Museum für alle Böblingen verzichtet auf Eintrittsgeld für seine Museen

Umsonst und drinnen: Für den regulären Besuch der Böblinger Museen will die Stadt künftig keinen Eintritt mehr verlangen. Foto: Eibner-Pressefoto/Eky Eibner

Standardbesuche in Böblinger Museen sollen künftig kostenlos sein. Dafür will die Stadt aber bei Führungen jetzt mehr Geld verlangen. Böblingen folgt damit Sindelfingen – in der Region sind die beiden großen Kreisstädte aber eher die Ausnahme mit dem kostenlosen Eintritt.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Viel Geld ist es nicht, auf das die Stadt Böblingen da verzichtet. Die „Neufassung der Entgeltordnung für die Böblinger Museen“ wirkt sich kaum auf die Finanzen aus. Dafür erhofft sich Kulturamtsleiter Sven Reisch einen „psychologischen Effekt“ bei all jenen, die bisher der Eintritt von 2,50 Euro davon abgehalten hat, einmal einen Blick ins Bauernkriegsmuseum, Fleischermuseum oder in die Städtische Galerie zu wagen.

 

Der freie Eintritt gilt für Standardbesuche. Bei besonderen Veranstaltungen wie Vernissagen oder der Langen Nacht der Museen war der Zugang bereits zuvor schon immer kostenlos. Mit dem Ansatz „Museum für alle“ wolle man im Kulturamt aber keineswegs den Eindruck erwecken, dass ein kostenloses Angebot keinen Wert habe.

Führungen sollen künftig fünf Euro kosten

Aus diesem Grund sollen Führungen, Vorträge und Sonderveranstaltungen künftig mehr als die bisherigen 2,50 Euro Eintritt kosten – das gilt sowohl für die Böblinger Museen als auch für Stadtführen, Besichtigungen des Schlossbergstollens oder des Archivs. Für solche Angebote will die Stadt künftig fünf Euro verlangen und für Gruppenführungen 55 statt wie bisher 45 Euro.

„Eine angemessene Kostenbeteiligung spiegelt den besonderen personellen und finanziellen Ressourceneinsatz für diese Angebote wider“, sagt Sven Reisch. Außerdem schaffe man so einen Anreiz für die Museen, sich mit ihrem Einsatz selbst einen finanziellen Anteil zu erwirtschaften.

Wer unter 18 ist, noch zur Schule geht oder studiert, soll die Angebote weiterhin kostenlos nutzen dürfen, dasselbe gilt für Menschen mit Schwerbehindertenausweis oder dem Böblinger Familienpass. Auch die gewohnten Ermäßigungen für Mitglieder von Fördervereinen wie den Böblinger Museumsfreunden sollen bestehen bleiben.

Bis 2002 war der Museumseintritt grundsätzlich frei

Im Böblinger Verwaltungs- und Kulturausschuss stieß Sven Reischs Vorschlag auf breite Zustimmung. Die Änderung geht zurück auf die vor sieben Jahren beschlossene Museumskonzeption, in deren Rahmen Verwaltung und Gemeinderat sich auch die Gebührenordnung genauer anschauen wollten.

Als die Böblinger Museen vor mittlerweile rund 40 Jahren eröffnet wurden, war der Eintritt noch kostenlos. Im Jahr 2002 beschloss der Gemeinderat dann, zwei Euro Gebühr zu verlangen, vier Jahre später wurde der Betrag um 50 Cent erhöht. Als finanzieller Anreiz fließen davon zwei Drittel der Einnahmen ins Budget der jeweiligen Einrichtungen. Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie setzte die Stadt die Gebühren ein Jahr lang aus, seit Mai 2022 galten aber wieder die gewohnten Preise.

„Jede Stadt macht’s anders“, blickte Sven Reisch in der Sitzung über den Tellerrand hinaus. So sind beispielsweise in Sindelfingen sämtliche Besuche und Führungen in städtischen Museen kostenlos. In Esslingen und Ludwigsburg gelten dagegen unterschiedliche Bezahlmodelle. Der Verlust in Böblingen hält sich jedenfalls in Grenzen: Statt bisher rund 8000 Euro rechnet die Stadt jetzt mit knapp 5000 Euro jährlichen Einnahmen. Wenn durch den freien Eintritt ein paar mehr Leute ins Museum schnuppern, lässt sich dieser das aber sicher verschmerzen.

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