Museumsbilanz in Stuttgart Ritter und Autos begeistern Besucher

Von Moritz Clauß 

Die Pool-Position für die Giganten: Das Mercedes-Museum und das Porschemuseum liegen auch im vergangenen Jahr wieder bei der Gunst der Besucher an der Spitze. Andere Einrichtungen verzeichneten deutlich weniger Gäste als im Vorjahr, schwankende Besucherzahlen sind aber nicht ungewöhnlich.

876 109 strömten im vergangenen Jahr ins Mercedes Museum, das . . .  Foto: Lichtgut/Julian Rettig 23 Bilder
876 109 strömten im vergangenen Jahr ins Mercedes Museum, das . . . Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Das meistbesuchte Museum in Stuttgart war auch im vergangenen Jahr das Mercedes-Benz-Museum. Mit 876 109 Gästen schaffte es einen neuen Rekord. 60 Prozent der Besucher kamen aus dem Ausland, allein über zehn Prozent aus China. Auch der achtmillionste Besucher, He Dingding, ist Chinese. Dahinter folgte das Porschemuseum (442 056 Gäste). Die Stuttgarter Museumslandschaft hat aber mehr zu bieten.

Auf große Begeisterung stieß etwa die Landesausstellung „Die Schwaben“ des Landesmuseums Württemberg. Neben der Kulturgeschichte Schwabens ging es dort um Vorurteile – zum Beispiel um die viel zitierte schwäbische Sparsamkeit. Zu den Besuchermagneten zählte ferner die Mitmachausstellung „Die Ritter. Leben auf der Burg“. Kinder können dort noch bis zum 8. April erleben, wie die Menschen im Mittelalter aßen, arbeiteten und lebten. „Die Ausstellungen wurden extrem gut angenommen“, sagt Pressesprecherin Heike Scholz. 246 035 Gäste kamen ins Alte Schloss – über 45 000 mehr als 2016.

Staatsgalerie rutschte einen Platz nach hinten

Die Staatsgalerie rutschte hingegen mit 243 585 Gästen leicht unter das Ergebnis des Landesmuseums. Nach den großen Erfolgen in den zwei Vorjahren sieht das auf den ersten Blick nach einem krassen Einbruch aus. Allerdings lag das Ergebnis über dem von 2014 (221 580 Besucher). Die Besucherzahlen seien stark von einzelnen Ausstellungen und Jubiläen abhängig, erklärt Beate Wolf, Leiterin für Marketing und Kommunikation. In diesem Jahr aber gibt es wieder ein Jubiläum: Gefeiert werden 175 Jahre Staatsgalerie.

Auch ins Naturkundemuseum und ins Kunstmuseum kamen weniger Besucher als 2016. Denn damals feierte man mit den Ausstellungen „Naturdetektive“ und „I Got Rhythm. Kunst und Jazz seit 1920“ große Publikumserfolge. Beide Einrichtungen hatten 2017 hingegen mehr Besucher als 2014, von einem Abwärtstrend kann also keine Rede sein. Aktuell läuft im Naturkundemuseum die Sonderausstellung „baubionik – biologie beflügelt architektur“. Es geht um Architektur, die umweltfreundlich und optisch ansprechend sein soll. Im Kunstmuseum beginnt im Mai die Ausstellung „Mixed Realities“. Installationen sollen analoge und virtuelle Realität verbinden.

Sehr beliegt ist die Freitagsweinprobe

Das Weinbaumuseum war im Januar wegen Sanierungsarbeiten geschlossen, die Besucherzahlen sanken auf 14 108. „Insgesamt ziehen wir eine erfreuliche Bilanz“, sagt Leiterin Andrea Gehrlach. Sehr beliebt sei die Freitagsweinprobe, die wöchentlich in der Vinothek stattfinde.

Im Haus der Geschichte startete die Sonderausstellung über die 60er-Jahre erst Ende Dezember, sie spiegelt sich also noch nicht wirklich in der Zahl der 108 000 Besucher wider. „Die Ausstellung ist sehr erfolgreich angelaufen, in den ersten acht Tagen kamen über 2000 Menschen“, sagt Sprecher Joachim Rüeck. Besonders groß sei das Interesse bei denjenigen, die diese Zeit selbst erlebt hätten. Rückläufig war der Besucherandrang auch im S-21-Turmforum: „Immer mehr Menschen machen eine Baustellenführung statt das Turmforum zu besuchen“, erklärt David Bösinger, Pressesprecher des Vereins Bahnprojekt Stuttgart-Ulm. Allerdings steige die Nachfrage nach Gruppenführungen im Turmforum.

Den deutliches Zuwachs bei den Kleinen hatte das Stadtmuseum Bad Cannstatt

Gerade bei den kleineren Museen können schon ein, zwei Veranstaltungen im Jahr einen großen Unterschied machen: Im Feuerwehrmuseum wurde 2016 der damalige Landesbranddirektor Hermann Schröder verabschiedet. Im Landwirtschaftsmuseum fiel vergangenes Jahr eine Großveranstaltung ins Wasser, zu der an einem Schlechtwettertag kaum Menschen kamen. Beide Museen verzeichneten 2017 weniger Besucher als im Vorjahr. Bei der Straßenbahnwelt lief es umgekehrt: Die zweitägige Modell­bahn­ausstellung „Kleine Bahn ganz groß“ im Mai trug dazu bei, dass die Besucherzahlen im Gesamtjahr auf 14 000 anstiegen. Den deutlichsten Zuwachs konnte aber das Stadtmuseum Bad Cannstatt verzeichnen: 2017 kamen fast viermal so viele Gäste wie im Vorjahr. Der Grund: 2016 war das Museum ein halbes Jahr geschlossen, weil die Dauerausstellung neu gestaltet wurde.

Zumindest teilweise wieder mit von der Partie war 2017 das Wilhelmspalais. Nach dem Umbau war es an 35 Tagen geöffnet und lockte gleich 35 000 Besucher. „Die Stuttgarter haben ihren neuen Kulturstandort im Herzen der Stadt mit großem Interesse angenommen“, so Vesna Babic, Leiterin für Kommunikation und Marketing. Im April soll dort das neue Stadtmuseum eröffnet werden – aus dem Wilhelmspalais wird dann das Stadtpalais. Auch das Stadtlabor, in dem Kinder sich spielerisch mit Stadtplanung beschäftigen können, wird dort einziehen.

An eine Besucher-Attraktion kam übrigens auch im letzten Jahr nicht einmal das Mercedes-Museum heran: Der Zoologisch-Botanische Garten Wilhelma hatte 1,6 Millionen Gäste – 23 Prozent mehr als 2016.

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