Musical im Kulturhaus Arena Jeans sind tabu

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Benachteiligte Jugendliche lernen Tanzen: Im Dezember und im Januar führen sie im Kulturhaus Arena das Musical „East Side – West Side“ auf.

Ray Lynch studiert mit den Kindern die Tanzschritte e Foto: Heinz Heiss
Ray Lynch studiert mit den Kindern die Tanzschritte e Foto: Heinz Heiss

Hedelfingen/Wangen - Keine Jeans, keine Kaugummis und keine Schimpfwörter. Ray Lynch hat strenge Regeln für seine zukünftigen Musical-Stars aufgestellt. Bei der Premiere im Kulturhaus Arena in Wangen muss alles sitzen. 78 Kinder und Jugendliche führen „East Side – West Side“ auf – und zwar auf eine ganz eigene Art. Das Musical ist speziell für Kinder aus den Neckarvororten, die vom Jugendamt betreut werden, konzipiert worden. Es handelt sich um Kinder, die benachteiligt sind, im Heim oder bei Pflegeeltern leben. Viele von ihnen haben Probleme in der Schule.

Im September fand ein Casting statt - und alle dürfen seitdem mittanzen. „Ich bin jedes Mal wieder überrascht, wie gut die Arbeit mit den Kindern läuft“, erzählt Volker Kümmel, Projektleiter des Musicals und Mitarbeiter beim Jugendamt in der Abteilung Erziehungshilfe. Er kümmert sich um die organisatorischen Dinge, während der Tänzer und Tanzlehrer Ray Lynch verantwortlich für Choreographie, Kulisse und die Kostüme ist.

Das Musicalprojekt ist im Jahr 2005 vom Jugendamt initiiert worden, seitdem haben die Kinder fast jedes Jahr ein Stück im Winter aufgeführt. Jedes Jahr machen mehr Jungen und Mädchen mit. Inzwischen gibt es einen Chor, eine Band und eine Filmgruppe. „Es ist sehr unterschiedlich, was die Kinder da rausziehen, auf jeden Fall lernen sie nicht nur Tanzen und Singen“, meint Kümmel. „Durch die professionellen Tanzlehrer merken die Kinder, dass es was Ernstes ist und strengen sich an.“ Von vielen Schulen habe er die Rückmeldung bekommen, dass sich auch das Lernverhalten der Kinder verändert habe: „Viele spüren zum ersten Mal, dass es lohnt, sich anzustrengen.“

Der zehnjährige Carlos ist fast schon ein alter Hase im Musical-Geschäft. Zum vierten Mal ist er jetzt dabei. Deshalb spielt er dieses Mal den Anführer von einer der Banden. „Ich mag Tanzen und die Aufführungen machen mir Spaß“, so Carlos. Nur den Film von der Aufführung schaut er sich nie an. „Ich muss mich nicht selber sehen“, sagt der Zehnjährige.

„East Side – West Side“ hat Volker Kümmel eigens für die Kinder umgeschrieben, angelehnt ist das Stück an die „West Side Story“. In dem Stück kämpfen zwei Straßengangs gegeneinander, die Sharks und die Jets. Im Original sterben auch Menschen. Doch das Musical soll kindgerecht sein: „Um das Ganze aufzulockern, haben wir noch eine dritte, lustige Gruppe dazugenommen“, sagt Kümmel. Die kleinsten Kinder spielen die Snaps, die fröhliche Gruppe, die alles von der humorvollen Seite sieht. Den Kleinen gelingt es, den Streit zwischen den Gangs Sharks und den Jets zu schlichten, die von Sieben- bis Zehnjährigen gespielt werden. Jedes der Kinder singt dabei einen Satz aus dem Lied „Somewhere“, dem Traum von einer besseren Zukunft.

Ray Lynch probt mit den Kindern einmal die Woche. Zunächst üben die einzelnen Gruppen für sich, am Ende führt er alles zu einem Stück zusammen. „Das Besondere an meiner Arbeit hier ist, dass die meisten Kinder nicht einmal wissen, was ein Musical ist“, erzählt der gebürtige Amerikaner Lynch. Stolz ist er darauf, dass die Kinder so engagiert mitmachen und sich auch an seine Regeln halten. „Alle Kinder haben irgendwelche Probleme, für knapp zwei Stunden die Woche können sie das komplett vergessen“, so Lynch. „Das Musical ist deshalb jedes Jahr wieder ein tolles Erlebnis für die Kinder.“

Termin Die Aufführungen sind am 18. Dezember und am 15. Januar um 16 Uhr, im Kulturhaus Arena. Karten können unter der Rufnummer 0711/ 216-1540 bestellt werden.
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