Mountainbiker bei der EM in München Wie Luca Schwarzbauer doch noch Fahrt aufgenommen hat

  Foto: Imago/Rolf Simeon

Luca Schwarzbauer kämpft an diesem Freitag bei den European Championchips in München um eine Medaille. Warum die Karriere des Mountainbikers doch noch Fahrt aufgenommen hat.

Sport: Dominik Ignée (doi)

Der Mountainbiker Luca Schwarzbauer befindet sich in rastlosen Zeiten. Jüngst war er in Lenzerheide, dann ging es nach Andorra, es folgten die Weltcups in Kanada und den USA. Damit es ihm nicht langweilig wird, geht es an diesem Freitag heiter weiter mit dem Europameisterschaftswettbewerb in München. Wer nun glaubt, dass der arme Kerl danach mal für ein paar Tage die Füße hochlegen könnte, der liegt falsch. Nur eine Woche später geht es zu den Weltmeisterschaften nach Frankreich. Und dann gibt es ja auch noch das Weltcup-Finale in Italien.

 

Luca Schwarzbauer ist also keineswegs ausgeruht nach München gereist, aber er sieht es positiv, immerhin das. „Ich bin jetzt volle Kanne im Rennmodus“, sagt der 25 Jahre alte Sportler aus Reudern bei Nürtingen. Und er geht ambitioniert in den Wettbewerb, denn der Mann, der mit dem Mountainbike schon die halbe Schwäbische Alb abfuhr, hat es seit etwas mehr als einem Jahr in die Weltspitze geschafft. Eine Medaille wäre jetzt ein Traum – zumal die Karriere von Schwarzbauer alles andere als glatt verlaufen ist und er schon viel länger hätte dort sein können, wo er momentan steht.

Bittere U-23-Jahre

Doch das Leben ist kein Wunschkonzert. Es gab einen gewaltigen Bruch, der drei verdammt lange Jahre andauerte. Schwarzbauer war verzweifelt und wusste nicht, ob er zurückkommen würde, dabei hatte doch alles so gut begonnen. Hoffnungsvoll war er bei den Junioren gestartet, die Weltrangliste angeführt und Platz drei bei einer Junioren-Weltmeisterschaft gewonnen. Doch dann kamen die bitteren U-23-Jahre, und der Nachwuchsmann stand so gut wie vor dem Aus. Der Hochveranlagte befand sich auf einem traurigen Weg.

Luca Schwarzbauer hatte damals sehr viel falsch gemacht, das weiß er selber, aber die Uhr zurückdrehen kann er nicht. „Ich hatte mit Übertraining zu kämpfen und auch ernährungsmäßig viele Fehler gemacht, davon musste ich mich dann über einen längeren Zeitraum hinweg wieder zurückkämpfen“, sagt der Schwabe. Schwarzbauer ist einer der schwersten Mountainbiker im Weltcup-Zirkus und derzeit sogar der schwerste Fahrer unter den Top Ten der Weltrangliste. Er wiegt 76 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,78 Meter, das ist im Hinblick auf den Body-Mass-Index ein völlig normaler Wert, und er kommt heute auch sehr gut damit zurecht. Doch damals fühlte er sich zu schwer. Also hatte er es übertrieben mit dem Abnehmen, nie das richtige Maß gefunden. „Ich wollte leichter werden, und das ist am Ende in die Hose gegangen“, erinnert er sich an seine schwere Zeit.

Hin und her mit dem Körpergewicht

Am Ende war er dann viel zu leicht für den Sport und fast auch für das ganz normale Leben. Heute ist alles wieder im Lot, auch weil er immer an sich geglaubt und sich seine Rückkehr hart erarbeitet hat.

Dass ihm die drei Jahre fehlen, ist im Nachhinein zwar ärgerlich, doch als Spätberufenen für die großen Erfolge bei den Profis hält er sich keineswegs. „Ich bin in einem sehr guten Alter, denn die besten Ergebnisse werden zwischen 25 und 30 Jahren eingefahren, auch weil die Erfahrung eine große Rolle spielt“, sagt Schwarzbauer. Sein Vorteil: Er hat viele Kilometer in den Beinen, und das mache am Ende im Wettbewerb auch sehr viel aus. Ohnehin hat seine Rückkehr zu alter Stärke dazu geführt, dass er bei einem der besten Rennställe der Welt einen Vertrag unterschreiben durfte, dem Canyon-Team. Durch die immer besser werdenden Ergebnisse wurden sie auf ihn aufmerksam.

Wie wichtig ist München für den Mountainbike-Sport? Im Gegensatz zu anderen Disziplinen, die sich bei den European Championships in München darüber freuen, mal ins öffentliche Rampenlicht zu gelangen, sieht Schwarzbauer seinen Sport in einer etwas besserer Position. Natürlich sei es auch für ihn und seine Kollegen ein großer Anreiz, in München dabei zu sein. Aber: „Mountainbike-Sport kann man jetzt nicht mit Fußball vergleichen, unterm Strich geht es uns jedoch noch ziemlich gut. Ich sehe, dass bei vielen Events in anderen Sportarten die finanzielle Situation schlechter ist, weil bei uns immerhin eine große Industrie dahintersteckt“, sagt er.

Das Beste an der Multi-Europameisterschaft ist, mal daheim eine EM zu bestreiten. Es sei schön, „als Deutscher auch in Deutschland mehr und mehr Fuß fassen zu können“ – im Hinblick auf die TV-Präsenz. Was seine Medaillenchancen angeht, hält sich Luca Schwarzbauer lieber mal noch etwas zurück. „Wenn es zehn Medaillenkandidaten gibt, dann gehöre ich sicher auch dazu“, sagt er, es komme eben darauf an, einen guten Tag zu erwischen. Und das hat er vor.

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