Musikfest Stuttgart Außergewöhnliches Konzert mit Masaa

Ganz außergewöhnliches Konzert: Masaa im Landesmuseum Foto: Bachakademie/Holger Schneider

Jazz, Folklore, Chanson in ganz eigenwilliger Form: Die Jazzpreisträger Masaa sind beim Musikfest Stuttgart im Landesmuseum aufgetreten.

Rabid Lahoud, Sänger von Masaa, rezitiert und übersetzt die Zeilen eines Liedes für sein Publikum, ehe er dieses Lied schließlich singt, am Dienstagabend: „Wenn du mir in die Augen schaust, sieht du die unendlichen Landschaften meiner Seele, und in diesen Landschaften sind du und ich frei.“

 

Lahouds Musik zu hören und ihm in die Augen zu schauen, muss eines sein. „Herzlicht“ ist der Titel dieses Stücks, und sein vollständiger Text, sagt der Sänger, sei längst verloren gegangen, in den Klängen. Rabid Lahoud singt auf Arabisch, er beginnt mit langen melodischen Phrasen, die schweben, sich wandeln, ehe die Band einsetzt – Reentko Dierks zuerst, an der Gitarre, Marcus Rust dann, am Flügelhorn, Demian Kappenstein schließlich, zurückhaltend, mit Percussion.

Ungewöhnliche Stimme

Masaa begegneten sich zuerst in Dresden und Rostock, treten seit zehn Jahren gemeinsam auf und wurden 2021 mit dem deutschen Jazzpreis ausgezeichnet in der Kategorie Album Vokal des Jahres. Sie sind nun zu Gast beim Musikfest Stuttgart, spielen im gut besuchten Landesmuseum, stellen dort auch ihr jüngstes Album vor, „Beit“.

Die menschliche Stimme steht im Mittelpunkt des Musikfestes, und Rabid Lahouds Stimme ist ungewöhnlich in vieler Hinsicht: Ausdrucksstark und fein liegt sie im Raum, gleitet, steigt auf, eröffnet durch kleinste Nuancen neue emotionale Räume. Der Sänger selbst bewegt sich zwischen den Musikern von Masaa hin und her, singt ganz eingebunden in ihr Zusammenspiel, im steten Dialog mit ihren Instrumenten. Und wie diese Band aufgestellt ist, wie sie sich der Fusion von Ost und West nähert, Jazz, Folklore, auch den Chanson in einer ganz eigenwilligen Form verbindet, zwischen ruhiger Intensität und explosivem Temperament – das allein ist schon sehr außergewöhnlich.

Zugabe am Bühnenrand

Reentko Dierks spielt seine zweihalsige Akustikgitarre mit einem schnellen, virtuosen Anschlag, treibt die Musik von Masaa gemeinsam mit Demian Kappenstein Höhepunkten entgegen; Rabid Lahouds Gesang, Marcus Rusts Flügelhorn überführen sie in ruhige, lyrische Momente. Jedes Stück von Masaa wirkt wie ein weitgespanntes Netz aus feinen und energischen Klängen, in dem sich kaum Fassbares verfängt. Und Rabid Lahoud lädt ein, zu einem „Freedom Dance“, liest Zeilen aus seinen Liedern wie Gedichte. Zweimal kehren Masaa zurück, mit Zugaben; sie beenden ihr Konzert mit einem schlichten Stück in französischer Sprache, spielen es sitzend am Bühnenrand.

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