Wenn Raphael Kilpper über Musik spricht, dann kommt er aus dem Erzählen kaum wieder heraus. Viel zu sagen hat der 26-jährige Weissacher, der unter dem Künstlernamen Zeitrapha seit 2020 Musik veröffentlicht – und mit seinen Songs auf der Streamingplattform Spotify monatlich über 16 000 Menschen erreicht. „Ich habe lyrisch einen unglaublich großen Output“, sagt der Musiker über sich selbst. Vier oder fünf Werke bringt er pro Woche auf Papier, wenn es gut läuft. In den sozialen Medien postet er Ausschnitte davon, hinterlegt damit schick produzierte, kurze Clips oder präsentiert sich ganz reduziert – nur Raphael, Mikrofon, Gitarre.
Musikalisch nicht festgenagelt
Musikmachen, das bedeute für ihn die Möglichkeit, mit Texten und Melodien eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. „Musik ist nichts anderes als der Ausdruck von bestimmten Gefühlen“, sagt er. In seinen Songs geht es um nächtliches Umherwandern in dunklen Städten, um Ängste, ums Feiern oder um den verlorenen Funken in Beziehungen. „Wenn wir zusammen sind, ist alles nur Kleinkram, diesen Moment will ich einrahmen“, singt er auf einer Single von 2022 zu ruhigen Tönen.
Anders kann Raphael Kilpper aber auch: „Zum Beat“ fährt mit flottem Bass und Partystimmung auf. Überhaupt will sich der Weissacher in Sachen Musikstil nicht festlegen. „Ich bin stilistisch sehr offen“, sagt er. Seine Texte und Flows seien oft eher von Hip-Hop inspiriert. Indie, Pop, auch mal Drum and Base oder ein bisschen Techno sind in seinen Werken aber ebenso zu hören. Für Raphael eine ganz bewusste Entscheidung – es gibt einfach viel Musik, die ihn inspiriert, sagt Zeitrapha. Ein großes musikalisches Vorbild hat er dabei nicht: „Mir ist wichtig, etwas zu machen, das mir selbst gefällt.“
Das Jugendzimmer ist Tonstudio
Aufgewachsen ist Raphael Kilpper in Weissach, inzwischen wohnt er in Flacht. In seinem Jugendzimmer steht sein kleines Tonstudio, in dem er nicht nur seine eigenen Werke zur Vollendung bringt, sondern als Tontechniker und Sound-Engineer selbstständig Aufnahmen, Mixing und Mastering für andere Künstler übernimmt. Viel davon passiert mit dem Keyboard, das nicht nur als Kavier fungiert, sondern auch als Bass, Schlagzeug oder Chor. Die grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Musikproduktion nennt Kilpper das. Songs schreiben, aufnehmen, Marketing, etwa in sozialen Medien – vieles, was zum Musikerdasein dazugehört, macht Raphael bisher in kompletter Eigenregie.
Dass er Musik machen möchte, das sei ihm schon früh klar gewesen. Er nahm Klavierunterricht, etwas Gitarre hat er sich selbst beigebracht. Mit 16 Jahren motivierte ihn ein Freund, auch eigene Songs zu schreiben. Und fast gleichzeitig begann er, sich in den Tonstudios der Stuttgarter Jugendhäuser auszutoben, anfangs noch mit den Betreuern vor Ort. „Da habe ich alles aufgeschrieben, was mir erzählt wurde“, erzählt er. Noch heute würde er viel vom Kontakt zu anderen Kreativen profitieren, auch wenn am Ende nur sein Künstlername unter einem Werk steht. „Auch wenn ich viel alleine mache, bin ich kein Einzelkämpfer“, so der 26-Jährige.
Der große Traum: von der Musik leben
Zwar ist der gelernte Werkzeugmechaniker viel mit der Musik anderer Menschen beschäftigt. Inzwischen will er sich aber selbst noch mehr als eigener Künstler aufstellen. „Sonst habe ich das Gefühl, dass meine eigene Kreativität auf der Strecke bleibt.“ Hauptberuflich verfolgt er sein Künstlerdasein noch nicht. „Mir ist wichtig, mir die Freiheit zu erhalten, Musik machen zu dürfen, nicht zu müssen.“ Seine Hörerschaft auf Spotify ist nach seinen eigenen Angaben über die Jahre aber stetig gewachsen. „Es fängt gerade an, spannend zu werden.“
Trotzdem: Den großen Traum, irgendwann nur von der Musik leben zu können, hat er. Gerade nimmt er etwa an einem Contest teil, bei dem Nutzer auf den sozialen Medien zehn Nachwuchskünstler liken können – die fünf mit den meisten Gefällt-mir-Angaben dürfen dann auf der Newcomer-Bühne des Kessel-Festivals in Stuttgart auftreten. Für Raphael Kilpper wäre das nicht nur Plattform, sondern auch „eine Möglichkeit, ausleben zu können, dass man Musik für die Leute macht“. Seine dunkelsten und hellsten Momente mit dem Publikum zu teilen: für Raphael immer ein „Gänsehautmoment“.
Wer sich Zeitraphas Musik anhören möchte, findet ihn auf Spotify unter: Zeitrapha, auf Youtube unter: @zeitrapha89 und auf Instagram unter: @_zeitrapha_