses Jahres begonnen werden“, sagte Rudolf. 66 Wohnungen sollen dort entstehen, lediglich drei Bauherren würden noch fehlen. Mit dem Erbachgrund in Magstadt und dem Olga-Areal im Stuttgarter Westen sollen weitere Mehrfamilienhäuser, wie Rudolf sie nennt, entstehen.

„Es ist ein schwieriger Weg, der Gewinn bringend ist“

Wie die Luft im Gebäude sei, wollte ein Teilnehmer von Gabriele Wagner wissen. „Von draußen gelangt frische Luft über eine Lüftung in jeden einzelnen Raum“, sagte Wagner. Alle Reinigungs- und Pflegearbeiten übernehmen die Bewohner selbst. „Die einen kümmern sich um die Gartenarbeiten, die anderen engagieren sich in der Verwaltungs- oder Hausmeistergruppe“, sagte Wagner. Einmal in der Woche wird ein gemeinsamer Mittagstisch angeboten. „Da kochen die Älteren für die Jüngeren“, so Wagner. Wie es mit dem Lärm auszuhalten sei? Ohne guten Schallschutz würde das Zusammenleben so nicht funktionieren. „Man möchte sich schließlich auch mal zurückziehen können“, weiß Wagner. Wenn Fenster und Türen geschlossen seien, würde man nichts mehr mitbekommen.

Gabriele Gerngroß-Haas, die Sprecherin der Initiative „Stuttgarter Plattform für selbstorganisiertes gemeinschaftliches Wohnen“, berichtete im Bürgerhaus unter anderem über eine Hausgemeinschaft älterer Frauen in München und ein Generationen übergreifendes Projekt in Berlin mit dem Titel „Offensives Alter“. Die studierte Soziologin baute unter anderem im Sozialamt in Stuttgart den Bereich Sozialplanung für alte, behinderte und psychisch kranke Menschen auf. Vor einigen Jahren hat Gerngroß-Haas das Buch „Anders leben als gewohnt – Wenn verschiedene Frauen unter ein Dach ziehen“ geschrieben und Menschen besucht, die sich für alternative Wohnformen entschieden haben. „Es ist ein schwieriger Weg, der Gewinn bringend ist“, sagte sie. Sie selbst lebe konventionell. „Ich lerne von den Wohnprojekten und versuche, mich in der Nachbarschaft und im Bekanntenkreis zu vernetzen.“

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