Die 1489 errichtete Kelter in Steinheim soll zum neuen Zentrum werden. Foto: avanti
Für sechs Millionen Euro will die Stadt Steinheim an der Murr (Kreis Ludwigsburg) mehrere Einrichtung an einem Ort zentrieren. Die beiden Museen und die Bibliothek sollen in die Kelter ziehen. Man verspricht sich eine Belebung der Innenstadt mehr Effizienz.
„Wir spielen ein Stück weit Tetris“, sagt Thomas Winterhalter. Der Bürgermeister von Steinheim an der Murr und sein Erster Beigeordneter Stephan Retter haben am Montag in einem Pressegespräch über die Innenstadtentwicklung und die Verschiebung diverser Einrichtungen informiert. Für sechs Millionen Euro soll die Kelter erneuert werden und künftig vielen Institutionen eine neue Heimat bieten.
Damit geht man im Rathaus ein grundlegendes Problem in Steinheim an. Die Stadt hat zwar viele Liegenschaften, diese stehen aber zu häufig leer. 40 Prozent der städtischen Immobilienflächen in der Innenstadt können derzeit nicht genutzt werden. Unter anderem, weil Sanierungen ausstehen oder die Räume nicht barrierefrei sind.
So soll die Kelter künftig aussehen. Foto: Visualisierung Sutter
Viele Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Die Auflagen des Denkmalschutzes schränken die Planung sowie die aktuelle und die zukünftige Nutzung ein, Bauvorhaben im Innenstadtbereich erfordern laut Winterhalter Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege. Erschwerend komme hinzu, dass im Bereich der Innenstadt geschützte Tierarten vorkommen, auch das Artenschutzrecht werde relevant. Bei einigen Flächen bestehe zudem der Verdacht auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg, zudem sei die Beschaffenheit des Baugrundes an vielen Stellen problematisch.
Mehr als 20 Liegenschaften untersucht
Die ineffiziente Nutzung der Gebäude koste die Stadt viel Geld, sagt Retter. Im Frühjahr 2023 hat die Stadt daher das Planungsbüro Sutter aus Freiburg mit der Erstellung eines Konzepts zur Stadtentwicklung beauftragt. Die Experten verschafften sich in Begehungen einen ersten Überblick über die betroffenen Gebäude, dazu gehören unter anderem das Rathaus, die Stadtbibliothek, die Kelter, das Gasthaus Lamm, die Alte Schmiede, das Backhaus und weitere Gebäude in der Badtorstaße. Insgesamt untersuchte das Planungsbüro mehr als 20 Liegenschaften.
Großes Potenzial wurde bei der Kelter in der Kleinbottwarer Straße ausgemacht. Das 1489 errichtete Gebäude soll das neue Herz des gesellschaftlichen Lebens in Steinheim werden. Vor rund 35 Jahren wurde das Gebäude letztmals saniert, seitdem wird es größtenteils als Lager genutzt. Die Stadt bewahrt im Erdgeschoss Baustelleneinrichtungen und das Vesperkärrele auf. Die beiden Dachgeschosse stehen Vereinen zur Verfügung und werden ebenfalls nur als Lagerfläche genutzt. Das soll sich nun aber ändern. Die Bücherei soll dort einziehen. Dafür soll der Anbau aufgestockt werden. Aktuell wird für die städtische Bibliothek ein ebenfalls sanierungsbedürftiges und nicht barrierefreies Gebäude gegenüber der Kelter genutzt, seit Kurzem ist dort zu allem Überfluss die Heizungsanlage defekt.
Saal mit 300 Sitzplätzen geplant
Geplant ist zudem, das Erdgeschoss der Kelter in einen multifunktionalen Saal mit bis zu 300 Sitzplätzen und angeschlossener Gastronomie umzubauen. Die Vereine sollen diesen Saal nutzen können und damit die Bürgersäle der Stadt obsolet machen, ebenso wie die Blankensteinhalle, die abgerissen werden soll. Das Urmenschmuseum und das Museum zur Kloster- und Stadtgeschichte sollen in den beiden Dachgeschossen untergebracht werden. Bislang sind die beiden städtischen Museen an zwei verschiedenen Orten. „Es ist wirtschaftlicher, sie in einem Gebäude zusammenzulegen“, sagt Winterhalter. Man habe sogar schon vermessen, dass in der Kelter Platz für den Urelefanten Steppi sei. Der Bürgermeister möchte durch die Verbindung mit der Bücherei auch die Öffnungszeiten der Museen verlängern. Man brauche dann kein doppeltes Personal mehr. „Wenn wir die jetzigen Standorte der Einrichtungen barrierefrei sanieren oder neubauen würden, käme uns das viel teurer als die sechs Millionen Euro, die als Kostenschätzung für die Kelter im Raum stehen“, sagt Stephan Retter.
Gegenwind von Senioren
Mit allen Nutzern sei der Umzug schon besprochen worden. Gegenwind gab es wohl von den Senioren, deren Treff auch in der Kelter aufgehen soll. Für Winterhalter aber ist das kein Grund, an seinem Vorhaben zu zweifeln. Die Gastronomie, aktuell ist das Klosterstüble im Anbau beheimatet, werde komplett erneuert. „Ob dann nach der Sanierung der aktuelle Betreiber ein Konzept vorlegt, bleibt ihm überlassen“, sagt der Bürgermeister. Ein Wechsel ist wohl für die Stadt durchaus wünschenswert auch weil die Gastronomie künftig in der Lage sein soll, Veranstaltungen im Saal zu bewirten.
Auch was mit den Gebäuden passiert, deren Einrichtungen künftig in die Kelter abwandern, hat sich die Rathausspitze schon überlegt. Die historischen Gebäude in der Innenstadt wie das Museum zur Kloster- und Stadtgeschichte oder das Büchereigebäude können anders genutzt oder beispielsweise über Erbbaurecht veräußert werden. „So kommt etwas Geld in die Kassen, was uns Freiwilligkeitsleistungen wie die Erhaltung der Museen und der Bücherei ermöglicht“, sagt Winterhalter. Gleichzeitig werden die Immobilien nicht endgültig verkauft, sondern langfristig verpachtet, sie bleiben also im Besitz und unter der Kontrolle des Gemeinderates und der Stadtverwaltung.
Die Stadt will den bisherigen Nutzern der Lagerflächen in der Kelter Alternativen anbieten. Läuft alles nach Plan, könnte 2027 die Kelter fertiggestellt werden.
Immobilien im Fokus
Eigenbetrieb Um die Innenstadtentwicklung voranzutreiben will die Stadt Steinheim an der Murr zum 1. Januar 2025 einen Eigenbetrieb gründen, der sich nach und nach den Immobilien der Stadt annehmen soll. Dabei geht es entweder um deren Sanierung, den Verkauf oder Abriss. So ein Eigenbetrieb habe ganz andere Möglichkeiten etwa was Fördermittel angehe, als die Kommune selbst, sagt Bürgermeister Thomas Winterhalter.
Erstes Projekt Der Eigenbetrieb soll zunächst die Kelterumgestaltung vorantreiben. Aber auch die Sanierung etwa des NKD-Gebäudes wäre eine Aufgabe für den Eigenbetrieb. Die jeweiligen Gebäude will die Stadt an den Eigenbetrieb übertragen. Zunächst werde dieser Minus machen. Ziel sei aber, dass er über Vermietungen etwa wirtschaftlich arbeite.