Musikverein Kirchberg Ein Jahrhundert lang die Musikkultur gepflegt
Mit einem Jubiläumskonzert feierte der Musikverein Kirchberg/Murr seinen 100. Geburtstag. Die Jugendarbeit wird großgeschrieben.
Mit einem Jubiläumskonzert feierte der Musikverein Kirchberg/Murr seinen 100. Geburtstag. Die Jugendarbeit wird großgeschrieben.
Der erste Beifall für ein Musikstück galt den Kleinsten. Als die neun Kinder der Bläserklasse des Musikvereins Kirchberg „Au clair de la Lune“ angestimmt hatten, frisch-fröhlich von ihnen selber moderiert, da klatschten die knapp 300 Besucher. Der charmante Auftakt eines großen, schwungvollen und hochklassigen Jubiläumskonzerts: Der Musikverein feierte am Samstag in der Kirchberger Gemeindehalle seinen 100. Geburtstag. Ein ganzes Jahrhundert lang haben mehrere Generationen die Musikkultur an der Murr gepflegt.
Gerade die Förderung des Nachwuchses schreiben die Kirchberger Musiker groß. „Die Jugendarbeit ist uns sehr wichtig, sie ist ein Standbein“, sagt Ilona Teschke, die als erste Frau den Verein seit 2021 führt. Der Musikverein bietet unter anderem musikalische Früherziehung an, in Kooperation mit der Kirchberger Musikschule Berger. Seit 2010 gab es eine Bläserklasse an der Grundschule. Später, als die Nachfrage sank, bot der Verein eine solche Klasse in Rielingshausen an; heute existiert wieder eine Bläserklasse in Kirchberg.
Den beiden Jugendorchestern gehörten beim Festkonzert die ersten Auftritte. Nach den Grundschülern hob sich der Vorhang für die Music Kids, wie die Bläserklasse geleitet von Christoph Gruninger. Die Nachwuchsbläserinnen und -bläser spielten einen flotten Sound, einen Marsch sowie die Filmmelodien Fluch der Karibik und In geheimer Mission, und sie bekamen verdienten Beifall dafür.
Immerhin sind inzwischen im Hauptorchester vier junge Leute dabei, die aus einer Bläserklasse kommen. In den Orchestern herrscht Harmonie auch zwischen Alt und Jung. „Der älteste bei uns ist 85,“ sagt Ilona Teschke. „Und unsere Jüngste ist grade 15.“ „Musik kann man sein ganzes Leben lang machen“, betont die Vorsitzende.
Auch Kirchbergs Bürgermeister Frank Hornek hob in seinem Grußwort unter anderem „die sehr gesunde Altersstruktur“ hervor, bescheinigte dem Verein „hohes Niveau“, dieser stünde in seinem 100. Jahr „vital und erfolgreich“ da. Der Schultes wies auf die ungewöhnliche Kontinuität der Dirigenten in Kirchberg hin: Hugo Wägerle übernahm 1969 die Leitung und schwang 40 Jahre lang den Taktstock, sein Sohn Holger Wägerle ist Dirigent seit 2010, das sind also 55 Jahre Konstanz in den Orchestern.
Norbert Renz, Vorsitzender des Vereins von 1995 bis 1998, nahm die Besucher mit auf eine humorvolle Reise durch 100 Jahre Musikgeschichte in Kirchberg. Am Anfang, 1924, standen ein paar Mitglieder des damaligen Kriegervereins, die eine Musikkapelle gründeten. Der erste Dirigent, Ernst Wahl, übernahm die Leitung und bildete die Bläser aus. In einen schnelleren Takt kam die Kapelle nach dem Ende des Weltkriegs. 1954 wurde sie in einen Verein umgewandelt. 1958 spielte zum ersten Mal eine Jugendkapelle auf. Der Musikverein hat sich in den Jahrzehnten seitdem enorm entwickelt und ist aus dem Ortsleben nicht mehr wegzudenken. Seine Posaunen, Tuben, Trompeten, Saxofone, Klarinetten und Querflöten erklingen zur Eröffnung der Bürgerfeste oder zu den traditionellen Jahres- und Weihnachtskonzerten, und nicht nur da.
Stolz ist der Verein auf sein Musikerheim: Die ehemalige Diskothek Quatro wurde umgestaltet und 1988 als neue Heimat für die Musiker eröffnet. Seitdem musste immer wieder etwas neu- und umgestaltet werden, ein Musikpavillon wurde aufgebaut, vieles in Eigenarbeit verbessert oder renoviert. Auch die „Corona-Zeit wurde gut überstanden,“ so Norbert Renz in seinem Rückblick. Heute steht der Musikverein gut da: „Wir haben rund 300 Mitglieder,“ sagt Ilona Teschke. Davon sind rund 55 im Hauptorchester aktiv.
Und was dieses Orchester alles kann, mit welchem Engagement die Männer und Frauen gute Musik machen, das zeigten sie dann im Konzert: Unter der Leitung von Holger Wägerle, moderiert von Annette Pauleit, erzählte das Orchester verschiedene Geschichten, mit Noten und mit schwungvollen, emotionalen oder dramatischen Melodien. Für tolle Stimmung sorgte der Florentiner Marsch von Julius Fucik, quirlige Vielfalt verbreitete die Ouvertüre des Zigeunerbarons von Johann Strauß. In mystische, dramatische Stimmungen führte Andrew Lloyd Webbers Phantom der Oper, echtes Music-Hall-Feeling kam auf mit Frank Sinatra Classics wie I did it my way. Begeisterter Beifall belohnte die starken Leistungen der Musiker, und es gab einige Zugaben. Zum Schluss sang das Vokal-Trio des Orchesters, Luisa Knoll, Susanne Knoll und Marina Wahl, gefühlvoll „The Rose“.
Der Musikverein wird im Jubiläumsjahr weiter für Schwung und gute Unterhaltung im Kirchberger Ortsleben sorgen. Er lädt wieder wie alle Jahre ein zu den Maihocketsen am Maifeiertag und an Himmelfahrt (Vatertag), jeweils ab 11 Uhr auf dem Musikerheimgelände. Am 10. Mai gibt es eine Rocknacht mit Safir, am 12. Mai ein Jubiläumsfest mit Ökumenischem Gottesdienst und Festumzug. Nicht zu vergessen auch das Sommerkonzert am 20. Juli sowie das Jahreskonzert am 21. Dezember.