Mountainbiker in Waldenbuch Junge Downhiller wollen eine legale Strecke

Von Eileen Breuer 

Weil den Jugendlichen aus Waldenbuch vor Ort keine Möglichkeit geboten wird, legal quer waldein zu fahren, gehen sie ihren Wunsch jetzt offiziell an. Bis er in die Tat umgesetzt wird, kann es aber noch eine Weile dauern.

Zum Trainieren bleibt  Maurice Pohlen in Waldenbuch nur der Dirtpark im  Stadtteil Hasenhof. Foto: /Eileen Breuer
Zum Trainieren bleibt Maurice Pohlen in Waldenbuch nur der Dirtpark im Stadtteil Hasenhof. Foto: /Eileen Breuer

Waldenbuch - Maurice Pohlen setzt seinen Helm auf, bevor er in die Pedale seines Mountainbikes tritt. In rasantem Tempo fährt er den Hügel hinunter, um Schwung zu holen. Bei der nächsten Erhöhung hebt der 15-Jährige ab. Hier am Dirtpark im Waldenbucher Stadtteil Hasenhof kann er seine Sprünge üben.

Am liebsten würde er auf schmalen Pfaden durch den Wald preschen. Doch mit dem Fahrrad darf man in Baden-Württemberg auf Wegen, die schmaler sind als zwei Meter, nur dann unterwegs sein, wenn für diese eine Ausnahmeregelung vorliegt. In der Umgebung ist das im Stadtgebiet Stuttgart auf dem Woodpecker-Trail der Fall. In Waldenbuch selbst aber ist es nicht möglich, den Sport Downhill legal auszuüben.

Stattdessen müssen die Jugendlichen mit dem Fahrrad nach Leinfelden fahren und von dort aus die Bahn nehmen, denn in Bussen ist die Mitnahme von Fahrrädern meist nicht gestattet. Eine Alternative zu den öffentlichen Verkehrsmitteln ist, dass die Eltern ihre Kinder mit dem Auto zu den Strecken kutschieren. In beiden Fällen sei das aber wegen der Entfernung meist mit einem Tagesausflug verbunden, sagt Maurice.

600 Unterschriften gesammelt

Deswegen setzt er sich gemeinsam mit anderen Jugendlichen für einen legalen Trail vor Ort ein: „Damit nicht mitten im Wald auf illegalen Strecken gefahren wird, wäre es am sinnvollsten, eine offizielle Strecke zu planen. Das ist auch für Wald und Wild besser“, sagt er.

Denn durch illegale Streckennetze können die im Wald lebenden Tiere in ihren Ruhe- und Schutzzonen gestört werden. Außerdem besteht eine erhöhte Unfallgefahr, wenn solche illegalen Trails Wanderwege kreuzen. Deswegen geht die Polizei in Stuttgart beispielsweise vermehrt gegen illegale Trails vor, in Stetten ist sogar der Bagger angerückt. Dass Mountainbiker sich eigenmächtig einen Weg durch den Wald bahnen, möchten die Jugendlichen künftig verhindern und setzen dabei auf eine legale Downhillstrecke.

Die Jugendlichen stellen sich dabei einen Trail vor, der Hindernisse aus Naturmaterialien enthält – zum Beispiel Erdhügel oder Steinfelder: „Er soll möglichst naturbelassen sein, es soll keine Schneise durch den Wald gezogen werden“, sagt Maurice.

Um ihr Anliegen an den Gemeinderat heranzutragen, haben die Jugendlichen Unterschriften gesammelt. 600 Stück kamen in nur wenigen Stunden für einen legalen Downhill-Trail zusammen: „Da hat man gemerkt, dass das Interesse innerhalb der Bevölkerung groß ist“, sagt Maurice. Die Unterschriften haben sie kürzlich dem Bürgermeister überreicht.

Mit Herzblut und Leidenschaft dabei

Stadtjugendreferent Achim Böll unterstützt die Jugendlichen. Diese seien mit ihrem Anliegen an ihn herangetreten: „Das ist die beste Form von Jugendbeteiligung: Wenn die Jugendlichen auf mich zukommen und sagen, dass sie ihren Ort attraktiver machen wollen.“

Unterstützung erfahren die Jugendlichen von ihm zum Beispiel bei der Suche nach Ansprechpartnern. Erst vergangene Woche trafen sie sich gemeinsam mit einer Zuständigen von Forst BW, um ihr das Anliegen eines Downhill-Trails vorzutragen. Auch mit der Radsportabteilung vom VfL Herrenberg, die eine Vereinsstrecke für Downhiller betreibt, stehe der Stadtjugendreferent inzwischen in Kontakt: „Es ist ein Thema, das viele Jugendliche in Waldenbuch interessiert. Sie sind mit Herzblut und Leidenschaft dabei. Es ist ein wichtiger Punkt, dass die Jungs ihrem Hobby ganz legal nachkommen können und nicht auf illegale Wege angewiesen sind“, sagt Böll.

Doch bis der Wunsch nach einer legalen Downhillstrecke Realität wird, muss noch einiges geklärt werden. Im Moment stehe man ganz am Anfang der Überlegungen, so Böll. Bis es so weit ist, greifen die Jugendlichen auf den Dirtpark zurück – oder müssen eine längere Fahrt zu anderen legalen Strecken in Kauf nehmen.




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