Musikverein Marbach Trotz 125 Jahren: der Verein ist so jung wie nie

Das Jahreskonzert war für das Jugendorchester des Musikvereins Marbach der Auftakt für 2024 Foto: Mostbacher-Dix

Die Stadtkapelle des Musikvereins Marbach geht auf das 125. Jahr ihres Bestehens zu. Die Jugendarbeit trägt inzwischen Früchte. Danach hat es nicht immer ausgesehen.

Die Läufe und Triller, die die Solistinnen Leonie Häusler und Sophie Horschitz leidenschaftllich ihren Querflöten entlocken und nach einem dramatischen Percussionswirbel in einen filmreifen Bläsersatz münden, lassen eine magische Welt vor dem inneren Auge entstehen. Die „Celtic Flutes“ von Kurt Gäble, der auch die Musik zu „Der blaue Planet“ komponierte, erzählen vom Leben, von Liebe und Leid, von Freude und Hoffnung.

 

Ein monumentales Werk, mit dem – und mit anderen Stücken – auf ihrem Jahreskonzert die Stadtkapelle des Musikvereins Marbach die Zuhörer in ihren Bann zog, dynamisch dirigiert von Thomas Conrad. Das Jugendorchester tat das Seinige, intonierte Melodien aus dem Film „Harry Potter and the Goblet of Fire“ oder „Jai Ho“ aus „Slumdog Millionaire“, gefühlvoll dem Taktstock von Tatiana Kuhnle folgend, ihrer musikalischen Leiterin. „Ja, unsere Bandbreite ist groß“, betont Annette Greiner, seit 2022 Erste Vorsitzende Stadtkapelle-Musikverein Marbach. „Wir spielen von Polka und Radetzky-Marsch über Klassik und Musical bis Pop, können von Konzertsaal bis Festzelt, was die Literatur hergibt und was passt.“ Und schmunzelnd fügt sie hinzu: „Interessanterweise lieben es die Jugendlichen, auch mal eine Polka zu spielen.“

Dabei war der Nachwuchs eine Zeit lang das Sorgenkind des Musikvereins. Als Greiner 1995 dazustieß, habe es eine tolle Jugendarbeit gegeben, auch sie habe sich dort engagiert. „Dann drohte der Verein irgendwann zu überaltern, wie es vielen so ergeht; es gab kein Jugendorchester mehr, also wurden wir aktiv.“ Die Vorstandschaft wurde neu aufgestellt.

Jugenddirigentin ist entscheidender Faktor

Als dann noch vor etwa acht Jahren die jetzige Jugenddirigentin und –leiterin Tatiana Kuhnle gewonnen werden konnte, sei das mehr als ein Glücksfall gewesen. „Sie hat die Jugendorchester aufgebaut mit wahnsinnig viel Engagement“, sagt Greiner. Auch während der Coronazeit habe Kuhnle alle bei der Stange gehalten, online Orchesterproben und Unterricht gegeben. „So manche haben da ihre Liebe zur Musik entdeckt.“ Fast 50 Kinder und Jugendliche habe der Marbacher Musikverein nun wieder in Ausbildung, schwärmt sie. „Wir haben supertolle Lehrkräfte, die sich über das Maß hinaus engagieren. Wir sind stolz auf unser Team, da ist viel Bewegung reingekommen.“

Foto: Mostbcher-Dix

So sei etwa vergangenes Jahr wieder eine Bläserklasse mit 29 Schülerinnen und Schülern ins Leben gerufen worden in Kooperation mit der Grundschule. „Ab der dritten Klasse kann man mitmachen, in Einzelfällen früher. Seit etwas mehr als einem Jahr bieten wir auch musikalische Früherziehung.“ Und für das Dazwischen plane man eine Blockflöten-AG, als Verbindung zur Vorschule. „Die Instrumente kann man mieten, wir beraten, nennen Adressen. Beim Kauf eines Instruments wird die Miete angerechnet.“

Die aktive Jugendarbeit des Vereins zahlt sich nicht nur musikalisch für alle Seiten aus, sondern auch in Sachen Unterstützung auf verschiedenen Ebenen. „Nun haben wir auch einen größeren Pool an engagierten Eltern, die helfen, wenn es um die Vorbereitung von Festen oder auch mal auf Leitern steigen muss, um Lampen aufzuhängen.“ Nach Corona habe sich dieses Engagement gar noch verstärkt, weil alle so froh waren, endlich wieder zusammenkommen zu können.

Wie viele Mitglieder zählt der Musikverein

Fast 250 Mitglieder zählt der Musikverein Marbach nun, 35 Musikerinnen und Musiker die Stadtkapelle. Darunter auch Annette Greiner, die seit ihrer Kindheit Querflöte spielt. „Eigentlich war mein erstes Hauptinstrument das Klavier. Aber das kann man so schlecht mit sich tragen“, sagt lachend die 52-Jährige, die in den 1990ern des Berufs wegens aus Albstadt in den Raum Ludwigsburg zog, nun in Kleinbottwar lebt. „Wo kann man seinem Hobby nachgehen und am besten Leute kennenlernen? Im Musikverein.“ Dort traf Greiner denn auch ihren Mann – und freilich spielen ihre Kinder Instrumente. Apropos, einen Kindheitstraum konnte sie sich im Verein zudem erfüllen: Sie lernte Oboe – nach dem Saxofon. „Das spielte ich tatsächlich auch mal. Da griff ich zu, als ich bei den Trompeten saß und meine Flöte nicht hörte.“ Dann aber fehlte letztere, nachdem Greiner aus der Kinderauszeit kommend wieder ins Orchester einstieg. „Also landete ich bei der Querflöte“, sagt sie lachend und beschreibt, dass ein Mal pro Woche alle Orchester probten. Dazu komme freilich üben, üben, üben, so die Multinstrumentalistin. Ihr Amt als Vorständin? Nehme bis zu zehn Stunden wöchentlich ein. „Aber ich wäre nichts ohne mein Vorstandsteam. Was mich motiviert, ist das rege Miteinander, die wachsende Bereitschaft aller, etwas beizutragen. Wer eine Idee hat, bringt sich ein. Auch die Kinder- und Jugendarbeit ist mega und macht Spaß.“ Da gehe es neben der Musik auch um Spiel, Spaß und Sport. „Wunderbar, wenn man sieht, wie der Nachwuchs da reinwächst, dranbleibt, etwa in der Jugendkapelle und bei den Aktiven spielt.“

Musikverein plant viele Feste

Nun so freuen sich alle nach dem Jahreskonzert, dem musikalischen Auftakt für 2024, auf das Frühlingsfest Mitte April. „Wir planen wieder Bergfeste.“ Das Highlight sei das jährliche Weihnachtskonzert, das in diesem zum 100. Mal stattfindet. Und ein weiteres Jubiläum steht an. Die Stadtkapelle ist im Countdown zum 125. Jahr ihres Bestehens: Am 12. November 1900 wurde sie von acht Musikern in Marbach gegründet.

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