Reaktionen in Stuttgart nach Wiesn-Absage Schausteller geben Hoffnung aufs Volksfest nicht auf

Wird sich auch in diesem Jahr das Riesenrad auf dem Cannstatter Wasen nicht drehen? Foto: dpa
Wird sich auch in diesem Jahr das Riesenrad auf dem Cannstatter Wasen nicht drehen? Foto: dpa

„Wir sind nicht München“, erklärt Mark Roschmann. Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Südwest fordert einen Ersatz fürs Volksfest, falls es wie die Wiesn ausfällt. Mit fortschreitender Impfung, so die Hoffnung, wäre der Wasen möglich.

Lokales: Uwe Bogen (ubo)
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Stuttgart - Traditionell beginnt der Wasen eine Woche nach der Wiesn. Reicht diese eine Woche aus, dass in Bad Cannstatt möglich wird, was München im Herbst erneut coronabedingt unterbindet? Am Montag haben Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und OB Dieter Reiter (SPD) „schweren Herzens, aber doch mit hoher Vernunft“ die Absage des Oktoberfestes 2021 offiziell verkündet. In Stuttgart hingegen lassen sich die Verantwortlichen Zeit mit der Entscheidung, ob das Cannstatter Volksfest zum zweiten Mal in Folge wegen der Pandemie ausgebremst wird. „Es bleibt bei unserem Fahrplan“, erklärt ein Sprecher des Rathauses, „wir werden, wie vereinbart, Mitte Juni darüber entscheiden.“

„Man könnte den Wasen um zwei Wochen nach hinten verschieben“

Festwirtin Sonja Merz versteht nicht, warum sich München so früh schon entschieden hat. „Wenn die Impfungen rasant weitergehen wie zuletzt“, sagt sie, „könnte es mit dem Volksfest Ende September klappen.“ Sie bringt die Idee ins Spiel, dass man den Wasen um zwei Wochen nach hinten verschiebt – damit alles noch sicherer wird. Dafür hat sie bereits Zustimmung von Schaustellern und Wirten erhalten. Mit der Vorlage des Impfpasses oder mit Schnelltests, glaubt sie, könne man dann auch Bierzelte öffnen. „Für unsere Planungen reicht es, wenn wir Ende Juni wissen, ob das Fest stattfinden kann“, versichert Sonja Merz.

Ihr Kollege Hans-Peter Grandl hofft ebenfalls, dass in noch schnellerem Tempo geimpft wird. „80 Prozent müssten bis Herbst geimpft sein“, sagt er, „dann wäre das Volksfest möglich.“ Bei einem „Wasen mit angezogener Handbremse“ ist er aber skeptisch. „Das wäre wirtschaftlich kaum machbar“, gibt Grandl zu bedenken. Ein Volksfest mit Biergarten im Freien ohne Bierzelte hält er für wenig realistisch: „Im Oktober ist es oft kalt, das muss berücksichtigt werden.“ Stuttgart habe etwas mehr Zeit, sich zu entscheiden, als München, sagt Grandl: „65 Prozent der Wiesn-Gäste kommen aus dem Ausland. Deshalb muss man dort früher sagen, was geht.“

Jeder fünfte Schausteller-Betrieb hat aufgegeben

Bei etlichen Schaustellern sinkt nach der Absage in München die Hoffnung aufs 175. Volksfest. „Wenn die Wiesn fällt, ist auch der Wasen nicht zu retten“, ist zu hören. Die Existenz von noch mehr Betrieben steht nun auf dem Spiel.

„Wir sind nicht München“, sagt Mark Roschmann selbstbewusst. Der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Südwest fordert einen Ersatz fürs Volksfest, falls es wie die Wiesn ausfällt. Trotz der staatlichen Hilfe hat nach seinen Worten bereits jeder fünfte Betrieb aufgegeben. „Von 750 Schaustellerunternehmen in Baden-Württemberg haben etwa 140 aufgehört“, berichtet er besorgt. Große Hoffnung setzen die Schausteller auf sogenannte Pop-up-Freizeitparks in Baden-Württemberg. Die fänden im Freien statt, wo nach der Aerosolforschung die Gefahr der Ansteckung gering sei. „Wir haben bereits sieben Zusagen für diese Ersatzveranstaltungen“, berichtet Roschmann.

„Zum Glück ist unser neuer OB ein Volksfestfan“

Zuversichtlich ist der Vorsitzende des Schaustellerverbandes, dass sich auch Stuttgart eine Alternative überlegt, falls das herkömmliche Volksfest mit Bierzelten wegen Corona nicht möglich wird. „Unser neuer OB ist zum Glück ein Volksfestfan“, betont Roschmann. Auch er plädiert dafür, dass beim Impfen noch ein Zahn zugelegt wird – auf dass dem Wasen die erneute Absage erspart bleibt.




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