Mordprozess Katharina K. Mord sollte brisante Aussage verhindern

Von Julian Illi und  

Am 22. Oktober beginnt vor dem Landgericht Stuttgart der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder einer jungen Mutter aus Backnang. Nun sind neue Details zu Motiv und Tathergang bekanntgeworden.

Ein Zufall hilft der Polizei: Im November hatte ein Spaziergänger die Leiche von Katharina K. auf einem Gartengrundstück in Asperg entdeckt. Foto: SDMG
Ein Zufall hilft der Polizei: Im November hatte ein Spaziergänger die Leiche von Katharina K. auf einem Gartengrundstück in Asperg entdeckt. Foto: SDMG

Backnang/Ludwigsburg - Der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder der 22-jährigen Katharina K. aus Backnang (Rems-Murr-Kreis) beginnt am 22. Oktober. Dies hat das Stuttgarter Landgericht mitgeteilt. Angeklagt ist der heute 25 Jahre alte Ex-Lebensgefährte der zweifachen Mutter, der aus dem Kreis Ludwigsburg kommt. Nachdem die Staatsanwaltschaft einige Zeit lang von Totschlag ausgegangen war, ist sie nun davon überzeugt, dass der damals 24-Jährige seine Ex-Freundin im November 2017 aus niederen Beweggründen getötet hat und geht deshalb von einem Mord aus.

So soll der 25-Jährige Angst gehabt haben, bei einer damals bevorstehenden Gerichtsverhandlung das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn zu verlieren, und K. deshalb getötet haben. Laut der Staatsanwaltschaft hatten Katharina K. und der Angeklagte eine längere Beziehung geführt, aus der ein Sohn entstammt. Nach der Trennung kam es laut den Ermittlern zu einem Sorgerechtsstreit, der auch vor Gericht ausgetragen wurde.

Das spätere Opfer wollte eine mutmaßliche Falschaussage aufdecken

Im Herbst 2017 stand eine Verhandlung vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht kurz bevor. In der Verhandlung, so glauben die Ankläger, hätte Katharina K. aufdecken wollen, dass ihr Ex-Freund bei früheren Gerichtsterminen falsche Angaben gemacht hatte. Der Angeklagte habe deshalb befürchtet, das Sorgerecht für sein Kind zu verlieren. Um das zu verhindern, soll der 25-Jährige am Abend des 8. November in die Wohnung des Opfers in Backnang-Strümpfelbach gekommen sein. Dort habe er K. mit „stumpfer Gewalt“ getötet, heißt es in der Anklage.

Gefunden wurde die Leiche erst gut eine Woche später von einem Passanten in einem Schrebergarten in Asperg. Das Grundstück gehört nicht dem Angeklagten, das gab die Polizei schon kurz nach dem Fund der Leiche bekannt. Wie das Opfer dorthin gekommen ist und wie genau Katharina K. zu Tode kam, gibt die Staatsanwaltschaft nicht bekannt. Nach gesicherten Informationen unserer Zeitung soll der Täter aber zumindest versucht haben, den Körper des Opfers zu verbrennen.

Der angeklagte 25-Jährige war bereits kurz nach dem Verschwinden von Katharina K. im November 2017 nahe Ludwigsburg festgenommen worden, nach Ermittlungen „im Umfeld der Familie“, wie die Polizei damals mitteilte. Er sage zwar „zur Sache“ aus, erklärt Heiner Römhild, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Ein Geständnis habe er bisher aber nicht abgelegt.

Das Landgericht hat im Fall Katharina K. zehn Termine angesetzt

Der Mann war schon vorher der Polizei bekannt, er war in der Vergangenheit bereits zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Einschlägig wegen Gewaltdelikten vorbestraft ist der Mann allerdings nicht.

Um den Tod von Katharina K. aufzuklären, hat die 9. Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts zunächst zehn Verhandlungstermine bis zum 5. Dezember angesetzt. Ob die Kammer, die Anfang 2017 auch den Totschlag im Fall Nadine E. aus Ludwigsburg-Eglosheim verhandelt hat, dann ein Urteil fällen kann oder ob sie weitere Termine ansetzt, ist offen.

Die junge Frau aus Backnang wird von ihrer Familie derweil schmerzlich vermisst: Ende Juni wäre Katharina K. 23 Jahre alt geworden. Neben dem gemeinsamen Sohn mit dem Angeklagten hat sie einen weiteren kleinen Jungen aus einer anderen Beziehung hinterlassen.