Stadtkind Stuttgart

Motor City Drum Ensemble "Qualität und Originalität zählen mehr denn je"

Von Martin Elbert 

Danilo Plessow alias Motor City Drum Ensemble ist einer der erfolgreichsten Stuttgarter DJs der letzten zehn Jahre. Wir sprechen mit ihm über seine musikalischen Wurzeln, sein Plattenlabel und seinen Auftritt am Samstag im DGB-Haus.

Danilo Plessow alias Motor City Drum Ensemble ist einer der erfolgreichsten Stuttgarter DJs der letzten zehn Jahre. Foto: MCDE/Stefan Braunbarth
Danilo Plessow alias Motor City Drum Ensemble ist einer der erfolgreichsten Stuttgarter DJs der letzten zehn Jahre. Foto: MCDE/Stefan Braunbarth

Stuttgart - Im Jahre 2002 erschien ein junger Mann, noch nicht mal volljährig, im Stuttgarter Nachtleben. Unter dem Arm hatte er seine erste EP, erschienen auf dem damaligen Hype-Label Pulver Records. Der junge Kerl nannte sich noch Inverse Cinematics und einer seiner Labelchefs flüsterte schon damals durch die Gegend: „Der Junge ist absolut irre. Der wird groß.“

Er sollte Recht behalten. Danilo Plessow ist groß geworden. Und zwar richtig groß: Heutzutage schippert Motor City Drum Ensemble (MCDE), wie er sich längst nennt, Woche für Woche durch internationale Club-Gewässer, verzückt die globale House-Posse mit geschmeidigen Deep-Disco-House-Platten und produziert einen Remix nach dem anderen für Acts wie Caribou, Tiga oder Jazzanova.

2011 folge die vorläufige Krönung: Plessow durfte einen Teil zu der DJ-Kicks-Reihe beisteuern, eine der bekanntesten Mix-Compilation-Serien der Welt. Am kommenden Samstag kehrt MCDE nach Stuttgart zurück. Das KimTimJim richtet im DGB-Hause eine Party mit ihm als Headliner aus. Wir haben mit Danilo Plessow über seine musikalischen Wurzeln, sein Plattenlabel und seinen Auftritt am Samstag im DGB-Haus gesprochen.

Du nennst dich Motor City Drum Ensemble kurz MCDE. Für Außenstehende wirkt das nach einer großen Band, obwohl du auf Solopfaden unterwegs bist. Wie kamst du auf den Namen und inwieweit ist Motor City auch eine Referenz an Stuttgart oder mehr an Detroit?
Motor City ist ganz klar eine Referenz an Stuttgart, die Autostadt. Im lokalen HipHop und Techno, mit dem ich aufgewachsen bin, war immer von der "Motor City Stuttgart" die Rede. Gleichzeitig ist es auch Tribut an Detroit, die erste Motor City, deren Musik mich unglaublich beeinflusst hat, von Jazz über Motown hin zu Detroit Techno. Das "Ensemble" besteht aus den vielen analogen Geräten, mit denen ich arbeite.

Du hast es gerade schon angedeutet, du hast vielseitige musikalische Wurzeln, was man seit vielen Jahren auch immer wieder deinem eigenen Sound anhört.
In der "Black Music", vor allem im Jazz und Soul. Aber auch Hip-Hop war ein großer Einfluss. Elektronische Musik kam erst später, hatte dann aber einen großen Effekt auf mich.

Mit deiner Musik bedienst eine spezielle Nische in der elektronischen Musikszene und bist einer der Vorreiter von dem deepen, souligen House, der seit einigen Jahren ein Revival feiert und aktuell auf dem Höhepunkt zu sein scheint. Wie hart musstest du für diesen Sound, gerade zum Beispiel bei Gigs, kämpfen?
Glücklicherweise habe ich bisher wirklich wenige Ausrutscher erlebt, wo meine Musik einfach nicht passte. In den allermeisten Fällen hat es sehr gut funktioniert, aber natürlich stößt man manchmal auch Leute vor den Kopf, wenn man Siebziger-Jahre-Disco in einem Techno-Schuppen spielt. Aber das ist auch so ein bisschen mein Ziel: Grenzen austesten und im besten Fall damit etwas besonderes Schaffen.

Dein Karriereverlauf ist der Traum vieler junger DJs. Du legst global auf, deine Releases werden gefeiert, hast vor knapp zwei Jahren eine Ausgabe der DJ-Kicks gemacht, remixed und produzierst für andere namhafte Künstler. Hast du für diesen Traum hart gearbeitet oder lief da quasi eins zum anderen zusammen?
Ich habe definitiv hart gearbeitet. Vor diesem Projekt hatte ich schon sehr viele Releases unter einem anderen Namen hinter mir (Inverse Cinematics, d. Red.), und mit diesem Projekt ging ich sozusagen durch die "harte Schule", sprich für 200 Euro irgendwo in Osteuropa auflegen, in der Juhe schlafen etc. Mit dem neuen Projekt MCDE hatte ich natürlich viel Glück, aber es war eben auch diese Erfahrung, die ich bereits hatte, die mir sehr geholfen hat, vor allem was das Auflegen angeht. Viele junge Produzenten, die heute eine gute Platte veröffentlichen und plötzlich zum Auflegen eingeladen werden, haben einfach keine Ahnung, wie man das macht, wie man mit dem Publikum umgeht, was ein sinnvoller Aufbau ist und soweiter - das hatte ich alles schon hinter mir, als es mit MCDE so richtig los ging.

Stichwort Platten machen: Deine Tracks bringst du überwiegend auf deinem eigenen, gleichnamigen Label MCDE raus. Fährt man so in der heutigen Zeit damit am besten?
Für mein Label habe ich einen Partner, aber es ist schon sehr Buddy-Business-mässig, relativ undergoundig in der Herangehensweise - trotzdem verkaufen wir mehr Schallplatten als viele große Labels, die zum Beispiel viel Energie und auch Kohle in Promo stecken. Ich denke, dass heutzutage einfach mehr denn je die Qualität und Originalität der Musik zählt. Wenn es hundert vergleichbare Labels gibt, dann wird man eben auch weniger wahrgenommen.

Skizziere uns mal deinen normalen Arbeitstag.
Aufstehen, schwimmen gehen, und dann zwischen fünf bis acht Stunden im Studio arbeiten. Wenn das Wochenende nahe kommt, verbringe ich meistens einen Tag in Amsterdam damit, neue Platten zu kaufen. Am Wochenende dann reisen. Ich habe die Freiheit aufzustehen, wann ich will und kann auch mal zwei, drei Tagen lang nichts machen. Aber generell ist es schon ein Job, der sehr viel von einem verlangt - man ist halt sieben Tage die Woche damit beschäftigt, in welcher Weise auch immer.

Zum Beispiel eben mit den vielen DJ-Reisen ins Ausland. Siehst du eigentlich Unterschiede zwischen dem ausländischen Publikum und dem deutschen? Es hält sich ja hartnäckig die These, dass die Clubber außerhalb Deutschlands gerade bei dieser Musiksparte aufgeschlossener wären.
Muss nicht immer so sein, aber sagen wir mal so: Was aktuelle Musik angeht, sind Japan und England definitiv am aufgeschlossensten. Deutschland ist aber auch immer toll - es kommt selten vor, dass ich mal einen nicht so tollen Gig hier habe.

Wie hoffentlich am Samstag in der imposanten Kulisse des DGB-Hauses - haste Bock?
Aber klar doch. Ich freu mich natürlich auch, meine alte Posse wiederzusehen, auf den Rostbraten vorher und und und. Schee wird's!

Motor City Drum Ensemble legt am kommenden Samstag, 9. März im DGB Haus auf.

Motor City Drum Ensemble auf Facebook: www.facebook.com/MotorCityDrumEnsemble

 

C109 MCDE (MCDE Recordings) DJ Set @ Secretsundaze - London 2012 by Coggles on Mixcloud