Mountainbiketrails im Kreis Esslingen Sechs legale Rundtouren durch den Wald geplant
Der Kreis Esslingen will Mountainbikern ausgeschilderte Strecken zum Radeln anbieten. Die Tourenvorschläge liegen nun vor. Das ist bis Sommer 2025 geplant.
Der Kreis Esslingen will Mountainbikern ausgeschilderte Strecken zum Radeln anbieten. Die Tourenvorschläge liegen nun vor. Das ist bis Sommer 2025 geplant.
Das Mountainbikefahren boomt. Auch im Kreis Esslingen sind immer mehr Radfahrer im Wald unterwegs. Berge sind keine Hindernisse: Zunehmend werden Zweiräder mit elektrischer Unterstützung genutzt. Die Trendsportart birgt aber jede Menge Konfliktpotenzial – Wanderer, Jogger und auch Tiere fühlen sich mitunter durch die Mountainbiker gestört, die illegal bergige Waldwege hinunterrasen, die Pflanzenwelt kann dadurch Schaden nehmen. „Eine effektive Besucherlenkung ist notwendig, um zu einer Entlastung beizutragen“, betonte der Landrat Heinz Eininger jüngst im Ausschuss für Technik und Umwelt des Esslinger Kreistages bei der Vorstellung der Mountainbike-Konzeption. Das Gremium hatte sie vor zwei Jahren in Auftrag gegeben.
An dem Konzept haben in den vergangenen Monaten viele Akteure mitgewirkt: Vertreter aus 26 Städten und Gemeinden im Kreis, aus Forstverwaltung, Naturschutzbehörde und Jägerschaft, aus Tourismus, Landwirtschaft und lokalen Vereinen. Das gemeinsame Ziel ist, durch die Bildung eines überregionalen Routennetzes bestehende und geplante kommunale Angebote miteinander zu vernetzen und attraktive Strecken für Mountainbiker auf naturverträglichen Pfaden auszuschildern. Denn wenn man legale Wege anbietet, so die große Hoffnung, könnte man die der illegalen Trails verringern. „Erlauben, um zu verbieten“, lautet das Motto.
Sechs Rundtouren im Kreisgebiet hat ein eigens beauftragtes Planungsbüro grob skizziert, die Streckenverläufe sollen nun in weiteren Abstimmungsgesprächen konkretisiert werden, informierte Christian Greber, der Leiter des Amtes für Allgemeine Kreisangelegenheiten, über den derzeitigen Stand der Planung. Die vorgeschlagenen Routen richten sich gezielt an Touren-Mountainbiker und führen größtenteils über befestigte Waldwege. „Es handelt sich um attraktive Einstiegsrunden, bei denen Erholung sowie Natur- und Gemeinschaftserlebnis im Vordergrund stehen“, sagte Greber und räumte ein: Das sei eher nichts für ambitionierte Downhillfahrer, die weite Sprünge und rasante Abfahrten lieben.
Die Tourenvorschläge sind laut Greber in einem Abwägungsprozess entstanden, in dem man alle Interessen unter einen Hut zu bringen versuchte. Dieser Kompromiss hat aus Sicht der Kreispolitiker Vor- und Nachteile. Die Routen, zeigte sich Sabine Fohler (SPD) überzeugt, seien attraktiv für neue Zielgruppen. Michael Magdanz (Grüne) und Günter Riemer (Freie Wähler) hingegen kritisierten, dass sportliche Biker nicht berücksichtigt werden. Greber hielt dagegen: „Man kann durchaus ins Schwitzen kommen, wenn man den E-Motor nicht an hat.“
Die Konzeptionsphase stehe kurz vor dem Abschluss, erläuterte Greber. Bevor das offizielle Genehmigungsverfahren im kommenden Frühjahr starten kann, würden weitere Interessensgruppen angehört, Natur- und Umweltschutzbelange analysiert und rechtliche Fragen geprüft. Die Umsetzung des erarbeiteten Konzepts soll dann im Sommer nächsten Jahres in Angriff genommen werden. Für die Ausweisung der sechs Mountainbikerouten müssen zunächst entsprechende Schilder hergestellt werden, die Ausschreibung der Produktion ist für Herbst 2024 vorgesehen. Im Frühjahr 2025 sollen die kleinen Hinweistafeln dann entlang der Wege montiert werden, die offizielle Einweihung der Strecken ist im Spätsommer desselben Jahres vorgesehen. Alles in allem rechnet die Kreisverwaltung mit Kosten in Höhe von rund 80 000 Euro, wovon ein Großteil durch Fördermittel seitens des Verbands Region Stuttgart abgedeckt ist.
Mit der Mountainbike-Konzeption schaffe man „proaktiv ein Angebot, um schutzwürdige Gebiete und Wege zu entlasten“, betonte Eininger. Zudem könne man damit „die radtouristische Attraktivität des Landkreises Esslingen stärken und eine zusätzliche regionale Wertschöpfung herstellen“. Die sechs Rundtouren könnten nämlich über Achsen miteinander verbunden werden. Das Streckennetz ließe sich in Zusammenarbeit mit den Kommunen schrittweise ausweiten. Laut dem Landrat besteht zudem die Möglichkeit, die Radwege mit Sehenswürdigkeiten und gastronomischen Angeboten zu verknüpfen, auszuschildern und interkommunal zu bewerben. „So können auch regionale Betriebe und Einrichtungen unterstützt werden.“
Tourenvorschlag 1
liegt im westlichen Baltmannsweiler und umfasst 14,6 Kilometer. Bereits befahrene Trails werden über das Radwegenetz zu einer Runde kombiniert.
Tourenvorschlag 2
befindet sich im Klebwald zwischen Ostfildern und Esslingen-Weil. Auf einer Länge von 8,5 Kilometern können zwei Trailabschnitte zu einem Rundkurs kombiniert werden.
Tourenvorschlag 3
umfasst 12,6 Kilometer und erstreckt sich vom Ortskern Denkendorf in Richtung Deizisau.
Tourenvorschlag 4
umfasst den Bereich Wolfschlugen, Unterensingen und Neuhausen. Der Trail ist 8,4 Kilometer lang. Es gibt die Möglichkeit, ihn auf einer Verbindungsachse (5,4 Kilometer) mit dem Tourenvorschlag 3 zu einer größeren Runde zu erweitern.
Tourenvorschlag 5
erstreckt sich 6,2 Kilometer über das nördlich von Reichenbach liegende Waldgebiet in Richtung Lichtenwald und lässt sich dort mit den bereits bestehenden Trails verbinden. Auch eine Anbindung an den Landkreis Göppingen wäre denkbar.
Tourenvorschlag 6
verläuft im Bereich des Siebenmühlentals. Die beiden in Leinfelden-Echterdingen geplanten Trails lassen sich zu einer Rundtour mit 16 Kilometern Länge verbinden.