Der Schock unter Eltern, Schülern sowie Passanten in Nürtingen war groß, als am Montag durch ein Busunglück 41 Personen verletzt wurden. Ein Bus der Linie 116, in dem sich überwiegend Kinder und Jugendliche befanden, war an der Kreuzung Bismarckstraße/Steinenbergstraße unterwegs gewesen, als er von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum prallte. Die Verletzten sind außer Lebensgefahr, teilt ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Reutlingen am Dienstag mit. Den Sachschaden beziffert die Polizei mit rund 100 000 Euro. Wegen des Unfalls war am Montag Großalarm ausgelöst worden, weshalb auch aus den umliegenden Landkreisen Rettungskräfte nach Nürtingen ausgerückt waren.
Der Baum, gegen den der Bus geprallt war, wurde stark beschädigt. Weil dessen Standsicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte, wurde er laut der Stadtverwaltung am Dienstagmorgen gefällt. Das Alter des Götterbaums, eine schnell wachsende Laubbaumart, wird von Rainer Starke von der Stadtgärtnerei auf rund 30 Jahre geschätzt. Noch am Montagabend war der Baumgutachter Joachim Hagel zur Unfallstelle gerufen worden. Vor Ort musste er feststellen, dass der beschädigte Baum umzustürzen drohte. Laut Hagel wurde der Götterbaum durch die Aufprallwucht samt dem Wurzelteller nahezu aus dem Erdreich gerissen. Nach dem Abtransport des Busses sei der Baum samt Wurzeln zwar wieder zurückgeklappt. Damit jedoch die Straßen und Gehwege im Bereich der Bismarck- und Steinenbergstraße weiterhin gefahrlos hätten genutzt werden können, habe das Nürtinger Unternehmen Bühler Baum und Garten den Götterbaum fällen müssen.
Psychosozialen Notfallversorgung für Schüler und Ersthelfer
Am Tag nach dem Unfall ist der Nürtinger Oberbürgermeister Johannes Fridrich erleichtert darüber, dass alle Verletzten außer Lebensgefahr sind. „Ich spüre in der Stadt sehr viel Dankbarkeit für die schnelle Hilfe an der Unfallstelle“, sagt Fridrich. Auch auf seiner Facebook-Seite zeigt sich diese Stimmung. Mehr als 50 Bürgerinnen und Bürger bedanken sich in den Kommentaren für den reibungslosen Ablauf der Rettungsaktion und drücken den Opfern und deren Angehörigen ihr Mitgefühl aus.
Der Rathauschef Fridrich bedauert die Entfernung des Baumes zwar, „aber ihn in diesem Zustand stehen zu lassen, wäre zu gefährlich gewesen.“ Die Stadt wolle den Götterbaum nun durch eine einheimische Art ersetzen.
Für die Schülerinnen, Schüler und Ersthelfer des Max-Planck-Gymnasiums gab es am Dienstagmorgen im Rahmen einer Psychosozialen Notfallversorgung professionelle Betreuung, teilt Fridrich, der am Montag ebenfalls vor Ort gewesen war, mit. „Großes Glück im Unglück war, dass kein Rad- oder Fußgänger verletzt wurde. Da waren viele Schutzengel im Spiel“, sagt er. Eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen habe sich in unmittelbarer Nähe aufgehalten, als der Bus gegen den Baum fuhr und ein schwerer Ast herabfiel. Laut dem aktuellen Ermittlungsstand wurden alle Insassen des Busses durch den Unfall verletzt: 27 Fahrgäste trugen leichte Verletzungen davon und konnten durch Sanitäter vor Ort versorgt werden, teilte ein Sprecher der Polizei mit.
Drei Personen wurden schwer verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die anderen Fahrgäste wurden wegen mittelschwerer Verletzungen in Kliniken behandelt. Die Polizei geht weiterhin davon aus, dass das Unglück durch plötzliche gesundheitliche Probleme des Busfahrers ausgelöst wurde. Geprüft würden aber auch andere mögliche Ursachen.