Stadtkind Stuttgart

Mutterstadt-Comeback mit Nina Wagner Der Traum vom eigenen Friseursalon

Von Laura Müller-Sixer 

Nach vier Jahren München zog es Nina Wagner in die Heimat zurück. Nun hat die 28-Jährige ihren ersten eigenen Salon an der Liststraße eröffnet. Uns hat sie verraten, was es mit der Traumlocation auf sich hat und wie sie Stuttgart wieder für sich entdeckte.

In der Mutterstadt erfüllte sich Nina Wagner ihren Traum vom eigenen Friseursalon. Foto: Sergej Stahlbaum 5 Bilder
In der Mutterstadt erfüllte sich Nina Wagner ihren Traum vom eigenen Friseursalon. Foto: Sergej Stahlbaum

Stuttgart – „Oft merkt man erst, wenn man woanders war, was man aneinander hat.“ Das hat schon Max Herre gesagt. Auch Nina Wagner kann diesen Zeilen nur zustimmen. Über die Weinsteige in den Kessel hinunterzufahren sei für sie wie nach Hause kommen: „Es bleibt eben die erste Liebe.“ Um genau das zu erkennen, benötigte es jedoch räumlichen Abstand und genügend Zeit. So entschied sich Nina vor vier Jahren für den Umzug in die bayrische Hauptstadt: raus aus der Komfortzone, rein in den neuen Job. „Nach meinem Friseurmeister wollte ich einfach etwas Anderes sehen und einen neuen Spirit erleben.“

Erfahrung sammeln in München

Im Friseurberuf verfolgte Nina schon immer eine umweltbewusste Philosophie. Auf pflanzliche Inhaltsstoffe und Nachhaltigkeit legt sie besonders großen Wert. Nicht nur deswegen fühlte sie sich im Aveda-Salon ihrer damaligen Chefs im Münchner Glockenbachviertel sofort wohl. Sie genoss die lässige Atmosphäre im Team und lernte handwerklich viel dazu: „Ich traf auf jahrelange Berufserfahrung und musste mich natürlich erst einmal beweisen. Dadurch durfte ich aber ein ganz anderes Arbeiten kennenlernen.“ Den Traum von der eigenen Selbstständigkeit verlor sie dabei nie aus den Augen: „Der Entschluss stand für mich schon seit meiner Ausbildung fest. Ich fühlte mich nur noch nicht bereit dafür.“

„Es ist schön dich zu sehen, Love, hab' dich vermisst.“

Lang hielt es die gebürtige Stuttgarterin jedoch nie ohne ihre Mutterstadt aus. Immerhin sind hier auch Familie und Freunde zu Hause. Allein schon der Kesselblick genügte, um Ninas Heimatliebe wieder aufzuwärmen: „Immer wenn ich mit dem Auto die Weinsteige entlanggefahren bin und das Lichtermeer unter mir sah, konnte ich aufatmen.“ Und das sogar trotz Feinstaub.

Auf ihren Kurzbesuchen fiel Nina immer wieder auf, dass sich im guten alten Benztown einiges getan hatte. „Es gab so viel Neues zu entdecken. Teilweise fühlte sich Stuttgart an manchen Ecken wie eine andere Stadt an.“ Vor allem diese aufstrebende Kreativ-Szene gab Nina den alles entscheidenden Impuls für die Rückkehr. Der Zeitpunkt schien nahezu perfekt: „Ich wollte Teil dieser Entwicklung sein.“

Der Traum vom Eckhaus

Den abzugebenden Laden in der Liststraße entdeckte Ninas Mutter in der Zeitung. Zufall, oder wohl doch eher Schicksal. „Zuvor hatte ich mir eine freie Ladenfläche im Heusteigviertel angeschaut. Das klappte am Ende aber doch nicht. Zum Glück!“ Denn schon auf dem Weg zum Besichtigungstermin wurde Nina eines klar: das ist er! „Wir sind auf den Laden zugefahren und dann wusste ich es schon.“ Nicht nur der langgehegte Wunsch vom Eckhaus sollte sich erfüllen – auch die kleine Terrasse vor dem Laden spiegelte Ninas Vision perfekt wider: „Am Ende bekam ich die Zusage für den Salon und dachte mir, dass es einfach so kommen musste.“

Jetzt stand die eigentliche Challenge an, für die es viel Vorstellungskraft und Ausdauer benötigte. Mit festem Plan im Kopf wurde vom Boden bis hin zum Türrahmen alles in Eigenregie grundsaniert. Nach vier Monaten und vielen unerwarteten Überraschungen eröffnete Nina dann im Herbst 2016 ihren ersten eigenen Salon. Damit führt sie nun die Tradition an der Liststraße 57 weiter. „Seit den Siebzigern war hier immer ein Friseur. Das fühlt sich echt gut an.“

Friseur und Treffpunkt zugleich

Ihr Wunsch ist es, dass man nicht nur zum Haareschneiden kommt, sondern auch ohne Termin auf einen Kaffee vorbeischaut. Immerhin bietet die Terrasse genügend Platz und soll deshalb in Zukunft auch als Veranstaltungsort für das ein oder andere kleine Fest dienen: „Hier soll sich jeder wohlfühlen können.“ Und wer weiß, vielleicht stehe man ja auch irgendwann zu dritt oder viert im Laden, so die 28-Jährige.