Munadart-Abend in Bondorf Hämmerle und Kollegen begeistern in der Zehntscheuer

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Das Landratsamt in Böblingen und der Verein „Schwäbische mund.art“ holen Bernd Kohlhepp (Herr Hämmerle) und weitere Schwabenkünstlerfür einen unterhaltsamen Mundartabend in die Bondorfer Zehntscheuer.

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Bondorf - „Von ällem ebbes – Vielfalt auf Schwäbisch“ lautete das Versprechen für den schwäbischen Abend, zu dem Landrat Roland Bernhard und der Bondorfer Bürgermeister Bernd Dürr zusammen mit den Mundartvereinen „Schwäbischer Dialekt“ und „Schwäbische mund.art“ in die Bondorfer Zehntscheuer eingeladen hatten.

Bernd Kohlhepp als „Hämmerle aus Bempflingen“, der Bestsellerautor Anton Hunger und der Liedermacher Pius Jauch begeisterten das Publikum und zeigten dabei, dass schwäbische Unterhaltungskunst nicht nur auf Schenkelklatschen und Gelächter beschränkt ist. Ganz im Gegenteil: Hier findet sich Raum für milde Ironie, menschenfreundliche Lebensweisheit und poetischen Tiefgang. Damit erschließen die Dialektkünstler Schichten, die man in der Schwabenseele nicht immer gleich vermuten mag.

Landrat eröffnet mit Schwaben-Witz

Bereits Landrat Roland Bernhard zeigte zu Beginn dieses abwechslungsreichen gehaltvollen Freitagabends mit einem humorvollen Grußwort Qualitäten eines Unterhaltungskünstlers. So erzählte er von seinem stotternden Bekannten, der überzeugt war, eine Ansager-Stelle im Radio nur deshalb nicht bekommen zu haben, weil man ihn wegen seines schwäbischen Dialekts diskriminiere.

Wolfgang Wulz, ehemaliger Lehrer am Goldberg-Gymnasium Sindelfingen und Vorsitzender des Vereins „Schwäbische mund.art“, führte als Moderator durch den Abend. Mit seiner Kolumne „Heidanei… moint dr Sell“ eröffnete er zunächst selbst den Reigen des künstlerischen Programms. Sein Vortrag war dabei voller Anspielungen auf das beherrschende Corona-Thema.

Liedermacher Pius Jauch schlägt ernstere Töne an

„Dr Sell“ berichtet in dem humorvollen Text von Wolfgang Wulz freimütig über den coronabedingten „flotten Dreier“ mit Konni und seiner Angetrauten – wobei sich allerdings am Ende das vermeintlich unsittliche Geschehen als brave Wanderung mit der Wander-App www.konni.com herausstellt.

Pius Jauch, der immer noch jugendlich wirkende Sebastian-Blau-Preis- und Heimatmedaillen-Träger, griff in seinen hochpoetischen und mit virtuosem Gitarrenspiel begleiteten Liedern überwiegend ernstere Themen auf. „Was mr afangt, muss mr treibe“, heißt es da beispielsweise bei dem Liedermacher zum schwierigen Problem vieler jüngerer Menschen, Verpflichtungen nicht nur einzugehen, sondern auch unter schwierigen Bedingungen durchzuhalten.

Thema Corona: „ziemlich hoorig“

„Sei’s wie’s sei“, ein schon vor vielen Jahren komponierter Song des Bösingers, zeichnet treffend die in Pandemiezeiten zunehmend auftretende Sprachlosigkeit zwischen Andersdenkenden. Im Lied heißt es dazu: „Demmol weara mir ies do nitta oanig, s isch au nint dabei, des Thema isch au ziemle hoorig.“ (Für Nicht-Schwaben: „Dieses Mal werden wir uns da nicht einig, es ist auch nichts dabei, das Thema ist auch ziemlich haarig“).

Der Nestor des Abends war Anton Hunger. Moderator Wulz kündigte ihn aufgrund seines Aufstiegs vom Schriftsetzer zum Porsche-Kommunikationschef und erfolgreichem Buchautor voller Respekt an. Anton Hunger las zunächst aus seinem Bestseller „Gebrauchsanweisung für Schwaben“, einem in geschliffenem Schriftdeutsch formulierten Werk, in dem Geschichte, Sprache und Mentalität des schwäbischen Stammes treffend und vor allem voller Humor und augenzwinkender Zuneigung geschildert wird. Das wache Publikum goutierte auch schmunzelnd seinen Mundartschwank „Neidabbd“. Dort kabbeln sich Aschdrid und Frieder darum, welcher Wunsch wohl wichtiger sei: „Breng mr a Bier!“ oder „I will a Kend!“ Ein Konflikt, bei dem Frieder zwangsläufig in die Falle „dabben“ musste.

Bernd Kohlhepp macht gehörig Druck aufs Zwerchfell

Druck aufs Zwerchfell machte dann Bernd Kohlhepp in seiner Paraderolle als Herr Hämmerle aus Bempflingen. Das Privatleben seiner Kunstfigur ist urkomisch. Zum Beispiel, wenn er davon erzählt, wie er Stalker zurückstalkt oder von seinen Diskussionen mit dem Nachbarn, einem Impfgegner und Corona-Skeptiker – „Du, die planen Impfverweigerern keine Impfungen mehr zu geben. – Das ist eine Sauerei!“

Seine humoristische Beschäftigung mit der Pandemie und den daraus folgenden Freiheitseinschränkungen lassen erahnen, wie schwer Corona gerade Unterhaltungskünstler wie Bernd Kohlhepp getroffen hat.

Schwaben prägen Momente der Weltgeschichte

Als Herr Hämmerle zeigte Kohlhepp auf der Bondorfer Zehntscheuer-Bühne die ganze Bandbreite seines Repertoires. Von Witzen über Gedichte, bis hin zu Gesang und sogar Tanzeinlagen. Dabei bezog er die Reaktionen des Publikums auf ironisch-freche Weise geschickt mit ein. In den Mittelpunkt stellte er das Wesen der Schwaben, die nach Ansicht des Herrn Hämmerle in mehreren Momenten der Weltgeschichte Pionierleistungen vollbracht oder erst ermöglicht haben.

Marco Polo trifft auf Backnanger Weltenbummler

Demnach traf Marco Polo in China auf einen Mann aus Backnang, der noch vor ihm dort war. Er hatte die Flucht vor seiner Verlobten ergriffen – aus Angst vor dem Traualtar. Auch Martin Luther konnte laut des Schwaben-Comedians seine Thesen nur deshalb an das Wittenberger (was schon wie Württemberg klingt) Schlosstor nageln, weil ihm ein Schwabe den Hammer lieh.

Dem Publikum scheint der Mundartabend offenbar sehr gefallen zu haben. Der Applaus in der Bondorfer Zehntscheuer zog sich jedenfalls noch lange hin.




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