Die Freuden des Alltags scheinen manchmal ganz klein zu sein. Ein gutes Wort, eine schöne Stimme, Musik. Als zu Beginn der Pandemie das öffentliche Leben nahezu zum Erliegen kam, gab es viele solcher Mutmachermomente. So ist auch das entstanden, was derweil nahezu eine Mission ist: die Besuche zweier Männer mit Musik in Pflegeheimen des Landkreises.
Eberhard Zipperers Musikprojekt steckt voller Herzblut. Am Wohnzimmertisch seines Hauses in Altdorf erzählt der 54-Jährige von den Anfängen seiner besonderen Aktion, bei der er Senioren mit seiner Musik eine Freude bereiten und zugleich Gott loben will. Begleitet wird Eberhard Zipperer auf seinen Pflegeheimbesuchen von seinem Nachbarn Gerd Krohne. Der eine spielt, der andere singt. Zusammen sorgen sie für ein Lächeln in alten Gesichtern.
Die Idee entstand während der Coronapandemie
Musik hat für Eberhard Zipperer schon immer eine Rolle gespielt. Seit 45 Jahren spielt er Flügelhorn im Posaunenchor der evangelischen Kirche Altdorf, wo auch schon sein Vater und sein Opa Mitglied waren und nun ebenfalls seine drei Söhne Mitglieder sind. „Entstanden ist die Idee, für ältere Menschen Musik zu machen, in der Coronazeit vor zwei Jahren“, erzählt Zipperer. Als sein jüngster Sohn seinen ersten Jungbläserunterricht nach zwei Monaten aufgrund der Coronaeinschränkungen einstellen musste, habe es den öffentlichen Aufruf gegeben, jeden Abend um 19 Uhr das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ auf seinem Grundstück oder von seinem Balkon aus zu spielen. „Ich motivierte meinen Sohn dazu und begleitete ihn auf dem Flügelhorn, um ihn zu unterstützen. Dabei lernte ich auch, andere Stimmlagen einzuüben“, erzählt Zipperer. „Wir haben das Ritual damals fest in unseren Tagesablauf eingebaut. Das war eine schöne gemeinsame Sache“, sagt er.
Die gesamte Nachbarschaft genießt damals den musikalischen Gruß. Ein ganzes Jahr lang. Dann ließ die Motivation bei seinem Sohn etwas nach. Für Zipperer war es eine Aufgabe geworden. „Ich habe dann einfach alleine weitergespielt“, sagt er. Schließlich kam sein Nachbar Gerd Krohne auf die Idee, zur Musik des Flügelhorns zu singen. Der 62-Jährige, der bei einem Industrieunternehmen arbeitet, hatte lange Zeit in einem Ensemble gesungen, daher fiel es ihm nicht schwer, alleine zu singen. Zipperer: „Wir sind dann in ganz Altdorf umher gegangen und haben jeden Abend wo anders Choräle gespielt, auch vor den Pflegeheimen, und sind so mit den Leuten ins Gespräch gekommen.“ Neben seinem Beruf als Versandleiter schafft er noch in der Landwirtschaft und kümmert sich um seinen Wald.
Die Ehrenamtlichen stecken viel Herzblut in ihr Projekt
Mittlerweile sind die Musiker regelmäßig freitags in Altdorf unterwegs, spielen Choräle, und besuchen samstags und sonntags unangekündigt und unentgeltlich Pflegeheime. „Wir spielen ein paar Lieder und gehen wieder“, sagt Gerd Krohne. Manchmal hat er auch noch einen passenden Bibelvers zur Hand, wenn er mit den älteren Menschen ins Gespräch kommt. „Viele Senioren werden ruhiger, wenn sie die Musik hören, andere singen mit, weil sie sich an den Text erinnern“, erzählt Zipperer. Die beiden Männer bekommen viele positive Rückmeldungen – auch vom Pflegepersonal. Knifflig wird es nur, wenn die Räume zu heiß sind. Dann tue er sich schwer, leise auf seinem Flügelhorn zu spielen, ohne dabei Atemnot zu bekommen, sagt Eberhard Zipperer und lacht.
Der Musiker hat noch eine weitere Mission: „Ich möchte für meine Kinder und die Jugend ein Vorbild sein. Es ist wichtig, dass man etwas für sein Dorf macht“, sagt er, „das, was man für andere tut, kann einem niemand nehmen“, fügt Gerd Krohne hinzu.
Weihnachtsmarkt in der Scheune
Termin
Am Samstag, 16. Dezember, von 10 bis 18 Uhr lädt die Familie Zipperer zu ihrem dritten Weihnachtsmarkt in ihre Scheune in der Hildrizhauser Straße 4 ein. Im Anschluss findet ein Weihnachtssingen statt.
Angebot
Neben Apfelsaft, Quittengelee, Walnüssen, Honig, Schnaps uns selbst gebackenen Hefezöpfen, gibt es weihnachtliche Glasanhänger, hübsche Näharbeiten, selbst gemachte Krippen sowie besondere Faltkunst und Sterne aus Papier. Auch der Altdorfer Schwibbogen ist erhältlich. Die Jugend sorgt für das leibliche Wohl. (va)