Musical „Simply the Best“ in Stuttgart So wild wie die echte Tina Turner

Dorothea Fletcher als Tina Turner Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Die Show „Simply the Best“ erzählt im Beethovensaal die Lebensgeschichte eines Superstars mit Leidenschaft und viel guter Musik.

Zuerst die Musik, dann das Leben. Dorothea Fletcher ist Tina Turner am Montagabend im Beethovensaal der Liederhalle, sie singt deren Hits mit Seele, Energie und rotem Paillettenkleid – bis ein Impresario auf die Bühne kommt und zu erzählen beginnt: vom großen Erfolg, von den Anfängen. Dann ist Tina wieder Anna Mae Bullock, steht an der Bühnenseite und staunt den Bluesgitarristen Ike Turner an. Bald schon ist sie seine Frau; bald schon singt sie „River Deep – Mountain High“ und „Nutbush City Limits“.

 

Dorothea Fletcher, Mitte 30, geht auf in der Rolle in dem Musical „Simply the Best“, das nun auch in Stuttgart zu sehen ist. Fletcher spielt Turner in allen Stationen ihrer Karriere mit Leidenschaft, starker Stimme – und kommt dem Original dabei so nahe, dass die 82-jährige Turner Klage erhob, ihre Persönlichkeitsrechte verletzt sah. Ein erstaunliches Kompliment.

Das Musical konzentriert sich auf Tina Turners Musik

Mit der Pause kommt die Trennung von Ike Turner. Am 7. November 1974 noch traten beide in der Stuttgarter Liederhalle auf, wenige später tingelt Tina Turner als Solistin durch die Clubs. 1984 schafft sie, was keiner vor ihr gelang: Mit 45, als Mutter mehrerer Kinder und Afroamerikanerin, wird sie zum größten weiblichen Rockstar der 80er Jahre.

Tina Turners Geschichte könnte viel erzählen, über den offenen und latenten Sexismus und Rassismus der Unterhaltungsbranche jener Jahre – das Musical tut es nicht, dankbarer Weise, konzentriert sich auf die Musik, gibt Raum seiner fantastischen Hauptdarstellerin und den nicht weniger überzeugenden Musikern, die sie begleiten.

Martin Krebs wandelt sich vom singenden Clubbesitzer in verschiedene Manager und Showmaster, auch in Dieter Thomas Heck. Alte Schlagzeilen tauchen auf: 1971 war Deutschland „schockstarr“, angesichts der prallen Erotik, die Tina Turner ins schwarz-weiße Fernsehen brachte. Und Dorothea Fletcher, die die Gabe besitzt, sich in Tina Turner zu verwandeln, feiert das Finale dieser Show mit „Proud Mary“: „We always do it nice and rough“, sagt sie, lacht – und hält ihr Versprechen.

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