Motorworld in Böblingen PS-Spektakel auf dem Flugfeld lockt 12 000 Besucher
Dröhnende Motoren, glänzender Lack und edle Karossen: Der Motorworld-Saisonauftakt lockt am Sonntag Tausende PS-Fans auf das Böblinger Flugfeld.
Dröhnende Motoren, glänzender Lack und edle Karossen: Der Motorworld-Saisonauftakt lockt am Sonntag Tausende PS-Fans auf das Böblinger Flugfeld.
Was für die einen ein Höllenlärm ist, das klingt für andere wie Musik in den Ohren. Wenn beispielsweise drei AMG V8-Biturbo-Motoren direkt nebeneinander um die Wette brüllen, dann löst das hier auf der zum Parkplatz umfunktionierten Freifläche auf dem Flugfeld einen Menschenauflauf aus, als würden Ed Sheeran, Taylor Swift und The Weekend gemeinsam ein spontanes Straßenkonzert geben.
Keine Frage: Autos und Motorräder – vor allem die von der lauten, schnellen und teueren Sorte – sind die absoluten Stars beim Saisonauftakt der Motorworld auf dem Flugfeld zwischen Böblingen und Sindelfingen. Die Temperaturen sind frostig, und nur selten schafft es die Sonne durch die dichten grauen Wolken. Das scheint aber niemanden großartig zu stören. Überall sieht man freudestrahlende, meist männliche Gesichter, die wie kleine Jungs im Spielzeugladen von einem Brumm-Brumm zum nächsten flitzen und dabei unzählige Fotos und Filmchen mit ihren Smartphones machen.
Rund 12 000 PS-Fans sind es laut Centermanagerin Susanne Kirschbaum und Eventmanager Julian Reichl, die sich an diesem Aprilsonntag rund um die Motorworld tummeln. Polizei und Böblinger Ordnungsamt haben einen strengen, aber entspannten Blick auf das Geschehen. „Alles ruhig“, sagt ein Vollzugsdienstmitarbeiter beim Rundgang über das Gelände.
In der Luft liegt eine Duftmischung aus Burgergrill, Zuckerwatte und Auspuffgasen mit einem Hauch von „Sauver“ und „Million Man“. So heißen zwei der meist verkauften Autoparfüme des Bodelshausener Herstellers Lekidoo. „Die sind sowohl für Autos als auch für die Fahrer“, sagt Firmenchef Kim Le, der mit dieser Geschäftsidee eine Dufte Alternative zum Wunderbaum anbieten will.
Die Händlermeile vor und in der Motorworld ist voll mit Produkten, die jeweils alle etwas mit Fahrkultur zu tun haben. Bei Kopfgetriebeöl aus Immenstaat gibt es beispielsweise diverse Spirituosen aus Öldösen zu kaufen. „Eine Schnapsidee unseres Chefs“, wie der Verkäufer grinsend erklärt. Das Landauer Jungunternehmer-Duo verkauft unter dem Markennamen Driftelement Uhren in Felgenoptik – auf Wunsch individuell den eigenen Felgen nachempfunden. Bei knapp 100 Euro fängt hier der Verkaufspreis an.
Mit dem Leonberger Hersteller Coblor ist noch ein weiterer Uhrenanbieter vor Ort. Die auf 500 Exemplare limitierten Armbanduhren sind mit einem Stückpreis von rund 6000 Euro deutlich teurer. Allerdings bekommt man dafür auch ein Stück Originalasphalt vom Nürburgring auf dem Ziffernblatt– und zwar aus allen Schichten vom Einweihungsjahr 1927 bis 2021. „Mehr Rennsportgeschichte geht nicht“, sagt der Firmengründer Nikolas Radis, der künftig auch Uhren mit Asphalt von anderen berühmten Rennstrecken wie Monaco, Spa oder Monza anbieten möchte.
Auf der Parkplatzfläche stehen rund 1500 Autos, jeweils nach Fabrikat oder Klasse sortiert. In einer Reihe stehen Supercars von Ferrari und Lamborghini dicht nebeneinander, in der nächsten vergleichsweise alltäglich aussehende Audi A3 diverser Baujahre, und wieder eine Reihe weiter lassen ein paar Dodge Challenger lautstark ihre Motormuskeln spielen.
Neu in diesem Jahr ist, dass die Community selbst per Online-Voting bestimmen könnte, welche Autos vor dem Motorworld-Gebäude stehen dürfen. Die meisten Stimmen heimste der 27-jährige Robin Streicher ein, dessen Porsche 996 Carrera (Baujahr 2000) mit seinem Body Kit von der „Old & New“-Sparte des Tuning-Spezialisten Tokyo Custom Works so selten ist, dass es seines Wissens weltweit nur fünf Stück davon gibt.
Wo man hinschaut, stehen spektakuläre Autos: darunter zum Beispiel ein mit KI vollgestopfter Nachbau von K.I.T.T. aus der TV-Serie „Knight Rider“. Weitere Hingucker sind der Tender 5.7 von Estella Fahrzeugtechnik – eine Neuinterpretation des legendären Roadster von Elvis Presley – sowie ein Audi R8 GT und ein M3 Touring, den des Team des als Shmee150 bekannten britischen Influencers Timothy John Burton mitgebracht hat.
Mit seinem rund 130 000 Euro teueren Tuning-Porsche ist der Ottmarsheimer Robin Streicher hier also in guter Gesellschaft. Zumal er auch privat mit seinem C 63 AMG in kompletter Safety-Car-Ausstattung nicht gerade unauffällig unterwegs ist. Fragt sich nur, was seine Frau zu seinem teuren Hobby sagt. „Frau? Hab’ ich nicht“, lacht er, „das kostet mir zu viel“.