„Momentum“ im Forum Theater Frau in Rot sieht rot
Premiere am Forum-Theater: Der Intendant Dieter Nelle hatLot Vekemans „Momentum“ inszeniert.
Premiere am Forum-Theater: Der Intendant Dieter Nelle hatLot Vekemans „Momentum“ inszeniert.
Klare Kante zeigen, Position beziehen: Schon das Bühnenbild signalisiert Entschlossenheit. Grün auf der linken, rot auf der rechten Seite teilt es das Interieur in eine Privatsphäre und in ein machtpolitisches Handlungsfeld. Wo sich Schirin Brendel als ebenso kontrollsüchtige wie machtwillige Politikergattin Ebba und die vier weiteren Figuren gerade befinden, ist in diesem Psychodrama niemals zufällig.
In packender Genauigkeit hat Dieter Nelle, neuer Intendant des Forum-Theaters, das 2018 uraufgeführte Stück „Momentum“ der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans inszeniert. Ein „Quälgeist“ (strahlend frisch: Hannah Jasna Hess) wird hier zum Motor einer erzwungenen Auseinandersetzung mit einem traumatischen Erlebnis und hilft Ebba letztlich, für ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen. Die Premiere war am Donnerstag.
Da ist eine Frau, die weiß, was sie will, und doch nur im Namen eines anderen spricht. Ihr Plädoyer soll ihrem Mann zur Wiederwahl verhelfen. Während sich Ebbas Rede als Probe erweist, ist ihr Meinrad real angezählt. Nicht, weil er als Politiker versagt hat, sondern weil er sich nicht mehr unter Kontrolle hat. Wie er, eben noch weinerlich, anlasslos aus der Haut fährt und bei Kleinigkeiten die Nerven verliert, das macht Stefan Maaß in der Rolle des angezählten Alphamannes vor. Ebba, ebenso standfest wie unerbittlich, lässt keine Schwäche gelten. Als sie von der Depression ihres Mannes erfährt, sieht die Frau in Rot rot.
„Momentum“ verhandelt aber nicht nur die Dynamik einer Ehe, sondern stellt auch die Politik und ihre Ideale infrage. Da gibt es den Spindoktor Dieter, der Meinrads Schwäche öffentlich ausschlachten will und längst auf Ebbas Potenzial setzt. Udo Rau gibt ihn schmierig, aber selbst beim sexuellen Übergriff wenig abgründig. Und da gibt es die junge Dichterin, die gar nicht daran denkt, die Welt zu retten, sich aber schon fragt, warum der Baum vor ihrem Fenster verschwand. Schön, wie Paulina Pawlik solche Nebensächlichkeiten für einen Moment bedeutsam werden lässt.
Momentum. 9., 13., 14. und 15. Oktober, 19.30 Uhr, 16. Oktober, 18 Uhr, 20. Oktober, 16 Uhr sowie 21., 22. Oktober, 19.30 Uhr und 23. Oktober, 18 Uhr und dann wieder ab 10. November. Kartentelefon: 4 40 07 49 99